Bad Dürkheim / Wachenheim
Pfälzerwald-Verein: Mitglieder üben sich als Lebensretter
Samstagmorgen im Evangelischen Krankenhaus: Im Seminarraum des historischen Verwaltungsgebäudes liegt ein Dummy auf Sportmatten und wartet auf seinen Einsatz. Mit den rund zwei Dutzend Wanderführern und anderen Aktiven probt mit den Wachenheimern erstmals eine Ortsgruppe eines Pfälzerwald-Vereins den Ernstfall. Den Kontakt hergestellt hatte der promovierte Mediziner Peter Trost, der früher am Krankenhaus gearbeitet hat und jetzt Zweiter Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins in Wachenheim ist. Seminarleiter Jens Thorsch macht erst einmal eine kurze theoretische Einführung: Der Fachkrankenpfleger und pflegerische Leiter der Anästhesie-Abteilung leitet hausintern etwa 30 Schulungen pro Jahr. Heute erstmals für eine Gruppe des Pfälzerwald-Vereins. Die Ortsgruppe Wachenheim besteht seit 113 Jahren und hat rund 300 Mitglieder.
Durch den Kurs die Scheu verloren
Laut Statistik erleiden bundesweit rund 70.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nur jeder Zehnte überlebt. Rund 34 Prozent aller Reanimationen werden von Laien durchgeführt. Genau für diese Gruppe ist der Vormittag gedacht. „Ich habe durch den Kurs die Scheu verloren, im Ernstfall etwas zu tun“, zieht Teilnehmerin Rosemarie Stroh für sich Bilanz.
Die Scheu im Umgang mit moderner Rettungstechnik verlieren die Teilnehmer schnell: Das AED-Gerät – AED steht für autoaktiver externer Defibrillator – genannt Defi, ist fester Bestandteil eines Rettungswagens, aber auch in Pfälzerwald-Hütten verfügbar. Im Wald zeigt eine spezielle App an, wo sich das nächste Gerät befindet. „Die App werden sich alle unsere Wanderführer jetzt laden“, kündigt Rosemarie Stroh an.
Das AED-Gerät im Krankenhaus sagt in einfachen Worten, was zu tun ist, sodass auch Anfänger den Anweisungen folgen können. Reanimation geschieht im Wechsel von Herzdruckmassage, Beatmung und Abgabe eines Elektroschocks.
Menschliches Eingreifen ist das A und O
Für Erste-Hilfe-Maßnahmen sensibilisiert auch der zurzeit in Fernsehen und Kino ausgestrahlte Werbespot „Ein Leben retten“ mit Comedian Kaya Yanar. Er vermittelt das wichtige Thema Erste Hilfe mit Leichtigkeit und der Formel „Prüfen, Rufen, Drücken – guckst du“. Dass eine Herzdruckmassage mit Handballen auf Brustbein kräftezehrend und zugleich überlebensnotwendig ist, lernen die Kursteilnehmer in Zweier-Teams. Massiert wird 30-mal, eine Minute lang, im schnellen 100er-Rhythmus. Ideale Taktgeber sind „Staying Alive“ von den Bee Gees und das Kinderlied „Pippi Langstrumpf“. Nach zwei Zyklen dieser Thorax-Kompression werden zwei Beatmungen gemacht. Als dritter Schritt kommt danach der Defi zum Einsatz.
Menschliches Eingreifen sei bei Rettungsmaßnahmen das A und O, betont Jens Thorsch: „Ein Defibrillator ersetzt nicht die Herzdruckmassage.“
Seit etwa zwei Jahren fester Bestandteil bei der Ausstattung von Rettungsfahrzeugen ist „Corpuls“, ein Thorax-Massagegerät, das an eine überdimensionale Schraubzwinge erinnert. Es führt mechanische Kompressionen durch. Wichtig beim Retten von Menschenleben sei, betont Jens Thorsch, eine möglichst kurze „No-Flow-Time“. Das heißt, das Zeitintervall ohne passiven Notkreislauf muss so kurz wie möglich gehalten werden. Bis Rettungsprofis eintreffen, seien die Laien gefordert: „Alles ist besser als nichts zu machen.“
Ergänzend gab Peter Trost, Zweiter Vorsitzender des Pfälzerwald-Vereins, einen Überblick über „Notfälle bei Wanderungen“. Sie reichen von Kollaps, Schwindel, Schwäche durch Selbstüberforderung und Flüssigkeitsmangel bis zu Insektenstichen, Stürzen, Verstauchungen und Brüchen. Auf Wanderungen komme es immer mal wieder zu Verletzungen, sagt Rosemarie Stroh. Auch darauf sieht sie sich jetzt besser vorbereitet.
