Bad Dürkheim
Neue Sport-Inklusionslotsen für die Vorderpfalz
Evi Weis und Sascha Naumer sind zwei von 15 Inklusionslotsen in Rheinland-Pfalz. Seit Jahresbeginn sind sie in der Vorderpfalz als Ansprechpartner für die Städte und Vereine der Region zuständig. Sie wollen Vereine beim Thema Inklusion unterstützen und sensibilisieren.
Bad Dürkheim Die Landkreise Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz sowie die Städte Frankenthal, Ludwigshafen und Speyer bilden das große Einzugsgebiet des Duos, das durch Seminare des Landessportbundes auf die Aufgabe vorbereitet wurde. Die Treffen dienten auch dem Kennenlernen.
Dabei seien erste Absprachen in den Teams getroffen worden, so der 37-jährige Sascha Naumer aus Laumersheim. Zunächst soll eine Route sowie ein Verzeichnis erstellt werden, „damit niemand von uns kreuz und quer ohne Struktur die Vereine anfährt. Evi Weis wird zunächst ihre engsten Kreise und ihr bereits bekannte Adressen im Umkreis von Deidesheim angehen, und ich Stellen, mit denen ich bereits kooperiere“, berichtet Naumer. Danach wollen sich beide einen Überblick verschaffen, etwa über die Anzahl der Vereine und zuständigen Bezirke. Möglichst rasch sollen Kontakt zu zuständigen Personen wie Bürgermeister und Mitarbeiter der Gemeinden, aber auch mit Vereinsvorsitzenden geknüpft werden.
Zwischen Vereinen und Gemeinden vermitteln
Viele Aufgaben kommen auf sie zu, darüber ist sich Naumer klar. Er hat ursprünglich eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel gemacht, ist aber auch Übungsleiter mit B-Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und mittlerweile als Selbstständiger im Rehabilitationssport tätig. „Wir sehen uns als Vermittler, um etwa Barrierefreiheit bei Turnhallen zu schaffen, damit Menschen mit Rollstühlen Zutritt haben“, erklärt Naumer. Personelle und materielle Voraussetzungen gelte es zu analysieren, um Menschen mit Behinderung gerecht zu werden. Die Lotsen können dann zwischen den Vereinen mit ihren Wünschen und Forderungen und den für die finanzielle Ausstattung verantwortlichen Gemeinderäten und Bürgermeistern vermitteln.
Als weitere Ziele nennen Naumer und Weis Informationsaustausch, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Vermittlung von Fortbildungen. Zu selten komme es vor, dass Betroffene – wie die neue Inklusionslotsin selbst – doch zum Sport finden. Nach einem Unfall mit 13 Jahren trägt sie eine Armprothese, und das „zuvor immer sportliche Mädel“ fühlte sich ausgebremst. „Ich habe mich einsam gefühlt und hätte zu dem Zeitpunkt jemanden gebraucht, der mir zeigt, wie ich weiter Sport treiben kann.“
Rechtliche Grundlage ist ein Minijob-Vertrag
Dass es die 54-jährige Verwaltungsfachangestellte bei der Verbandsgemeinde Deidesheim doch geschafft hat, über regelmäßiges Training mehrere Marathonläufe zu bewältigen, war eher Zufall. Mit diesen Erfahrungen, ihrem Engagement im Ehrenamt als Leichtathletik-Abteilungsleiterin der TSG Deidesheim sowie ihrem Job passte auch Weis in das Anforderungsprofil des Landessportbundes. Der ist Träger der neuen, bundesweit einmaligen Aktion.
„Es ist ein großes Gebiet und eine neue Aufgabe, aber wir werden entsprechende Unterstützung leisten und das Know-how vermitteln“, verspricht die beim Landessportbund für das Projekt zuständige Katharina Pape, „die Inklusionslotsen sollen bestehende Barrieren einreißen, in den Köpfen der betroffenen Menschen, aber auch strukturell.“ Die rechtliche und finanzielle Grundlage bildet ein Minijob-Vertrag, regelmäßige Bedarfsmeldungen an den Landessportbund sind vorgesehen. Man gehe dabei von einem wöchentlichen Einsatz von etwa acht Stunden pro Woche aus, so Pape, „wir fördern aber eine größtmögliche Flexibilität. Denn wir brauchen in erster Linie 15 kreative Köpfe im Land, um neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen.“
Noch Fragen?
Vereine oder Einzelpersonen können sich bei Fragen und Wünschen per E-Mail oder Telefon an Evi Weis (e.weis@silo.lsbrlp.de; 0157 74151573) oder Sascha Naumer (s.naumer@silo.lsbrlp.de; 0171 5810390) wenden.
Zur Sache: Die Inklusionslotsen
Nach Abschluss der drei wichtigsten Qualifizierungsschulungen haben 15 Sport-Inklusionsloten im Alter von 22 bis 60 Jahren am 1. Januar ihre Arbeit aufgenommen. Die Lotsen sind als Berater rund ums Thema Sport und Inklusion in ganz Rheinland-Pfalz unterwegs. Sie sind Ansprechpartner für Sportvereine, Verbände sowie für Menschen mit Behinderungen in den Regionen Vorderpfalz sowie Süd- und Südwestpfalz, Rhein-Ahr, Eifel-Trier, Koblenz, Rheinhessen und Nordpfalz. Sie vermitteln vor Ort, pflegen Netzwerke, schaffen inklusive Strukturen und bauen Sportangebote aus. So soll mehr Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Sport ermöglicht werden. Das Projekt wird von der Aktion Mensch von 2019 bis 2021 unterstützt. Weitere Infos und Kontaktdaten unter www.inklusiver-sport-rlp.de.