Bad Dürkheim Lieblicher Schönklang

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So gut besucht war eine Wachenheimer Serenade schon lange nicht mehr. Rund 550 Besucher waren am Sonntag zum Sommerkonzert gekommen. Verantwortlich für den Zustrom war wohl vor allem der prominente Solist, Julian Steckel, einer der international gefragtesten Cellisten unserer Zeit. Er wurde seinem Ruf gerecht und faszinierte bei Haydns 1. Cellokonzert das Publikum. Aber auch das Orchester, das aus Mitgliedern der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz bestehende La Palatina Nova, konnte die Anwesenden begeistern.

Gedacht war die Veranstaltung als großes Freiluft-Konzert im reizvollen Ambiente des Hofes des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf. Wegen der ungünstigen Wetterprognose zog man allerdings in die benachbarte Kulturscheune um. Der 1982 in Pirmasens geborene Julian Steckel hat bei den Cello-Koryphäen Boris Pergamenschikow und Heinrich Schiff studiert. Seit dem Sommersemester 2011 ist er Professor an der Musikhochschule Rostock. In Wachenheim spielte er das Konzert C-Dur von Joseph Haydn, das erst 1961 wiederentdeckte ältere von Haydns beiden Cellokonzerten, noch ein der Rokokozeit verhaftetes, für Cellisten dankbares Stück. Vom ersten Soloeinsatz an, nachdem er den Orchesterpart der Einleitung mitgespielt hatte, konnte Steckel demonstrieren, was sein Spiel ausmacht, was ihn so berühmt gemacht hat: sein filigraner, sehr feiner, in allen Lagen absolut makelloser Ton, bei dem keinerlei Ansatz- oder Bogengeräusche zu hören waren. Das ist nur möglich auf der Basis einer vollkommen souveränen Technik, aber das entscheidende bei Steckel ist doch das feinsinnige, aber höchst eindringliche Spiel. Er ist kein virtuos auftrumpfender Teufelscellist, sondern ein „Sensibillisimus“ auf vier Saiten. Wo Cellisten der älteren Generation einem oft dunkel-mulmigen Ton huldigten, ist bei Steckel alles duftig, licht und klar. Wunderbar die poetischen Kadenzen, wunderbar die leise, introspektive Gestaltung des Adagio. Sein Lohn: viel Beifall und unzählige Bravorufe. Mit La Palatina Nova stand Steckel ein exzellentes Begleitorchester zur Seite – Streicher der ersten Pulte und – bei Haydn – auch einige Bläser. La Palatina Nova spielt ohne Dirigent, die Leitung hat Nikolaus Boewer, der 1. Konzertmeister der Staatsphilharmonie, und das funktionierte bestens. Auf dem Programm stand zu Beginn die Suite „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg, so etwas wie die erste neobarocke Komposition der Musikgeschichte. Grieg beschwört hier barocke Tanzformen herauf, integriert sie in den romantischen Tonfall. Bei der Wiedergabe durch La Palatina Nova merkte man, dass hier die Streichergruppe eines erstrangigen Profiorchesters am Werk war. Warm, satt und voll, im besten Sinne romantisch kam die Musik herüber, bei völlige Präzision und Homogenität. Nach der Pause gab es zwei Divertimenti von Mozart, die sogenannten Salzburger Sinfonien B-Dur (KV 137) und D-Dur (KV 136). Da war nichts von Problematisierung durch die historische Aufführungspraxis zu spüren. Da wurde lieblicher Schönklang pur serviert, aber stets mit Profil und Stringenz. (een)

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