Wachenheim
Schwalben willkommen
Früher waren Schwalben weitverbreitet und gehörten zu unseren Dörfern und Städten. Das hat sich geändert: In den vergangenen Jahrzehnten sind ihre Populationen immer mehr zurück gegangen. Neben dem Insektenschwund gibt es dafür eine weitere Hauptursache: Mehlschwalben und auch Rauch- und Uferschwalben leiden massiv unter dem Verlust an Brutmöglichkeiten.
Ihre Lehmnester bauen die Mehlschwalben an den Außenwänden von Häusern. Als Gebäudebrüter gehören sie zu den besonders geschützten Arten, deren Brutstätten nicht zerstört werden dürfen. Trotzdem fallen Nester immer wieder Sanierungen zum Opfer. Auch befürchten manche Hausbesitzer Verschmutzungen durch Kot und treffen Vorkehrungen gegen den Nestbau.
Echte Baukünstler
Doch es gibt auch erfreuliche Gegenbeispiele. Für die Wachenheimer Familien Wolf, Reister und Teschner war es keine Frage: Als vor einigen Jahren die ersten Mehlschwalben unter den Dachvorsprüngen ihrer Reihenhäuser mit dem Nestbau anfingen, freute man sich über die gefiederten Gäste. „Zuerst sind oben an der Hauswand nur ein paar Punkte aus Erde zu sehen“, erzählt Christiane Wolf. „Da kann man sich kaum vorstellen, dass daraus mal ein Nest werden soll. Aber die Schwalben sind echte Baukünstler.“ Auch Karin Reister und Sonja Teschner sahen interessiert zu, wie die Lehmbauweise vonstatten geht. Allmählich wurden es mehr Brutstätten und wo Nester aus den Vorjahren schadhaft wurden, besserten die Vögel sie teilweise aus.
Dazu brauchen sie allerdings feuchte Bodenstellen und Schlammpfützen. „Hier sammeln Schwalben lehmiges Material. Ihr großes Problem ist, dass sie immer weniger Pfützen zum Nestbau finden“, erklärte Burkhard Ort, als er den Familien die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ überreichte.
Geschickte Flugkünstler
Mit dieser Auszeichnung wirbt der NABU für Toleranz gegenüber den nützlichen Insektenfressern. Zumal die Anwesenheit der Vögel natürlich nicht ohne sichtbare Folgen bleibt: Wo sie nisten, fällt auch Kot ab. Doch dafür gibt es Lösungen. In einer Gemeinschaftsaktion haben die Hausbewohner in der Dr.-Hans-Hoffmann-Straße unter den Nestern kleine Bretter montiert, die den Vogelkot auffangen. Wenn die weitgereisten Zugvögel im Frühling aus Afrika eintreffen, um an ihren gewohnten Brutplätzen den Nachwuchs aufzuziehen, freuen sich die Schwalbenfreunde jedes Jahr über ihre Rückkehr. Für sie gehört es in der Sommerzeit einfach dazu, dass die geschickten Flugkünstler über den Häusern ihre Bahnen ziehen und dabei ihr schwatzendes Zwitschern ertönt.