Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt will Erhalt der Bäckerei Sippel unterstützen

Der Betrieb der Backstube in Ungstein ist laut Kreisverwaltung nicht zulässig.
Der Betrieb der Backstube in Ungstein ist laut Kreisverwaltung nicht zulässig.

Die Stadtverwaltung will, dass die Bäckerei Sippel in Bad Dürkheim bleiben kann. Welche Möglichkeiten gibt es? Wäre ein Verbleib am jetzigen Standort realistisch?

Wie ist die derzeitige Ausgangslage für die Bäckerei?
Rechtlich sieht es derzeitig schwierig aus für die Bäckerei Sippel. Das Verfahren wegen baurechtswidriger Nutzung der Produktionsstätte ruht zwar wieder – jedoch nur bis Ende des Jahres. Die Bauaufsicht bei der Kreisverwaltung hatte zuletzt nach Beschwerden aus der Nachbarschaft deutlich gemacht, dass ein Handwerksbetrieb in der Größe einer Filialbäckerei in dem Wohngebiet „Gänseweide“ nicht zulässig ist. In einem Aufruf einer Onlinepetition wird zur Änderung des Bebauungsplans aufgerufen, damit die Bäckerei in Ungstein bleiben darf. Die Kreisverwaltung hat deutlich gemacht, dass sie dazu nichts sagen könne: Die Stadt Bad Dürkheim hat die Planungshoheit auf ihrem Gebiet.

Wie lange sind die Schwierigkeiten der Bäckerei schon bekannt?
Der Stadtverwaltung verweist auf Anfrage darauf, dass die baurechtliche Situation der Bäckerei seit rund 20 Jahren öffentlich bekannt sei. So wurde im September 2007 im Kreisrechtsausschusses über einen Widerspruch aus der Nachbarschaft gegen einen Bauantrag der Bäckerei Sippel verhandelt. Thema war die nachträgliche Genehmigung einer bereits eingebauten Lüftungsanlage. „Somit handelt es sich nicht um eine neue Problemlage, sondern die Thematik ist allen Beteiligten seit Jahren bekannt“, verdeutlicht die Pressestelle der Stadt.

Warum gab es bislang keine Lösung?
Sowohl mit der Nachbarschaft als auch mit der Bäckerei habe es zahlreiche Gespräche gegeben mit dem Ziel zu vermitteln und der Bäckerei Alternativen anzubieten, informiert die Stadtverwaltung. „Hier sei insbesondere der Standort an der Bleiche in Ungstein genannt, für den die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen wollte“, so die Verwaltung. Dieses Gebiet befindet sich hinter der jetzigen Bushaltestelle an der Altenbacher Straße. Der Bäckerei war dort Anfang 2024 ein Alternativ-Standort angeboten worden. Der Ortsbeirat von Ungstein hatte sich dafür stark gemacht. Doch schnell wurde bekannt, dass der Boden dort durch Ablagerungen früherer Kanalbauarbeiten belastet sein könnte. Der damalige Betriebsinhaber Reiner Sippel war außerdem abgeschreckt von der Kritik aus dem angrenzenden Wohngebiet an dem Vorhaben. „Kaum waren die Pläne bekannt, gab es schon eine Bürgerinitiative dagegen“, sagte Sippel damals. Weiterer Nachteil aus seiner Sicht: die fehlende Erweiterungsmöglichkeit.

Könnte das reine Wohngebiet in ein Mischgebiet umgewandelt werden?
Bei einer Änderung des bestehenden Bebauungsplans „Gänsweide“ sei man an enge rechtliche Rahmenbedingungen gebunden, so die Verwaltung. Eine Überplanung müsse das komplette Umfeld des Bäckereibetriebes umfassen. Dort müsste dann die bestehende Gebietsart in die eines Mischgebiets umgewandelt werden. „ Ob die Immissionswerte eines Mischgebietes besonders in den frühen Morgenstunden durch die Bäckerei eingehalten werden könnten, ist sehr kritisch zu sehen“, gibt die Verwaltung zu bedenken. Dies müsste im Rahmen eines Immissionsgutachtens überprüft werden.

Könnten sich dort noch mehr Betriebe ansiedeln?
Ein Mischgebiet setzt laut Verwaltung grundsätzlich eine gewisse Nutzungsmischung voraus, dies sei im unmittelbaren Umfeld derzeit nicht gegeben. In der Konsequenz würde aber die Ausweisung eines Mischgebietes bedeuten, dass sich dort noch mehr Gewerbebetriebe ansiedeln könnten, die das Wohnen nicht wesentlich stören. „Dies ist wahrscheinlich nicht im Sinne der Anwohnerinnen und Anwohner“, findet die Verwaltung.

Also doch ein anderer Standort?
Die Thematik mit der Umwidmung des Gebiets sei nicht weiter geprüft oder abgestimmt, da die Bäckerei Sippel gegenüber der Stadt signalisiert habe, dass ohnehin größere Produktionsflächen benötigt werden, als diese am jetzigen Standort vorhanden sind, bekräftigt die Stadtverwaltung. Leider habe aufgrund der angespannten Grundstückssituation und der gewünschten Rahmenbedingungen für den neuen Standort noch kein Umzug realisiert werden können, bedauert die Stadt. Ziel müsse es sein, einen Standort zu finden, bei dem die Bäckerei Sippel in der jetzigen Form zulässig sei. Außerdem müsse sie dort noch wachsen können. „ Dies ist am derzeitigen Standort nicht möglich“, betont die Verwaltung.

Was tut die Stadt, damit die Bäckerei in Bad Dürkheim bleiben kann?
„Die Stadtverwaltung beschäftigt die aktuell zugespitzte Situation sehr und sie steht derzeit täglich mit der Familie Böttinger in Kontakt“, heißt es. Es seien Angebote über potenzielle Gewerbeimmobilien weitergegeben und potenzielle Standorte baurechtlich bewertet worden. „Es ist ein sehr großes Ziel der Stadt, den Erhalt der Bäckerei Sippel nach Kräften zu unterstützen und dies möglichst in Bad Dürkheim“. Hierbei müssten aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen, das zur Verfügung stehende Angebot an geeigneten Grundstücken und die Bedürfnisse der Wohnbevölkerung in der Umgebung berücksichtigt werden.

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