Deidesheim / Wachenheim
Schienenersatzverkehr: „Untragbare Situation“
Seit der wegen Dachsbauten vorgezogenen Sperrung der Bahnlinie gibt es Kritik am Schienenersatzverkehr. Auch ein überarbeiteter Ersatzfahrplan, der seit dem 24. März gilt, hat die Probleme offenbar nicht behoben. „Der Schienenersatzverkehr läuft leider katastrophal. Zu den Stoßzeiten, Schulbeginn und Schulschluss, werden zu wenige Busse eingesetzt, so dass einige Schüler nicht mitfahren können“, heißt es in einem Schreiben des Schulelternbeirats und der Elternschaft der Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim an die Deutsche Bahn. Außerdem fielen Busse nach wie vor aus oder kämen zu spät. Betroffen seien auch Schüler von anderen Schulen, berichten die Eltern. Einige Schüler der Gesamtschule seien stundenlang unterwegs.
Lange Schlangen nach Schulschluss
Das kann Steffen Wagner, Rektor an der IGS, bestätigen. Vor allem nach Unterrichtsschluss um 13 Uhr würden sich in Deidesheim lange Schlangen an der Haltestelle bilden, manche Schüler fänden in den chronisch überfüllten Bussen keinen Platz mehr und müssten mitunter lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Er wisse von Jugendlichen, die erst gegen 15.30 Uhr zu Hause seien, wenn der Unterricht um 13 Uhr ende. „Wir haben ein großes Einzugsgebiet, unsere Schüler kommen aus dem Elmsteiner Tal, aber auch aus Haßloch oder Freinsheim“, erklärt Wagner.
Am Standort Wachenheim gebe es zudem das Problem, dass ein Bus am Schwimmbad um 13 Uhr abfahre. „Das schaffen unsere Schüler nicht, weil der Unterricht bis 13 Uhr geht – es sei denn, wir verkürzen“, erklärt Wagner. In Wachenheim werden die Fünf- und Sechstklässler der Gesamtschule unterrichtet.
In dem Schreiben an die Bahn berichten die Eltern, dass Lehrer keine Klassenarbeiten mehr um 8 Uhr ansetzen können, da zu viele Schüler aufgrund der anhaltenden Probleme zu spät zum Unterricht kämen. Die Schule lässt in Sachen Pünktlichkeit Kulanz walten, bestätigt Wagner. Ein Dauerzustand sei das aber nicht. „Das können wir bis zu den Osterferien so handhaben, aber wir können das nicht ein Jahr lang so machen“, betont der Rektor. Schon jetzt erfordere das Vorgehen viel Kommunikation mit den Eltern, um zu vermeiden, dass Schüler die Probleme mit dem Schienenersatzverkehr nutzten, um später zum Unterricht zu kommen. Die Unterrichtszeiten an sich blieben aber unverändert, unterstreicht er.
Schwierige Anwesenheitskontrolle
Ein anderes Problem sprechen die Eltern in ihrem Brief an die Bahn an. Durch die Probleme mit den Bussen sei es für die Schule schwierig, die Anwesenheit der einzelnen Schüler zu prüfen. Seit dem Missbrauchsfall von Edenkoben, als ein Mädchen auf dem Schulweg entführt wurde, handhaben Schulen das konsequent. „Wenn Schüler nicht pünktlich erscheinen, werden die Eltern kontaktiert, um eine Gefahrensituation oder auch eine Krankheit abzuklären“, heißt es in dem Schreiben der Eltern, die die momentane Situation als „untragbar“ bezeichnen.
Auch Steffen Wagner sagt: „Gott bewahre, dass ein Fall wie in Edenkoben noch einmal passiert. Aber ich muss zugeben, dass so etwas in der derzeitigen Situation eher durchrutschen könnte als früher.“ Nicht zuletzt deswegen hofft der Schulleiter schnell auf weitere Verbesserungen beim Schienenersatzverkehr.