Bad Dürkheim Sperrmüll: Abfuhr auf Abruf
Ab nächstem Jahr wird der Sperrmüll im Landkreis nicht mehr wie bisher per Straßensammlung abgeholt, sondern auf Abruf – wir haben bereits kurz berichtet. Die Umstellung soll testweise ein Jahr lang erprobt werden. So hat es der zuständige Werksausschuss des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) im Kreishaus nach durchaus kontroverser Diskussion beschlossen. DIE RHEINPFALZ geht noch einmal auf einige Fragen ein.
Den Bürgern werden über den Abfallkalender keine festen Abholtage für Gemeinden oder Ortsteile mehr vorgegeben, sondern sie entscheiden selbst, wann sie Sperrmüll und Altholz abholen lassen wollen. Pro Haushalt kann dies zweimal im Jahr beauftragt werden – für sogenannte haushaltsübliche Mengen, also bis etwa drei Kubikmeter, wobei da großzügig verfahren werde, heißt es. Eine komplette Hausentrümpelung freilich werde wie schon bisher über die Sperrmüllsammlung nicht möglich sein. Wo und wie meldet man das Abholen von sperrigem Müll an? Der Auftrag kann persönlich, schriftlich, per Mail (abfallwirtschaft@kreis-bad-duerkheim.de), per Fax und telefonisch an die zuständigen Sachbearbeiterinnen (sie stehen auf dem Müllgebührenbescheid) gerichtet werden. Um die Touren planen zu können, soll man die ungefähre Menge angeben und um welche Art von Müllgut es sich handelt. Wie geht’s dann weiter? Im Kreishaus nimmt man die Anmeldungen entgegen und leitet sie an die Entsorgungsfirma weiter. Die organisiert anhand der Aufträge die Route, die Bürger werden direkt über den Abholtermin informiert. Sie müssen nach wie vor das Müllgut vor ihrem Haus abstellen. Die Touren sollen so organisiert werden, dass alle Gemeinden und Städte in einem Turnus von längstens vier Wochen angefahren werden. Was ist Anlass für die Änderung des Sammelmodus? „Aus den Städten und Gemeinden kam immer wieder die Anregung, die Sammlung auf Abruf umzustellen“, sagt Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld. Ein Grund dafür: An den Tagen vor und während der Sperrmüllabfuhr ist der Mülltourismus zunehmend ausgeartet. Kleintransporter und Autos zumeist mit auswärtigen Kennzeichen klappern scharenweise die Straßen ab, ihre Insassen durchsuchen den Sperrmüll nach noch Brauchbarem. Meistens werden dabei Straßen und Gehwege verschmutzt, der Verkehr behindert. „Am Abend wird es manchmal laut“, schildert Ihlenfeld weitere Beschwerden von Anwohnern und Bürgermeistern. Nicht zuletzt kommen Sammeltrupps häufig an einem zentralen Platz zusammen, um das ganze Zeug nachzusortieren oder auszutauschen – was danach gar nicht mehr gebraucht wird, bleibt liegen oder wird am Ortsrand weggeschmissen. Warum wird zum jetzigen Zeitpunkt umgestellt? Der Hauptvertrag zwischen Landkreis und Entsorgungsfirma läuft zum Jahresende 2016 aus. Der Kreis hatte sich aber die Option vorbehalten, die Sperrmüllabfuhr ab 1. Januar 2015 auf Abruf umzustellen. Der Landrat nennt es eine gute Gelegenheit, das Abrufsystem ein Jahr lang zu testen und Erfahrungen zu sammeln. Sie sollen in den neuen Vertrag einfließen, der ab 2017 gültig sein soll. Entstehen durch die Umstellung höhere Kosten? Laut der Vereinbarung im Vertrag erfolgt die Umstellung kostenneutral. Der bisherige Aufwand für Sammlung und Transport belief sich auf etwa 240.000 Euro im Jahr. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr über die Straßensammlung 3700 Tonnen Sperrmüll gesammelt, zusätzlich wurden 5300 Tonnen aus den Haushalten selbst zu den Wertstoffhöfen gebracht. So oder so musste alles zur Müllverbrennungsanlage weitertransportiert werden. Einen Vorteil der Straßensammlung sehen Bürger darin, dass ausrangierte Sachen von Dritten eingesammelt und weiterverwendet, also nachhaltig recycelt werden. Was passiert bei der Abrufsammlung mit dem Müllgut? Schon jetzt wird der eingesammelte Sperrmüll noch einmal sortiert, und zwar primär auf Altholz, so AWB-Chef Klaus Pabst zur RHEINPFALZ. Dessen Anteil mache bisher knapp über die Hälfte der Gesamtmenge aus. Dieses Altholz wird unter anderem als Brennstoff und damit Energieträger etwa für Biomasse-Heizkraftwerke genutzt. Der restliche Sperrmüll wandert in der Tat in die Verbrennung. Was sind die Vorteile der Abruf- gegenüber der Straßensammlung? Da die Sperrmülltermine nicht mehr veröffentlicht werden, erhofft man sich vor allem eine starke Eindämmung des Mülltourismus – gerade in den Abendstunden, wenn sich derzeit nach Feierabend noch Private, zumeist aber kommerzielle Nutzer auf den Weg machen, die sich vom Sperrmüllhandel zusätzliche Einnahmen erhoffen. Erfahrungen in Großstädten – wie etwa bei Stadtteilsammlungen in Mannheim – zeigen, dass Mülltourismus irgendwann auch beim Abrufsystem wieder einsetzt. Wieweit Drittsammler auch bei einem Flächenlandkreis wie bei uns auf den Abfuhrturnus schließen können, ist eine der Erfahrungen, die man im Kreishaus abwarten will. Den Vorteil des Abrufsystems für den Bürger haben wir schon benannt: Er bekommt nicht mehr vom Abfallkalender den Abholtermin vorgeschrieben, sondern kann ihn nach eigenem Bedarf bestimmen. Was kann an der Abrufsammlung nachteilig sein? „Manchmal werden weitere Abfälle aus anderen Haushalten dazu gestellt“, schildert Pabst die Erfahrungen in Nachbarkreisen, wo die Abrufsammlung längst praktiziert wird (und bisher noch nirgends zurückgenommen wurde). Dieser „Nebenmüll“ kann zum Problem werden, wenn er entweder nicht als Sperrmüll gilt (Hausmüll) und dann nicht mitgenommen wird. Oder wenn die Menge dadurch größer wird als angemeldet: Dann wird sie entweder auch nicht mitgenommen oder der Tourenplan verzögert sich, was zu Beschwerden führen kann. Wie ist die bisherige Erfahrung bei anderen Abruf-Müllsorten? Schon seit dem vergangenen Jahr werden im Landkreis Schrott und Elektroschrott auf Abruf abgeholt. Man habe damit gute Erfahrungen gemacht, sagt Klaus Pabst, auch wenn das Mengenaufkommen nicht mit der Sperrmüllabfuhr vergleichbar sei. (psp)