Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Neuer Richter am Amtsgericht: Sören Handermann hat das „Schlichter-Gen“

Sören Handermann kümmert sich beim Amtsgericht um Bußgeldverfahren und Zivilsachen.
Sören Handermann kümmert sich beim Amtsgericht um Bußgeldverfahren und Zivilsachen.

Das Amtsgericht Bad Dürkheim hat einen neuen Richter: Sören Handermann erhielt Ende Februar seine Ernennungsurkunde vom Präsidenten des Frankenthaler Landgerichts, Harald Jenet. Handermann hat zuletzt bei der Staatsanwaltschaft Landau gearbeitet – und sich damit einen Kindheitstraum erfüllt.

Sören Handermanns Vater war Polizist. „Daher kam für mich nach dem Abitur nur Jura infrage“, erzählt der 33-Jährige. Besonders hatte es ihm der Beruf des Staatsanwalts angetan. „Mein Vater hat zu Hause oft erzählt, dass er noch den Staatsanwalt anrufen muss, weil er zum Beispiel einen Durchsuchungsbeschluss gebraucht hat. Das hat mich total fasziniert“, berichtet der Südpfälzer, der in Rohrbach aufgewachsen ist. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Mainz, dem Referendariat im Bezirk des Pfälzischen Oberlandesgerichts Zweibrücken und dem zweiten Staatsexamen landete Handermann tatsächlich dort, wo sein Vater früher angerufen hatte: bei der Staatsanwaltschaft.

In Landau bearbeitete er von 2019 bis 2023 allgemeine Straffälle und Jugendstrafsachen. Doch Handermann wünschte sich eine Veränderung: „Ich habe gemerkt, dass ich besser zurecht komme, wenn ich nur dem Gesetz und meinem Gewissen unterworfen bin und selbst meine Entscheidungen fällen kann.“ Bei der Staatsanwaltschaft sei er dagegen in viele komplexe Prozesse eingebunden gewesen.

Bußgeldverfahren und Zivilangelegenheiten

Handermann hinterlegte seinen Wechselwunsch beim Oberlandesgericht Zweibrücken. „Mir war klar, dass ich gerne an der Weinstraße bleiben würde“, sagt der frisch gebackene Richter, der mit seiner Frau in Landau lebt. Bad Dürkheim kannte er bis zu seinem Wechsel nur als Besucher. Dort kümmert er sich seit seiner Versetzung im März 2023 um Bußgeldverfahren und Zivilsachen. Drei Viertel der Fälle, die er bislang bearbeitet habe, seien „Blitzergeschichten“, sagt der Jurist. Auch andere Ordnungswidrigkeiten, Verkehrsunfälle oder Mietstreitigkeiten landeten auf seinem Schreibtisch. Eher selten seien dagegen Nachbarschaftsstreitigkeiten wie die klassische zu ausladend wachsende Hecke, sagt Handermann.

Der Wechsel aus Landau auf den Richtersessel nach Bad Dürkheim war für ihn aber in gewisser Weise auch Neuland. „Ich habe schon eine Eingewöhnungsphase gebraucht, weil ich während meiner Zeit bei der Staatsanwaltschaft nichts mehr mit Zivilsachen zu tun hatte. Es ist etwas anderes, ein Urteil zu schreiben, als eine Anklageschrift“, sagt Handermann.

Lieber Vergleich statt Urteil

Urteile schreiben – das will der Richter wenn möglich vermeiden. Dies koste die Prozessbeteiligten Geld und ihn Zeit, sagt der Richter. Stattdessen versuche er, den Parteien schon während des Verfahrens klarzumachen, „wo die Reise hingeht“. Dafür sei er bei den Anwälten mittlerweile bekannt. Oftmals sei ein Vergleich die für alle Seiten beste Lösung. „Ich habe eben das Schlichter-Gen“, sagt der Jurist und lacht. Wenn er in seinem privaten Umfeld einen Streit mitbekomme, versuche er ihn zu analysieren und den Beteiligten eine Lösung anzubieten, erzählt er. Dennoch könne er in seiner Freizeit eigentlich ganz gut abschalten, etwa beim Wandern im Pfälzerwald oder auf seinem Rudergerät.

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