Bad Dürkheim Schleier und Perlen aus Farbe
Verschwimmende, verwischte Farbigkeit, dazwischen konkrete Figuren: Vielschichtig aufgebaut zeigen sich die Arbeiten von Rena Simmat-Stoll und Atyanand W. Hotz. Die Arbeiten der beiden Künstler waren am Wochenende im Dalberger Hof in Wachenheim zu sehen.
In den gemalten und collagierten Bildgefügen von Atyanand W. Hotz eröffnen sich dem Besucher die Blickwinkel eines immer Nachdenkenden. Hier soll nichts Bindendes und Erklärendes fixiert werden. Eher tauchen Fragen auf, hintergründig und unbefangen wie beim bewegten „Farbenschwimmer“, der sich aus einer schäumend gemalten Welle emporhebt. Mit verschieden großen Platten trägt der Künstler, dessen Atelier sich im Dalberger Hof befindet, die Farbe auf. Dabei verzieht er sie zu einer schleierartigen Transparenz, wie etwa in der dreiteiligen Serie „Think about Green“, in der noch die Struktur des hölzernen Untergrunds durchscheint. Auch eingearbeitete Felder aus unterschiedlichen Materialien und hintereinander gestaffelte Untergründe schaffen eine große räumliche Wirkung. Bis zu 70 Kilogramm schwere Sandbilder nehmen angeschwemmte Fundstücke auf, beispielsweise kugelige Pflanzenfasern, ein Bootsteil oder Reste von angebranntem Holz. Mit ihrem reliefartigen Aufbau gehen solche ebenmäßig komponierten Bilder fast schon in den Bereich der Bildhauerei über. Draußen im Hof hat der Künstler eine Vollplastik mit zwei Gesichtern platziert: Mit ihr will er die gleichberechtigte Zusammengehörigkeit männlicher und weiblicher Anteile im Menschen veranschaulichen. Atyanand W. Hotz scheut sich auch nicht, religiöse Leitgedanken zu sprengen: In einer Collage löst er Jesus vom umgestürzten Kreuz und entlässt den Erlöser zum erlösenden Flug in den freien Raum. Scheinbar schwebende Figuren setzt auch Rena Simmat-Stoll in ihre Bilder: Hinter ihnen verarbeitet sie die Farbe zur unfassbar gewischten Fläche, auf der netzartig andere Tönungen durchscheinen. Überwiegend trägt die aus der Bildhauerei kommende Künstlerin Acrylfarben im unmittelbaren Kontakt mit den Fingern auf, weil Malmittel wie der Pinsel für sie eher störend wirken. In der hautnahen Auseinandersetzung mit dem Material schafft sie poetische Arbeiten wie die schemenhafte „Traumfängerin“, die glühenden Platanenblätter oder ein Kranich-Paar, das aus einer verschwommenen Farblandschaft auftaucht. Auf andere, härtere Weise beeindruckt die modern-grelle Bildwelt, durch die Menschen hindurch eilen. Wie vielfältig die Künstlerin mit Farbe umgehen kann, zeigt ihre experimentelle Verfremdung von Vermeer van Delfts „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“: Mit dem unmittelbaren Zusammenspiel von Acrylfarbe und abweisendem Lack erzielt sie perlende Strukturen. Der Blick der jungen Frau aus dem Bild heraus – und umgekehrt des Betrachters zu ihr zurück – dringt durch rieselnde Schleier leuchtender Farbe.