Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Proteste: 300 Traktoren starker Konvoi

300 Traktoren auf dem Dürkheimer Wurstmarktplatz vor der Fahrt nach Ludwigshafen.
300 Traktoren auf dem Dürkheimer Wurstmarktplatz vor der Fahrt nach Ludwigshafen.

Sie wollten auffallen, aber nicht blockieren: Die Landwirte, die am Montagmorgen von Bad Dürkheim aus zur einer Kundgebung nach Ludwigshafen unterwegs waren, haben darauf Wert gelegt, den Verkehr nicht lahmzulegen. 300 Traktoren rollten geordnet vom Wurstmarktplatz. Den meisten Landwirten ging es beim Protest um mehr als Diesel-Subventionen.

Der Himmel ist noch dunkel, dennoch leuchtet es am Montagmorgen gegen halb acht auf dem Dürkheimer Wurstmarktplatz. Traktoren, aber auch Speditionsfahrzeuge und Autos stehen an der Ausfahrt an der Saline in Reihe. Gegen acht Uhr wollen sie in Richtung Ludwigshafen starten. Die Polizei zählt zunächst 130, bei der Abfahrt gar 300 Traktoren.

Nicht nur landwirtschaftliche Fahrzeuge waren unterwegs.
Nicht nur landwirtschaftliche Fahrzeuge waren unterwegs.
Auf Plakaten machten die Bauern ihrem Frust Luft.
Auf Plakaten machten die Bauern ihrem Frust Luft.
Bauern und Winzer auf dem Weg zur Autobahn.
Bauern und Winzer auf dem Weg zur Autobahn.
Die Landwirte versammelten sich am Morgen in Bad Dürkheim.
Die Landwirte versammelten sich am Morgen in Bad Dürkheim.
Mit den Traktoren ging es nach Ludwigshafen.
Mit den Traktoren ging es nach Ludwigshafen.

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Einer, der den Dürkheimer Konvoi in Richtung Ludwigshafen mitorganisert hat, ist der Dürkheimer Winzer Martin Freund. Die Dürkheimer sind ein Strahl einer Sternfahrt, die der Bauern- und Winzerverband und die Organisation Land Schafft Verbindung ins Leben gerufen haben. Freunds Haltung ist klar: Protest und Aufmerksamkeit ja, Blockade nein. „Wir sind bewusst nicht eine Stunde früher losgefahren“, sagt er. Es sei nicht das Ziel, den Berufsverkehr zu blockieren. Er kündigt an, bei der Sternfahrt nach Ludwigshafen die linke Autobahnspur der A650 freizuhalten, und so Rettungsfahrten nicht zu gefährden. Zu Verkehrsbeeinträchtigungen aber kommt es dennoch, meldet die Polizei gegen 9.45 Uhr. Ein betrunkener Autofahrer verursacht auf der A650 einen Auffahrunfall. Ganz frei ist die Autobahn wieder gegen 10.30 Uhr. Freund berichtet später von einer disziplinierten Fahrt nach Ludwigshafen. Die Polizei habe die Strecke entsprechend gesichert. Auf der etwa zweistündigen Fahrt habe er zustimmendes Hupen wahrgenommen. Dass sich andere Verkehrsteilnehmer vielleicht geärgert haben könnten, habe er hingegen nicht bemerkt.

An dieser Stelle finden Sie ein Video via Glomex.

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Auf den Dürkheimer Verkehr hat der Konvoi zwar Einfluss. Von gravierenden Einschränkungen können aber weder der Kreis Bad Dürkheim, der für den Schulbus-Verkehr zuständig ist, noch die Schulen berichten.

Für Blockaden von Autobahnauffahrten, wie es sie auch in der Pfalz gegeben hat, haben am Morgen nur wenige der befragten Bauern auf dem Wurstmarktplatz Verständnis. Vom Blockieren, gar im Berufsverkehr, hält Steffen Kleber nicht viel. Der Winzer aus Herxheim am Berg ist vor allem da, weil er es nicht richtig findet, dass die Landwirte für Saisonarbeiter Mindestlohn zahlen müssen. Er verweist auf die Lebenshaltungskosten und die Löhne in Rumänien. Außerdem ist er gegen die stufenweise Abschaffung der Agrar-Diesel-Subventionen.

Winzer Andreas Wolf aus Ungstein ist hier, um „Flagge zu zeigen“, wie er sagt. Wichtig sei, dass es planbare Regeln für die Landwirtschaft gebe. Zum Diesel gebe es für Landwirte derzeit „keine wirkliche Alternative“. Kein Verständnis hat er für Aktionen wie die Belagerung von Vize-Kanzler Robert Habeck in der vergangenen Woche. Die Proteste würden politisch ausgenutzt. Die Bauern- und Winzerschaft wolle aber dafür sorgen, dass es bei ihrer Veranstaltung nicht so weit kommt. Beim Gespräch mit verschiedenen Demonstranten fällt einmal allerdings das Wort „Lügenpresse“.

Nicht jeder darf mitfahren

Nicht jede Ansicht sei konform mit den Zielen der Bauern- und Winzerschaft, betont Freund. Auch er sieht das Risiko, dass die Demos politisch vereinnahmt werden. Die Organisatoren wollen sich die Kolonne genau anschauen. Wenn man merkwürdige Dinge sehe, werde man auch Platzverweise aussprechen, die Polizei ist vor Ort. Dies sei aber nicht nötig gewesen. Aussortiert worden seien Fahrzeuge dennoch, berichtet Freund später. Dies habe aber am Fahrzeug gelegen. So sei zum Beispiel Traktoren vor Autos und schweren Lastwagen der Vorrang gewährt worden. „Seltsame Ansichten“ habe er nicht feststellen können.

Trittbrettfahrer auf Demos könne man nicht ganz verhindern, findet der Freinsheimer Winzer Jochen Weisbrod. Er habe ein gewisses Verständnis für Blockaden, wenn sie genehmigt seien und nicht gerade im Berufsverkehr stattfänden. Maß und Ziel seien wichtig, betont er. Weisbrod demonstriert, weil er Dinge wie die Abschaffung der Agar-Diesel-Subventionen und die Debatte um den Pflanzenschutz nicht nachvollziehen kann. „Das ist an der Basis nicht umsetzbar“, sagt er.

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Die Emotionalität mancher Landwirte könne sie verstehen, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der er Zeitung lesen will. Blockaden seien aber ihre Sache nicht. Sie wolle auf die Wichtigkeit regionaler Produkte und der Landwirtschaft hinweisen.

Gegen Blockaden ist auch ein anderer Mann, der seinen Namen nicht öffentlich nennen will. Diese würden von der Bevölkerung nicht verstanden. Ihm geht es bei seinem Protest vor allem um die geplanten EU-Pflanzenschutzverordnung. Diese wurde zwar nun nicht umgesetzt, die politischen Kräfte, die das wollten, seien aber da. Eine Umsetzung wäre für ihn nicht realistisch und nicht zielführend. Die Flächen seines Betriebs lägen alle in Schutzgebieten, wo der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln umstritten ist. Würden die Verordnungen so kommen, fürchte er um seine Existenz.

Ihrem Unmut haben die Landwirte auf Plakaten Luft gemacht. Da steht „Zu viel ist zu viel“, oder „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert “. Und auch: „Ampel nein Danke“.

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