Bad Dürkheim „Mehr Mensch sein dürfen“

Die Wohnung in Weisenheim am Berg ist Stefanie Menzels Rückzugsraum: „Mein kleines Paradies“, sagt sie und lässt den Blick über die Ebene schweifen. Schon am Nachmittag wird sie in Krefeld sein, den August über weitgehend in ihrem gerade gegründeten Berliner Zentrum, dazwischen in Ladenburg und in Frankenthal, wo eine weitere Niederlassung entstehen soll. Sie gehe dorthin, wo die Leute sie brauchen, erklärt die expandierende Unternehmerin, die auch als Buchautorin und mit CDs erfolgreich ist. Die 1959 geborene, anthroposophische ausgebildete Kunsttherapeutin versteht sich dabei als Begründerin einer Lebensphilosophie namens „Systems of Life“. Die daraus abgeleitete so genannte Heilenergetik ergänze klassische wie alternative Heilmethoden durch einen psychologisch-philosophischen Ansatz und helfe, „das Leben in seiner Gänze zu verstehen“. Menzel will weder Arzt noch Therapeut ersetzen, aber verspricht Einblick in mögliche Ursachen für Lebensprobleme. In der Regel seien Blockaden des persönlichen Energieflusses bereits vorgeburtlich geprägt und in der Kindheit verfestigt. „Erziehung zielt in unserer Gesellschaft ja immer auf Einpassung“, bedauert sie nicht zuletzt als Mutter von vier inzwischen erwachsenen Kindern, die sie bewusst nicht im staatlichen Schulsystem, sondern in der Frankenthaler Waldorf-Schule hat aufwachsen lassen. Jeder Mensch besitze nämlich Spiritualität, was so viel heiße wie das Bedürfnis, „sich ganz leben zu dürfen und ganz gesehen zu werden“. Gefühle würden häufig verdrängt, seien aber trotzdem vorhanden und lebenswichtig. Um sich zu diesen vorzuarbeiten und damit weg von den anstrengenden Rollen und hin zu sich selbst zu finden, bietet Menzel sowohl Einzelberatung wie Seminare an. Als zentrales Instrument ihrer Arbeit betrachtet sie die so genannten „Aufstellungen“. Meist gehe es dabei um die Familienkonstellation, in der man als Kind „erste Verletzungen der Wertschätzung“ erfahren habe. Sobald diese aufgearbeitet seien, würden auch neue Beziehungen gestaltbar und nicht länger Wiederholung der alten Muster. „Wir erleben uns zu sehr als Opfer“, findet Menzel, die lieber lösungsorientiert ansetzt. „Sobald wir die Zusammenhänge und Spielregeln kennen, bekommt das Leben wieder eine große Leichtigkeit.“ Verehrung als „Guru“ lehnt sie schon deshalb ab: Die Menschen, die sie schult, sollen Selbstverantwortung übernehmen. Inhaltlich gehe es den Ratsuchenden häufig um „Trennung“, „Kinder aus dem Haus“, „falscher Beruf“, „Mobbing“; aber auch um Neurodermitis, Allergien, Herpes, ausbleibende Schwangerschaft. Aus Sicht der Schulmedizin „austherapierte“ Patienten fänden den Weg zu ihr und könnten erleben, wie mit der Lösung psychischer Blockaden die körperlichen Symptome von selbst verschwänden. Orientierungslosigkeit hält die zum zweiten Mal glücklich verheiratete Rheinländerin, deren Gemälde die Wände ihres Weisenheimer Paradieses schmücken, für ein Zeitphänomen und berät mit der Plattform „Wirtschaft und Spiritualität“ deshalb auch Firmen. „Mehr Mensch sein dürfen auch in der Wirtschaft“, sei das Ziel. Dass sie das, was sie gerade selbst besonders beschäftigt, in ihrer Arbeit sofort umsetzen kann, darin sieht sie einen großen Reiz der selbstständigen Tätigkeit.