Bad Dürkheim Rabauke vorerst hinter Gitter

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Der „junge Wilde“, gegen den allein in Bad Dürkheim seit Juni 14 Strafanzeigen aufgelaufen sind, sitzt seit Montag in Untersuchungshaft. Dies bestätigte gestern am späten Nachmittag eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Westpfalz in Kaiserslautern auf Nachfrage der RHEINPFALZ.

Der Haftrichter traf seine Entscheidung nach Darstellung der Sprecherin wegen der Vielzahl an Delikten, die der 32-Jährige inzwischen auf dem Kerbholz hat, und wegen der Wiederholungsgefahr. So sind wohl aus dem Zuständigkeitsbereich der Lauterer Kriminalpolizei mehr als 20 Strafanzeigen anhängig, hinzu kommen wohl weitere im Bereich der Polizeidirektion in Neustadt. Dort saß der Neu-Dürkheimer wegen räuberischer Erpressung in einem Dürkheimer Lokal seit Sonntagnacht Montag in Gewahrsam. „Er ist fast täglich aufgefallen“, so die Polizeisprecherin in Kaiserslautern. Dies entspricht den Erfahrungen, die man in Bad Dürkheim mit dem Mann gemacht hat. Hier hat er es, wie vergangenen Mittwoch berichtet, seit Juni, als er aus dem Friesischen in die Pfalz zurückkehrte, mehr als 30 Mal in den Tagesrapport der Dürkheimer Dienststelle geschafft. Dabei hat er sich allein hier 14 Strafanzeigen eingehandelt – wegen Bedrohung, Beleidigung, Sachbeschädigung, Drogenbesitz, einer Körperverletzung und wegen körperlichen Widerstandes gegen Polizeibeamte. Letzte wiederholte sich wohl auch anderswo. Den Ausschlag für seine Festnahme gab dann jener Vorfall in der Nacht auf Montag. In einem Lokal in der Weinstraße Nord, das er nach Angaben des Inhabers zuvor „acht bis zehn Mal vorher“ heimgesucht und dabei auch Gäste bedroht und sogar geschlagen hatte, tauchte er nach zwei Uhr auf, als der Wirt gerade geschlossen hatte. „Er hielt mir einen Schraubenzieher an die Brust und sagte: ,Ein Bier oder einen Kaffee, sonst stech’ ich dich ab, ich mach’ dich tot“, schilderte der Gastronom gestern. Er habe dem Angreifer, der den Fuß in die Tür gestellt hatte, reflexartig einen Stoß gegeben und die Tür zureißen können. Dass der „Verrückte“, wie man ihn mittlerweile nennt, generell ein Messer oder einen Schraubenzieher als Waffe bei sich hatte, wird in der Stadt kolportiert. Die Polizeisprecherin in Kaiserslautern konnte dies nicht generell, aber für Einzelfälle bestätigen. Er habe Menschen damit „wohl auch bedroht“. Wie berichtet, gilt der gebürtige Speyrer, der lange im Norden lebte und erst im Juni nach Bad Dürkheim zurückgekehrt war, wo sein wohl verstorbener Großvater ein Anwesen hatte, als hochgradig aggressiv und wohl auch psychisch gestört aufgrund Drogenkonsums. Vor einem Eiscafé am Römerplatz soll er vor voll besetzten Plätzen der umliegenden Lokale am vorletzten Sonntag ein Pärchen angegangen haben, wie ein Augenzeuge schilderte. Zwei Gäste des Eissalons seien dazwischengegangen und hätten möglicherweise Schlimmeres verhindert. „Der war wie von Sinnen“, beschreibt der Zeuge. An der VR-Bank soll er einer Frau den Reifen ihres Wagens zerstochen haben, weil sie ihm kein Geld habe geben wollen. Die VR-Bank selbst war nach eigener Aussage mehrfach von Ausrastern des Mannes betroffen, so dass sie sich zur Selbsthilfe veranlasst sah: Seit vergangenem Freitag hat sie das Bankgebäude außerhalb der Öffnungszeiten von einem Sicherheitsdienst bewachen lassen, „um Kunden und Mitarbeiter vor Übergriffen und Belästigungen zu schützen“. Der Mann habe seit seinem Erscheinen eine ganze Stadt und vor allem Gastronomen terrorisiert, heißt es. Auch in der RHEINPFALZ-Lokalredaktion war er aufgrund unseres Artikels in der Mittwochausgabe am Freitag aufgetaucht, hatte dem Autoren aber lediglich ein Bündel behördlicher Schreiben in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, den Packen übers Wochenende durchzulesen. Er erwarte dann am Montag eine Richtigstellung, „sonst lernen Sie mich kennen!“ Was genau er berichtigt haben wollte, war nicht zu klären: Beim prompten Verlassen der Redaktionsräume wollte hin niemand aufhalten ... Ob sich der Rabauke vor Gericht verantworten muss, entscheidet letztendlich die Staatsanwaltschaft. Zunächst die in Kaiserslautern, im Spiel ist – wie vergangene Woche berichtet – aber auch noch die Staatsanwaltschaft in Frankenthal, die für die Delikte in Bad Dürkheim zuständig ist. Wie viele Straftaten des Störenfrieds insgesamt aktenkundig sind, blieb gestern unklar. Ein Betroffener will mehr von als 60 wissen. Hinzu kommt sicher eine gewisse Dunkelziffer: Längst nicht alle Ausraster mündeten in eine Anzeige, wie der Gastronom in der Weinstraße Nord aus eigener Erfahrung sagen konnte. (psp)

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