Handball
Oberliga: HSG Eckbachtal mit Problemen vor dem Auftakt gegen den TV Offenbach
Thorsten Koch, Trainer der HSG Eckbachtal, macht in der Regel aus seinem Herzen keine Mördergrube. Im Ton bleibt er dabei aber weitgehend ruhig. Nur selten wird es mal eine Nuance lauter oder aufgeregter. Und so merkt man im Gespräch im Hinblick auf die anstehende Saison in der Handball-Oberliga, dass er mit der Gesamtsituation unzufrieden ist.
Die Vorbereitung sei schlecht gewesen. Ja, in den vergangenen Jahren habe er auch einiges zu bemängeln gehabt. „Aber diesmal schießen wir den Vogel ab“, sagt Koch. Und wie so oft, kommen dabei viele Faktoren zusammen: „Späte Sommerferien, Ferienjobs, der Kampf um Hallenzeiten“, zählt der Trainer auf. Und auch zwei eigentlich erfreuliche Ereignisse haben dem Coach nicht in die Karten gespielt: Keeper Tobias Häuselmann und Rückraumspieler Jochen Schloß haben geheiratet. „An den Wochenenden konnten wir natürlich keine Testspiele bestreiten“, sagt Koch und lacht.
Zeitmangel: Kein Trainingslager
Aus Zeitmangel sei das Trainingslager ausgefallen. Dort wird normalerweise auch der Kapitän für die bevorstehende Spielzeit gewählt. In den vergangenen Jahren war das Michael Betz. Doch der Rückraumspieler fällt laut Koch nach einer Knie-Operation noch mehrere Monate aus. Ähnlich sehe es bei Torwart Rouven Hahn aus.
Auch die Trainingsbeteiligung sei eher mau gewesen. Wobei Koch dafür sogar teilweise Verständnis aufbringt: „Die letzte Runde hat an allen gezehrt. Dann waren nur vier, fünf Wochen Pause. Die Jungs waren im Kopf einfach noch nicht frei.“ Und auch Corona sei im Team noch mal ein Thema gewesen.
Viele Testspiele sind ausgefallen
Die Folge: „Ich hatte kein einziges Mal den kompletten Kader zusammen“, hadert Koch. Viele Trainingsspiele seien abgesagt worden. „Wir waren mit den Problemen aber nicht alleine. Auch unsere Gegner haben oft abgesagt.“ Die Folge: Statt der üblichen zehn bis zwölf Vorbereitungspartien habe es nur sechs gegeben. Eine eingespielte HSG Eckbachtal dürfen die Zuschauer zum Saisonstart am Sonntag also nicht erwarten.
Hinzu kommt, dass Nisse Nehrdich, der die Mannschaft in der vergangenen Spielzeit getragen hat, nach seinem Wechsel ersetzt werden muss. Das muss das Kollektiv erledigen. Denn spektakuläre Neuzugänge von anderen Vereinen sucht man auch diesmal vergeblich bei den „Gekkos“. Zwei, drei Anfragen habe er gestartet, sagt Thorsten Koch. Ohne Erfolg.
Thorsten Koch: Jeder zehn Prozent mehr
Also muss es die Mannschaft richten. Und da hellt sich die Tonlage des Trainers dann wieder die kleine Nuance auf. „Wenn mir jeder zehn Prozent mehr gibt, der eine oder andere vielleicht sogar 20 Prozent, dann können wir 100 Prozent Nisse ersetzen“, ist Koch überzeugt.
Nehrdich ist der einzige nennenswerte Abgang bei den „Gekkos“. Der Kader mit den Korsettstangen Maximilian Schreiber, Julian Pozywio, Tobias Häuselmann, Rouven Hahn und Michael Betz ist zusammengeblieben. Des Weiteren ist die HSG ihrem Motto treu geblieben und baut weiter auf den Nachwuchs. „Wir machen aus der Not eine Jugend“, sagt Thorsten Koch und lacht.
Gute Laune beim Blick auf die A-Jugend
Wenn er über die Spieler spricht, die aus dem A-Jugend-Team von Peter Baumann zum Kader stoßen, ist Koch sowieso guter Laune. Diese jungen Athleten in die Mannschaft einzubauen, sie an das Oberliganiveau heranzuführen, macht ihm Spaß. Und er hält große Stücke auf sie.
Im Tor soll zum Beispiel Clemens Diehl „bei allem Talent“ den nächsten Entwicklungsschritt machen. „Ich hoffe, dass er von seiner Rolle profitiert. Er soll alles mitnehmen“, sagt Koch. Die Rolle ist dabei klar: Während sich Häuselmann und Hahn quasi in Eigenverantwortung zwischen den Pfosten abgewechselt haben, ist der frischgebackene Ehemann jetzt die klare Nummer eins. Doch Diehl kann sich sicher sein, dass er seine Einsatzminuten bekommt. Und das nicht nur, wenn die Nummer eins mal einen schlechten Tag erwischt hat.
Simon Müsel macht dem Trainer Spaß
Auch von Simon Müsel und Jona Rogawski ist Koch angetan. „Simon macht Spaß. Er ist lernbegierig, hört sich an, was man zu sagen hat und saugt das alles auf. Man sieht von Training zu Training die Entwicklung.“ Hoffnungen ruhen ebenfalls auf Bennet Löhmar, der sich für die Saison eine Doppelbelastung aufbürdet: Sein Erstspielrecht ist bei der HSG Eckbachtal, gleichzeitig will er aber auch im Nachwuchsleistungszentrum Friesenheim/Hochdorf im A-Jugend-Team in der Bundesliga für Aufsehen sorgen. „Wir müssen schauen, wie er die Belastung verträgt. Er betreibt viel Aufwand“, sagt Thorsten Koch.
Schon lange bei der HSG, aber aufgrund seiner jüngsten Verletzungsmisere quasi ein Neuzugang ist Kreisläufer Carsten Wenzel. „Er ist operiert. Nach zwei Jahren geht’s ihm jetzt endlich gut. Er ist wieder voll im Training“, freut sich der Coach.
Möglichst früh ins Rollen kommen
Sie alle sollen am Ende wichtige Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Ziel Klassenverbleib sein. Auf diesem Weg hofft Koch auf frühe Punkte. Ob die allerdings schon am Sonntag gegen den TV Offenbach eingefahren werden? Der HSG-Trainer zählt die Südpfälzer zum Kreis der Titelkandidaten, zu dem er auch den SV 64 Zweibrücken, den TV Homburg, die SF Budenheim und den HV Vallendar einrechnet. „Und der Rest schaut, dass nach unten nix passiert“, meint Koch.
Den TV Offenbach schätzt Thorsten Koch als „harten Gegner“ ein. „Das Problem ist, wenn sie ins Rollen kommen.“ Was dann passieren kann, haben die „Gekkos“ zuletzt bei der 27:39-Heimpleite und beim 19:40 in Offenbach erlebt. Aber vielleicht kommt die HSG ja selbst unerwartet früh ins Rollen.
Der Kader der HSG
Der Kader der HSG
Tor: Tobias Häuselmann, Rouven Hahn, Clemens Diehl; Rückraum: Jochen Schloß, Philipp Schloß, Maximilian Schreiber, Sven Dopp, Michael Betz, Bennet Löhmar, Julian Pozywio, Silas Rogawski, Simon Müsel; Rechtsaußen: Lars Zalik, Matthias Kassel; Linksaußen: Timo Kluzik, Sven Lerzer, Christian Meyer; Kreis: Georg Ebel, Laurenz Pabst, Fabian Quandt, Carsten Wenzel, Jona Rogawski.