Bad Dürkheim Reiche „Traubenlese“ für Bürklin und Eymael

Die besten Weine von der Mittelhaardt kommen aus den Häusern Dr. Bürklin-Wolf in Wachenheim und Eymael in Pfeffingen. Beide Weingüter werden in der jüngsten Auflage des renommierten Führers Gault-Millau mit vier Traubenhängeln bewertet – die von Bürklin sogar in Rot, was als halber Zusatzpunkt verstanden wird. Einziger Aufsteiger im Dürkheimer Raum ist das Weingut Wegner , das erstmals zwei Trauben erhielt.
Weltweit gebe es kein zweites Weingut mit solch einer Auswahl an Spitzenrieslingen aus besten Lagen, sind die GM-Tester von Bürklin-Wolf begeistert, dessen 90 Hektar Anbaufläche zu 80 Prozent mit dieser Rebe bestückt sind. Sie werden biodynamisch bewirtschaftet von Außendienstleiter Alexander Strohschneider, derweil für den Ausbau der junge Kellermeister Nicola Libelli verantwortlich zeichnet. Den erst 28-Jährigen aus dem norditalienischen Piacenza bezeichnet der Wine Guide unisono mit Bürklin-Geschäftsführer Steffen Brahner gestern als „einen Glücksgriff“. 2010 kam Libelli nach seinem Studienabschluss in Geisenheim ins Wachenheimer VDP-Weingut unter die Fittiche von Fritz Knorr und wurde alsbald dessen Stellvertreter. Als Knorr in seinem 30. Jahr als Kellermeister bei Bürklin im August 2012 überraschend starb, bekam Libelli gar die Gesamtverantwortung übertragen. Er wird ihr gerecht: Zwei seiner Rieslinge wurden zu Siegerweinen der Gesamtverkostung von knapp 12.000 Weinen aus rund tausend Betrieben bundesweit gekürt: Der Forster Pechstein GC (Große Lage) erhielt 94 (von 100) Punkten, der einfache Gutsriesling 86 Punkte. Weitere vier Rieslinge heimsten 90 bis 92 Punkte ein. Daneben erhielt das mehr als 400 Jahre alte Traditionsgut – auch als posthume Auszeichnung für Knorr – die Bernhard-Breuer-Trophy für einen 2004 Forster Kirchenstück (96 Punkte) in einem Zehn-Jahres-Wettbewerb, mit dem die GM-Redaktion auch reife Spitzenweine verkostet. Die Familie Eymael freut sich im Gut Pfeffingen erneut über die Auszeichnung mit vier Trauben, mit denen das Haus weiterhin zur deutschen Spitze zählt. Auch Jan Eymael (39) und sein Kellermeister Rainer Gabel (51), seit 15 Jahren im Betrieb, haben laut Gault-Millau einen Siegerwein produziert: 94 Punkte machen eine Trockenbeerenauslese aus dem Ungsteiner Herrenberg zur „besten Scheurebe Deuschlands“, so Eymael. Der überhaupt „wie sonst kaum jemand in der Pfalz“ diese Rebsorte so variantenreich kultiviere, sagt der Weinführer. Der freilich auch einem Chardonnay aus dem Holzfass und einem Großen Riesling-Gewächs vom Herrenberg jeweils 90 Punkte gibt – Eymael könne eben „verschiedene Richtungen gut“, sagen die GM-Tester, die zudem über den „Roten Riesling“ staunen, von dem die Pfeffinger in diesem Jahr als erste in Rheinland-Pfalz tausend Stock im Versuchsanbau gepflanzt haben. „Endlich!“ hat es für das Weingut Wegner zur zweiten Traube gereicht – so der gestrige Stoßseufzer von Joachim Wegner, wie er auch auf der Website prangt. Nach einigem Auf und Ab in den vergangenen Jahren hat es „ausgerechnet in einem schwierigen und für die Winzer anspruchsvollen Jahrgang“ für die Höherstufung gereicht, wie sich der 50-Jährige freute. Er „verblüfft uns immer mal wieder“, bekennen die GM-Experten – zuletzt mit dem Barrique-Riesling „Lunatic“, aber auch mit zehn Jahre lang gelagerten Rotweinen. Wegner habe sich „in der Spitze verbreitert und nach oben verschoben“ – vier Weine mit 88 Punkten unterstreichen dies. Das Weingut Wegner findet sich auch in der Liste der besten trockenen Rieslinge unter zehn Euro, neben dem Weingut Kassner-Simon in Freinsheim. Beide Weine wurden mit 88 Punkten (bei maximal 89) bewertet. Bei den Weißburgundern schaffte es Jochen Schmitt in diese Liste (87 Punkte). Als einzige Genossenschaft der Region finden sich die Vier Jahreszeiten Winzer im neuen Guide. Abgestuft wurde als einziges Weingut vor Ort Fitz-Ritter mit nurmehr anderthalb Trauben. Der Weinführer des Gault-Millau gilt für die Branche als der wichtigste, weil von Verbrauchern meistgenutzte. (psp)