Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Singende Trommeln, sprechende Klarinetten: Duo FizFüz im Badehaisel

Seit den 1990er-Jahren spielen sie zusammen: Murat Coskun an einer seiner Rahmentrommeln, Annette Maye an der Klarinette.
Seit den 1990er-Jahren spielen sie zusammen: Murat Coskun an einer seiner Rahmentrommeln, Annette Maye an der Klarinette.

Das Oriental-Jazz-Duo FisFüz von Perkussionist Murat Coskun und Klarinettistin Annette Maye hat das Publikum im Wachenheimer Badehaisel mit einer sprechenden Klarinette à la Giora Feidmann, pulsierenden galoppierenden Rhythmen und „exotischen“ Instrumentenbegeistert. Eine echte Entdeckung – und wahre Weltmusik.

Wie beschreibt man ein Jazzduo, das türkische Melodien und Klänge aus dem Balkan mit Klezmer verbindet, die Klarinette quietschig oder tief à la Giora Feidmann sprechen lässt und dazu noch improvisiert? Wie beschreibt man die vielfältigen Rhythmen auf den unterschiedlichsten Rahmentrommeln, mal leise mit den Fingern trippelnd angetippt, mal sanft gestrichen, dann wieder galoppierend, pulsierend, kraftvoll? Wie die tiefen Basstöne, mittig mit der Handfläche im Zentrum der Trommel angeschlagen? Dazu „exotische“ Instrumente wie die Hang, ein Wok-ähnlich aussehendes Gebilde, das mit der Steeldrum aus der Karibik verwandt ist, aber in der Schweiz erfunden wurde. Das glockenspielartig-sanft-klangschalig klingt und rhythmisch zugleich ist. Wie beschreibt man den Klang der Samsara? Ein Instrument, das die südafrikanische Kalimba, eine Art Fingerklavier mit metallenen Zapfen, und eine kleine Trommel vereint?

Die Antwort auf all diese Fragen: gar nicht. Man muss die einzelnen Komponenten kennen, um sich die Musik vorstellen zu können. Dann aber erscheinen die unterschiedlichsten Bilder. Vom Türkei- oder Griechenland-Urlaub oder einem Fest mit Menschen aus diesen Regionen. Sehnsuchtsvolle Lieder, die einen dahinschmelzen lassen, oder die Erinnerung an wilde Kreistänze, die langsam beginnen und dann immer schneller werden. Hochzeitstänze auf rauschenden Festen. Vielleicht sieht manch einer auch tanzende Derwische, Janitscharen, Bauchtänzerinnen? Oder man erinnert sich an Konzerte mit Giora Feidmann, der mit seiner Klarinette Geschichten erzählt? Diese Assoziation ist richtig: Beide, Perkussionist Murat Coskun und Klarinettistin Annette Maye, haben bereits mit ihm gespielt und komponiert. Ihr eigenes Duo FisFüz haben sie Mitte der 1990er-Jahre in Freiburg gegründet.

Meister am Werk

Aber neue Bilder kommen einem beim Zuhören in den Kopf. Coskun nimmt eine seiner vielen Rahmentrommeln zur Hand, befeuchtet einen Finger und fährt den Rundungen des Instruments folgend im Kreis entlang. Ein sphärischer Oberton entsteht. Dazu lässt er auf türkisch einen Obertongesang erklingen, der an den der Uiguren erinnert. Die Gedanken reisen in die endlosen Steppengebiete der Mongolei. Dann folgen wieder fröhliche Lieder, ein Hirtentanz. Mal wird dabei eine Rahmentrommel rhythmisch hochgeworfen und wieder aufgefangen, mal wird sie nach vorne und hinten geschwenkt – alles unterschiedliche Töne erzeugend. Schnell wird klar, dass hier Meister am Werk sind. Richtig gespielt hat die Trommel Melodie – am Rand entstehen hohe Töne, in der Mitte tiefe. Dazu gibt’s Trommeln mit Schellen, die zusätzlich mit den Fingern angespielt werden können oder die scheppernd mitschwingen. Manche Schellen sind groß, andere klein wie aneinandergereihte Schlüsselringe, innen am Rahmen befestigt.

Zuhörer haben viele Fragen

So gelingt es, Perkussion aus der Rolle des Begleitinstrumentes zu befreien. Das Publikum ist begeistert, stellt in der Pause so viele Fragen, dass die Musiker nach dem Konzert eine Fragerunde für alle anbieten. Gibt’s für die Perkussion Noten? Ja, aber der Musiker improvisiert viel. Wie ist der Zusammenhang von Klezmer und orientalischer Musik? Welche Instrumente spielte man im Osmanischen Reich? Da beide auch Dozenten sind, Coskun in Mannheim an der Popakademie und Maye in Wuppertal an der Hochschule für Musik und Tanz, und jeweils führende Festivals für Klarinette und Rahmentrommel initiiert haben und leiten, sind sie kompetente Ansprechpartner.

Als Zugabe gab es auf Publikumswunsch noch einmal die Hang zu hören. Da sie kein fertiges Stück parat hatten, improvisierten sie fix. Perfekt. Harmonisch das Ergebnis. Zufrieden lachten sich die beiden Musiker nach dem geglückten Werk an. Das Publikum freute sich, eine Neuentdeckung gemacht zu haben. FisFüz steht für eine eigene Musik, einen eigenen Stil, der dazu einlädt, sich in Tönen und Rhythmen zu verlieren.

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