Bad Dürkheim Mit Gift und Galle gegen den Abstieg

91-86739030.jpg

BAD DÜRKHEIM. Was vor Jahren noch undenkbar gewesen ist, ist jetzt nicht mehr zu leugnen. Rot-Weiss Seebach ist ein etablierter Fußball-Bezirksligist und geht in dieser Liga in seine vierte Saison in Folge. Wie vor jeder Runde geht der Blick in erster Linie aber nach unten. Das Ziel heißt Klassenverbleib und ist von Realismus geprägt.

Die Europameisterschaft in Frankreich hat Anschauungsunterricht geboten, mit welcher Marschroute die Seebacher in dieser Spielzeit Erfolg haben könnten. Die meisten Mannschaften, vor allem die Außenseiter, haben ein engmaschiges Abwehrnetz geknüpft und es dem Gegner schwer gemacht, eine Lücke zu finden. Die Eckpunkte dafür sind hohe Laufbereitschaft, ständiges Verschieben zum Ballführenden hin und möglichst schnelles Umschalten, wenn die Kugel erobert ist. „Zumindest in den Auswärtsspielen müssen wir die Räume eng machen, giftig und gallig sein und so dem Gegner die Lust am Fußball nehmen“, beschreibt Trainer Roland Beck die Ausrichtung. So können die Seebacher trotz individueller Unterlegenheit ein unangenehmer Gegner sein und vielleicht für die eine oder andere Überraschung sorgen. Das größte Problem stellt die Offensive dar. Das Duo Dominik Euler und Pascal Beyer hat in den vergangenen drei Jahren gemeinsam 94 Tore erzielt – im Schnitt über 30 pro Saison. Doch Beyer ist nach Haßloch gewechselt und Euler seit April verletzt. „Er hat sich einem Eingriff am Knie unterzogen, ist aber noch nicht schmerzfrei und in Behandlung“, bedauert der Coach. Wann Euler wieder gesund wird und wann er spielen kann, steht in den Sternen. „Das ist ganz bitter“, klagt Beck und hofft, den Kapitän Ende August wieder dabei zu haben. Seine Position im Angriff können nach Ansicht des Übungsleiters zwei Spieler einnehmen. Einmal der routiniert Ercan Caglayan, der technisch gut und kopfballstark ist, Bälle behaupten kann. Allerdings ist der Mittelstürmer nicht mehr der Jüngste und man muss sehen, wie er durch die englischen Wochen zu Saisonbeginn kommt. Die zweite Alternative ist Jan Weisenborn. Das Eigengewächs ist ein Sprintertyp, der die Bälle gerne in die Gasse gespielt bekommt und trotz geringer Körpergröße im Zweikampf stabil ist. „Jan hat eine gute Vorbereitung absolviert“, attestiert Beck. Da der Seebacher Kader nur 19 Akteure umfasst, können die drei A-Junioren, die zum Team gestoßen sind, nicht behutsam an ihre Aufgaben herangeführt werden. „Bei uns müssen alle sofort funktionieren, sonst wird es eng“, weiß der Trainer. Nico Knörzer, der im zentralen Mittelfeld seine Stärken hat, defensiv und offensiv agieren kann, habe positiv auf sich aufmerksam gemacht und sei am weitesten. Abwehrspieler Mark Leopold sei ein aggressiver, kopfballstarker Abwehrspieler, den ein großer Wille auszeichne, der aber noch ruhiger am Ball und im Aufbauspiel werden müsse. Lars Maier, der Dritte im Bunde, besteche mit seiner Schnelligkeit, sei selbstbewusst, müsse sich aber im Zweikampfverhalten steigern. „Klar ist aber, dass der Sprung von der Jugend in die Bezirksliga riesig ist. Das wird oft unterschätzt“, gibt Beck zu bedenken. Timo Langenstein, der einzige externe Zugang, ist schon voll integriert, hat einen guten Spielaufbau und spielt unkompliziert. Der ehemalige Maxdorfer dürfte seinen Platz in der Doppelsechs finden. „Insgesamt sind wir viel zu leise auf dem Platz. Wir müssen uns mehr gegenseitig helfen, auch verbal“, verdeutlicht der Coach. Führungsspieler sind derzeit dünn gesät. Doch das ist nicht das einzige Manko. Seebach hat keinen Physiotherapeuten, was selten ist in der Liga. Weder beim Training, geschweige denn sonntags beim Spiel. Zum dreitägigen Trainingslager konnte der Maxdorfer Physio Christopher Scherr engagiert werden, was dem Team gut getan habe. „Die drei Tage waren ein Erfolg. Alle haben prima mitgezogen, die Grundlagen sind gelegt. Jetzt stehen Feinabstimmung und Spritzigkeit auf dem Programm“, sagt Beck. Rot-Weiss hat ein passables Auftaktprogramm. Da gilt es zu punkten, damit der Klassenverbleib ein realistisches Ziel bleibt. Rot-Weiss Seebach in Kürze Neuzugänge: Timo Langenstein (ASV Maxdorf), Nico Knörzer, Marc Leopold, Lars Maier (alle eigene A-Junioren). – Abgänge: Pascal Beyer (08 Haßloch), Felix Mohr (Laufbahn beendet), Matthias Loh (pausiert), Florentin von Haugwitz (Studium). – Jugendarbeit: Bambini bis A-Junioren, meist mehrfach besetzt. – Werbepartner: HPW GmbH und einige lokale Sponsoren. – Sportanlage: Im Meisterwasental, Telefon 63055. – RHEINPFALZ-Tipp: Seebach hat wichtige Spieler verloren. Das erfolgreiche Sturmduo ist gesprengt. Beyer ist weg und Kapitän Euler verletzt. Mehr denn je wird es auf typische Seebacher Tugenden wie Einstellung und Teamgeist ankommen. Trotzdem wird es eng. Am Ende landen die Rot-Weissen auf Rang 13 und retten sich am letzten Spieltag. | thl

x