Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Nachfrage nach Geburt außerhalb eines Krankenhauses steigt

Vorbereitung auf die Geburt: Hebamme Heike Oberländer mit der werdenden Mutter Lisa Mosinski.
Vorbereitung auf die Geburt: Hebamme Heike Oberländer mit der werdenden Mutter Lisa Mosinski.

Schwangerschaft, Geburt und dann ein Neugeborenes zu Hause: Da sorgt man sich schon in normalen Zeiten, ob alles gut geht. Hebammen aus der Region erklären, was jetzt anders läuft und warum die Nachfrage nach Hausgeburten steigt.

„Ich habe das Gefühl, wir machen nur noch Desinfektion“, beschreibt Hebamme Heike Oberländer die Vorsichtsmaßnahmen im Geburtshaus Storchenschule in Ungstein. Die Vollausstattung der Schutzkleidung komme aber nur dann bei einer Geburt zum Einsatz, wenn es unbedingt notwendig sei. Die Anfragen nach Geburten in der Storchenschule oder nach Hausgeburten seien gestiegen, denn viele Schwangere hätten Bedenken, ins Krankenhaus zu gehen, berichtet Oberländer. Sie betont aber, dass eine Hausgeburt nicht in allen Fällen möglich sei.

Die Geburtsvorbereitungskurse macht die Hebamme nun online. „Das geht hervorragend, aber ich selbst tue mich schwer damit“, sagt sie. Ihr fehle der persönliche Kontakt. Zukünftig könne man die Erfahrungen aber sicher auch brauchen: „Das ist eine Ausweichmöglichkeit, falls jemand mal nicht an einem Kurs teilnehmen kann.“

Hebamme Annette Drabe aus Weisenheim am Sand dagegen hat ihre Geburtsvorbereitungskurse ausgesetzt. Das gefalle vielen Frauen natürlich nicht. Doch Drabe weiß, dass es auch mal ohne Kurs geht: „Im Kreißsaal sind auch Hebammen, die sich kümmern“, erklärt sie.

Drabe arbeitet in der Stadtklinik Frankenthal als Kreißsaalhebamme. Hier können auch die werdenden Väter mit ins Krankenhaus aufgenommen werden. Dann müssten sie aber die gesamte Zeit bleiben, bis auch Frau und Kind nach Hause entlassen werden. Wenn der Mann zwischendurch nach Hause will, dann darf er nur bei der Geburt dabei sein und danach nicht mehr zu Besuch kommen. Drabe erläutert, dass die Väter während der Geburt einen Mundschutz tragen müssten, den Frauen werde dies nicht zugemutet.

Videoberatung sehr gefragt

Als positiv heben beide Hebammen hervor, dass Videoberatungen nun auch abrechenbar sind. So können vor allem viele vorbereitende Gespräche ohne Kontakt stattfinden. Bei den Hausbesuchen werden natürlich Handschuhen und Gesichtsmaske getragen, die Anzahl der Besuche wird mitunter reduziert. „Wenn ich merke, die kommen ohne mich klar, dann sage ich, ruf an, wenn Du mich brauchst“, erzählt Drabe.

Bei der Entbindung im Krankenhaus dürfen die Väter meist nicht mehr dabei sein. Das sei einer der Gründe, warum die Anfragen in der Storchenschule mehr geworden sind, so Oberländer. Für die Frauen ist dieser Beistand wichtig. Drabe nennt die Männer die „positive Rückenstütze der Frauen“.

Männer bei Geburt wichtig

So sieht es auch die im neunten Monat schwangere Lisa Mosinski. Oberländer hat schon Mosinskis 14-jähriger Tochter auf die Welt geholfen. Deshalb möchte die ehemalige Erpolzheimerin in der Storchenschule entbinden, obwohl sie jetzt in Morlautern lebt. „Ich möchte den Gang in eine Klinik vermeiden“, erklärt die 43-Jährige und betont, wie wichtig die Männer für die Frauen in der Stresssituation Geburt sind. Diese zusätzliche Unterstützung könne von den Hebammen nicht geleistet werden. „Was ist der Sinn dahinter, wenn die Männer erst kurz bevor das Kind da ist, dazukommen dürfen? Sind sie in der Zeit weniger ansteckend?“, hinterfragt sie die Regelung, dass die werdenden Väter höchstens noch im Kreißsaal dabei sein dürfen.

Die Entbindung im Geburtshaus in Ungstein ist schon lange geplant gewesen. Die aktuelle Situation habe den Wunsch bestärkt. Sorgen wegen des Virus macht Mosinski sich eher um ältere Verwandte als um sich. „Ich bin schwanger und nicht krank“, betont Mosinski. Sie achte auf eine gesunde Ernährung und halte sich an alle Hygienemaßnahmen. Der Geburt sieht sie daher mit ihrer „tiefenentspannten“ Hebamme gelassen entgegen.

Ohne Partner zur Untersuchung

„Teilweise traumatisch“ nennt eine junge Dürkheimerin, die kürzlich in Speyer ambulant entbunden hat, die Erfahrung, dass ihr Mann nur im Kreißsaal dabei sein durfte. Als sie in der Klinik ankam, musste sie bei den Voruntersuchungen zunächst alleine bleiben. Da bei der jungen Frau alles sehr schnell ging – gut zwei Stunden später war die kleine Tochter schon da – verfiel sie zeitweise in Panik. Sie begann zu hyperventilieren anstatt die Wehen ordentlich weg zu atmen: „Ich habe mich so verloren gefühlt!“ Es wäre schließlich die Aufgabe ihres Mannes gewesen, sie zu beruhigen. Schnell war klar, dass das Personal Körperkontakt nach Möglichkeit vermieden hat. Die grundsätzliche Betreuung im Krankenhaus lobt die junge Mutter ausdrücklich. Nur habe ihr massiv die Begleitung ihres Mannes gefehlt.

Schwer war für sie das angewiesene Tragen eines Mundschutzes auch während der Geburt. Ihr sei schon während der Wehen übel gewesen.

Kein stationärer Aufenthalt

Erst im Kreißsaal durfte auch ihr Mann hinzukommen und konnte sie nun unterstützen. Mutter und Kind haben alles gut überstanden und durften sechs Stunden nach der Geburt gemeinsam mit dem Vater das Krankenhaus verlassen. Ursprünglich war ein stationärer Aufenthalt geplant gewesen, aber das hat sich die junge Familie aufgrund der verschärften Maßnahmen anders überlegt: „Wir wollten, dass auch mein Mann die erste Zeit mit dem Kind verbringen kann.“

Angst, sich angesteckt zu haben, hat sie nicht: „Außer den beiden Hebammen und der Gynäkologin bin ich ja niemandem begegnet.“ Das Krankenhaus sei ziemlich leer gewesen. Deshalb kann sie auch nicht nachvollziehen, warum ihr Mann nicht die ganz Zeit bei ihr sein durfte. „Wir wohnen zusammen, wir schlafen im selben Bett, was er hat, habe ich auch!“

Großeltern müssen warten

Die Großeltern der kleinen Neu-Dürkheimerin müssen allerdings noch etwas warten, bis sie ihr Enkelkind im Arm halten dürfen. An die Kontaktbeschränkungen hat sich die kleine Familie schon während der Schwangerschaft gehalten und tut es auch weiterhin. „Man muss ja nichts riskieren.“ Schließlich gehören die Schwiegereltern zur Risikogruppe. Zudem fühlt sich die junge Mutter noch nicht fit genug, um schon Besuch zu empfangen. Der Kontakt zu Familie und Freunden läuft über Facetime.

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