Bad Dürkheim Moderne Zeiten

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In der Ausstellung „Antistatik“ stellt der junge Landauer Künstler Benjamin Burkard seine bildgewordene Philosophie im Spannungsfeld von belebter Welt und Maschine vor. Die Ehemalige Synagoge in Weisenheim am Berg bietet seinen Visionen den passenden Raum.

Schon der Ausstellungstitel verweist auf einen Begriff aus der Physik und so verwebt der 28-jährige Maler in seinen Bildern äußerst phantasievoll Maschinenteile und surreale Alltagsszenen. Seine Werke entstehen oft erst nach einem langen Prozess wie zum Beispiel das Bild „Quelle“, das er über drei Jahre hinweg entwickelt hat. Zunächst waren da die Zahnräder als mechanische Teile, später kamen unten seitlich daneben kauernde Menschen dazu, zum Schluss brachte Wasser Bewegung ins Bild. Die Menschengruppe erinnert in ihrer Zusammensetzung an das allegorische Bild von den drei Affen und den Spruch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“, der Bestandteil der Lehre eines buddhistischen Gottes ist. Nur wer ganz genau hinschaut, bemerkt weitere Details wie ein nicht genau zu bestimmendes Tier. „Meine Bilder wollen nicht verstören, sondern einladen zur persönlichen Auseinandersetzung mit ihrem Inhalt“, sagt Burkard. Die Bildtitel geben die Gedanken wieder, die er bei der Gestaltung des Werks einfließen lässt. Ein weiteres Beispiel dafür ist das Bild „Local Area Network“ und „Der Kosmopolitiker“, bei dem ein Mensch, einem meditierenden Buddha gleich, unter einem riesigen Zahnrad wie unter einem schützenden Felsvorsprung sitzt. Darüber thronen zwei Papageien und schmücken die Szenerie mit bunten Bändern. „Diese Idylle soll das Bild nicht bedrohlich, sondern friedlich wirken lassen“, sagt Burkard. Extra für die Ausstellung in der Ehemaligen Synagoge hat der Künstler ein großformatiges Werk geschaffen, das dem Betrachter beim Betreten des Raums förmlich ins Auge springt. Es hängt an der Stelle, wo früher einmal der Thoraschrein stand. Mit „Totem Kinetik“ hat Burkard den sakralen Charakter des Raums aufgegriffen und auf die Kultur der Indianer übertragen. Bei diesen wurde ein Totem errichtet, um die Geschichte und Stellung der Familie innerhalb der Gemeinschaft zu repräsentieren. Die verfallene Mechanik deutet auf die Vergangenheit hin, ein Bison steht als Relikt für die ehemals intakte Natur. Elstern als Todesboten verteilen sich auf der verrotteten Maschine, ebenso wie zwei verloren wirkende Kinder und ein seelenloses Figurenpaar, zwei Kälber trotten davon. Das Bild entstand als zweites einer Totem-Serie. Nicht weniger eindrucksvoll sind zwei gerahmte Bilder, bei denen die mit einer Datensammlung der Stadt New York bedruckten Papierseiten als Hintergrund dienen. Die Original-Unterlagen wurden inzwischen digitalisiert und danach vernichtet. Burkard hat sich einen Teil gesichert und daraus „Negative Folgen eines konstruktiven Handelns“ und „Versteck“ entwickelt. Auch hier finden sich faszinierende Übermalungen, Bleistiftlinien, Lackspuren. Sein neuestes Werk hängt auf der Empore: „Kinetischer Aberglaube“. Die mehrteilige großformatige Collage im Querformat ist eine Komposition aus vielen Einzel-Szenen, die eine unendliche Geschichte ergeben, bei der immer wieder Neues auftaucht, ähnlich wie bei den verschiedenen Leveln eines Computerspiels. Für seine Werke ist Benjamin Burkard in den letzten Jahren bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden und war in mehr als 30 Ausstellungen vertreten. Die Weisenheimer Ausstellung kam durch die bereits länger bestehende Kooperation des Förderkreises Ehemalige Synagoge mit der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, zustande, die jungen Künstlern eine Plattform bietet, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

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