Bad Dürkheim Suche nach dem Verbindenden

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Das Palatia Jazz Festival ist immer auf der Suche nach Neuem, noch Unbekannten. Das wurde auch beim Konzert am Freitagabend im Innenhof des Ältesten Hauses von Haßloch mit dem Quartett „Vibratanghissimo“ geboten.

Juan Lucas Aisemberg (Viola) in Ungarn geboren, in Italien aufgewachsen, mit argentinischen Wurzeln, schlug dem Berliner Vibraphonisten Olli Bott vor, einmal Tango ohne Bandoneon zu spielen. So entstand das Quartett „Vibratanghissimo“. Für das Palatia-Jazz-Konzert wurde als Gaststar Nguyen Le eingeladen. So präsentierte sich das Ensemble mit Tuyet Pham, die klassisches Piano spielte, Arnulf Ballhorn am Kontrabass, Juan Lucas Aisemberg, der Viola spielte, dem Vibraphonisten Olli Bott und dazu Nguyen Le an der elektrischen Gitarre. Der argentinische Tango ist nicht nur ein Tanz, sondern Emotion, ein Lebensgefühl. In Haßloch wurde er gespielt von Menschen, die aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen stammen, aber alle in Europa aufgewachsen sind. Sie alle sind ständig auf der Suche nach dem Verbindendem in der Musik der verschiedenen Kulturen. Nguyen Le ist ein „Welt-Gitarrist“ und bei Palatia Jazz kein Unbekannter. Schon dreimal war er da. Seine elektrische Gitarre erinnert vom Aussehen stark an fernöstliches Design. Wenn er spielt, dann ist das eine Symbiose zwischen elektrischer Rockgitarre, sehr verhaltenen Jazzeruptionen und fernöstlicher Sehnsucht. Er kann sich gut in die argentinische Tangopoesie einfühlen und sie mit Jazz verbinden. Das mündet in gemeinsamen Musiklinien, enthält einen Keim Hoffnung – auf einmal ist der Tango gar nicht so düster. Auf dem Programm standen auch zwei eigene Stücke von Nguyen Le. Eines sei eine seiner ersten Kompositionen, wie er erzählt. Sie stammt aus dem Jahr 1983, da Nguyen Le den Klang der spanischen Sprache mag, hat er die Komposition „Noche y Luz“ genannt. Die zweite Komposition von Nguyen Le, die in Haßloch gespielt wurde, hat er dem Daoismus gewidmet. Der Vibraphonist Olli Bott startete mit Klängen à la Summertime und schichtete mit federndem Schwung intensive Melodien auf. Während die Viola klagte, wurde dazu der Kontrabass von Arnulf Ballhorn über weite Strecken gestrichen. In dem Stück „Danca tempestosa“, einer Komposition von Olli Bott, klang das recht stürmisch. Bott trommelte die Töne aus dem Vibraphon geradezu heraus. Bei Tango denkt man oft an Astor Piazolla, doch Juan Lucas Aisemberg hat auch andere Komponisten entdeckt. So erklingt eine argentinische Samba, die melancholisch ist, fast trügerisch, dazu wirkt der gestrichene Bass perkussiv treibend, Bott beschwört die „Milonga obscura“, die Traurigkeit. Man geht vielleicht in Konzerte, um die raue Welt ein wenig auszublenden, doch die Wirklichkeit hat die Musik erreicht. So wird „Libertango“, das wohl bekannteste Stück von Astor Piazolla, zur vehementen Anklage, mit wuchtigen Akkorden am Klavier, Nguyen Le übernimmt dazu die Melodie. Die Zugaben Piazollas „Michelo setenda“, voller Emotionen gespielt, und ein lyrisches „Wingless Flight“ von Nguyen Le, sind die „Sahnehäubchen“ eines gelungenen Konzerts.

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