Wachenheim
Spitzensekt um Spitzensekt: So liefen die „Sparkling Twenties“
Eingeladen in die Kulturscheune des Wachenheimer Weinguts Bürklin-Wolf hatte der Neustadter Meininger Verlag. Das erste Mal bei „Sparkling Twenties“, zu Deutsch etwa „prickelnde Zwanziger“, war das Freinsheimer Weingut Rings dabei: „Es ist eine tolle Veranstaltung, die Crème de la Crème der Sektproduzenten ist vertreten – und das auch noch in der Pfalz, direkt vor unserer Haustür“, schwärmte Simone Rings. Der Freinsheimer Betrieb ist eigentlich für seine Weine bekannt, vor allem für seine Rotweine internationaler Klasse. Seit der Aussiedlung 2018 produziert das Weingut auch Sekt fürs Spitzensegment. „Es macht uns Spaß, außerdem trinken wir selbst gerne guten Sekt“, ergänzte Rings.
Schaumwein im Aufschwung
Den deutschen Schaumwein sieht sie seit Jahren im Aufschwung: „Ich glaube, das ist weniger ein Trend als ein Prozess. Langsam entwickelt sich das Bewusstsein dafür, dass Sekt aus Deutschland nichts Billiges ist.“ Die Winzer in der Pfalz arbeiteten daran, den Ruf des deutschen Sekts wieder aufzupolieren. „Bei uns gibt es durchaus Sekt, der einem Champagner ebenbürtig ist“, befand Rings.
Ein paar Tische weiter schenkte Gerlinde John gerade einen Probeschluck ihres Riesling Brut Nature aus. Das Königsbacher Weingut arbeitet streng biologisch. „Wir bauen Humus auf statt ab, der wiederum CO2 speichert“, nannte John ein Beispiel. Den Sekten gönnen die Johns wie alle in der Kulturscheune vertretenen Anbieter viel Zeit auf der Hefe, dem Spitzensekt 100 Monate.
Ihren spektakulärsten Schaumwein hatte die Familie aber nicht dabei: Vor der Küste der Bretagne lassen die Königsbacher einen Sekt auf dem Meeresgrund reifen. „Wir wollen damit die Kraft des Mondes demonstrieren, der schließlich für die Gezeiten verantwortlich ist“, sagte John, die das Ambiente der Messe lobte. „Es wäre toll, wenn noch ein paar internationale Gäste kämen“, äußerte sie einen Wunsch.
Ein wenig international ging es in der Kulturscheune dann doch zu. Dafür sorgte das Gastland Österreich. Während bei den meisten Betrieben in der Kulturscheune der Fokus auf Wein liegt, zählte das Weingut Harkamp zu der kleinen Gruppen der Sektspezialisten. Etwa 70 Prozent der jährlichen Produktionsmenge seien Schaumweine, erklärte Hannes Harkamp. „Bei uns hat Sekt einen hohen Stellenwert“, ergänzte der Winzer aus der Steiermark. Für ihn gehe es bei der Messe darum, Kontakte zu knüpfen – etwa zu Sommeliers, den Handel oder die Gastronomie. Diese Fachbesucher sorgten vor allem morgens für regen Betrieb. Vor allem sei die Präsenz aber Imagepflege, ergänzte Harkamp, der die Fachkenntnis der Besucher lobte.
„Was, Ihr macht auch Wein?“
Eine deutlich kürzere Anreise hatte das Gönnheimer Weingut Eymann. Der Bio-Betrieb habe sich mittlerweile auch mit seinen Sekten einen Namen gemacht, erzählte Moritz Engel, der den Tisch der Eymanns betreute. Gerade aus Skandinavien, wohin die Eymanns exportierten, komme auch mal die Frage: „Was, ihr macht auch Wein?“, berichtete Engel.
Und wie fällt das Fazit des Veranstalters aus? „Wir sind sehr zufrieden“, erklärte Laura Khan, Eventmanagerin beim Meininger Verlag. Rund 40 Betriebe und etwas mehr als 300 Teilnehmer seien nach Wachenheim gekommen. Der Anteil der Fachbesucher sei aber deutlich größer gewesen als der der Privatkonsumenten. Dennoch wolle der Verlag die Messe im kommenden Jahr wieder für den Publikumsverkehr öffnen und den Veranstaltungstag von Dienstag in Sonntag ändern. Auch sollen die „Sparkling Twenties“ wachsen. Dafür sei man derzeit auf der Suche nach einem größeren Veranstaltungsort, berichtete Khan.