Bad Dürkheim
„Stimme für die Vergessenen“ – Dürkheimer Katholiken trauern um Papst
„Er hat sich denen zugewandt, die bei aller theologischen Diskussion vom christlichen Ideal übersehen werden“, zeichnet Pfarrer Moritz Fuchs sein Bild des verstorbenen Papstes Franziskus. Er habe damit denen ein Gesicht gegeben, über die sonst nur gesprochen werde, so der Pfarrer weiter. Im Gedächtnis bleiben ihm die Begegnungen des Papstes mit Menschen, die litten. „Das waren keine wohl inszenierten Bilder“, beschreibt es Fuchs als Gesten eines Mannes, der aus seinem tiefen Glauben heraus lebte und handelte, der aber auch auf Missstände sowohl in Gesellschaft wie Kirche hingewiesen habe. „Für mich war Franziskus ein menschenfreundlicher Papst, herzlich in seiner Art, unkompliziert, bescheiden und den Menschen zugewandt“, bringt er es in einem Satz zusammen.
Ähnliche Worte findet Pfarrer Thomas Diener, der den Trauergottesdienst am Sonntag leiten wird. Er beschreibt Papst Franziskus als „das menschliche Gesicht einer Kirche, die viele als distanziert oder unnahbar erlebt haben“. Franziskus habe gezeigt, dass Kirche ganz nah bei den Menschen sein könne – besonders bei denen, die oft übersehen, ausgegrenzt oder vergessen würden. „Und vielleicht das Schönste: Er konnte Menschen wirklich ansehen. Er schenkte ihnen das, was wir einander so oft vorenthalten – echte Aufmerksamkeit, ehrliches Interesse, menschliche Wärme“, so Diener.
Den Nerv der Zeit getroffen
Der Beginn des Pontifikats für Papst Franziskus sei nicht leicht gewesen, weist Fuchs darauf hin, dass dessen Vorgänger Benedikt sich Herausforderungen und Problemen nicht mehr gewachsen sah. So hätten auf Franziskus große Hoffnungen gelegen. Zugleich habe sich der Papst immer im Spannungsfeld einer Kirche bewegt, die trotz des gemeinsamen Glaubens sehr unterschiedlich sein könne und auch sei. „Viele erhofften sich mehr und andere fürchteten sich vor zu viel“, beschreibt es Fuchs. Für ihn persönlich habe Franziskus aus dem Glauben heraus wichtige Antworten auf die Fragen der Zeit gegeben. „Die päpstlichen Schriften, Enzykliken und Apostolischen Schreiben haben zweifelsohne auch den Nerv der Zeit getroffen und das besprochen, was die Menschen bewegt hat – auch hier bei uns“, so Fuchs.
„Die Kirche hat ein Gesetz, aber Gott hat ein Herz“, zitiert Pfarrer Diener den Schriftsteller Hermann Coenen. Franziskus habe dieses Herz Gottes mit seinem Leben sichtbar gemacht – „weit, offen, liebevoll, für jeden Menschen“. Was ihn besonders berührte: Papst Franziskus habe um seine Grenzen gewusst, sei sich seiner Schwächen bewusst gewesen. „Möglicherweise vertraute er gerade deshalb so tief auf die Barmherzigkeit Gottes“, sagt Diener.
Die Aspekte der Liebe und Barmherzigkeit bilden einen Schwerpunkt des Gottesdienstes. „Er war eine Stimme für die Armen, die Vergessenen und die Suchenden – ein Hirte, der aufgebrochen ist zu den Menschen am Rand. In seinem Geist wollen wir danken, beten und Hoffnung schöpfen – für ihn, für die Kirche und für die Welt“, hießt es im Einladungstext.
Termin
Trauergottesdienst für Papst Franziskus am Sonntag, 27. April, um 10.30 Uhr in der Kirche St. Ludwig, Bad Dürkheim.