Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Leidenschaft und perfekte Technik: Das Marcel-Loeffler-Trio in der Ludwigskapelle

Grandioser Auftritt: Marcel Loeffler (Mitte) mit seinem Trio in der Ludwigskapelle.
Grandioser Auftritt: Marcel Loeffler (Mitte) mit seinem Trio in der Ludwigskapelle.

Das elsässische Gypsy-Jazz-Trio um den schon seit seiner Kindheit erblindeten Meister-Akkordeonisten Marcel Loeffler vertrieb am Donnerstag in der Ludwigskapelle in Wachenheim allen eventuell vorhandenen Kummer, alle Sorgen des Publikums – und letztlich auch das Gewitter.

Als „einen der gefragtesten Jazz-Akkordeonspieler Frankreichs“ kündigte Martin Pfeiffer, der Vorsitzende des Wachenheimer Kulturvereins, Marcel Loeffler nicht ohne Stolz an, und es wurde nicht zu viel versprochen: Was der 66-Jährige zusammen mit seinen beiden Mitmusikern – Sohn Cédric an der Gitarre und Julien Pidancier an der Violine – bei seinem dritten Auftritt in Wachenheim nach 2017 und 2019 bot, stieß bei dem sehr fachkundigen Publikum in der ausverkauften gotischen Kapelle auf helle Begeisterung. Die fungierte wegen einer akuten Unwetterwarnung als Ausweichort für das eigentlich open-air geplante Konzert, was Geiger Julien Pidancier übrigens sehr recht war, wie er in der Pause sagte: „In einer Kirche klingt Geige einfach grandios.“

Die Finger tanzen förmlich über die Tasten

Die Zuschauer erlebten eine Reise durch die Jazzgeschichte und diverse weitere Genres, die Loeffler auch im wörtlichen Sinne „blind“ beherrscht, denn er verlor in seinem fünften Lebensjahr sein Augenlicht, muss also die Tasten seines in Zusammenarbeit mit der Firma Gadji selbst entworfenen Spezial-Knopf-Akkordeons blind erfühlen und auch die Mitmusikanten beim Improvisieren „spüren“. In der Pause sagte er auf die Frage, wie er denn mit den anderen Musiker kommuniziere, ganz lapidar, sie würden sich halt schon lange kennen und oft genug miteinander spielen. Vielleicht spielt aber auch seine Herkunft aus einer Familie, in der Musik schon von Kindesbeinen an allgegenwärtig war, eine Rolle, ohne ihn deswegen allein auf die Sinti-Tradition reduzieren zu wollen. Aber wenn man das Musizieren „einfach so“ vom Vater erlernt, indem man vorgespielte Lieder nach- und mitspielt, dann ergibt sich eben ein besonderer Zugang zur Musik.

Loeffler wurde 1956 in Haguenau als Sohn einer Manouche-Familie geboren, wie die französischen Sinti sich nennen. Tanzmusik, Chansons und die typisch französischen Musetteklänge beherrschte er schon im Grundschulalter. Bereits mit acht Jahren begleitete er seinen Vater bei dessen Auftritten und trug so zur Aufbesserung der Familienkasse bei. Hauptsächlich lebten die Loefflers seinerzeit vom Altwarenhandel.

Zusätzlich förderte sein Vater ihn aber auch durch den Kauf von Schallplatten von Akkordeonisten wie Gus Viseur, Jo Privat und Marcel Azzola, die der Sohn versuchte nachzuspielen. Da er zudem der einzige in einer Familie voller Geigern und Gitarristen war, der Akkordeon spielte, musste er auch schon früh Stücke für sein Instrument adaptieren. Ein weiteres großes Vorbild war der US-Jazz-Akkordeonist Art Van Damme, und natürlich trug auch Django Reinhardt, der Übervater des Sinti-Jazz, zum musikalischen Fundament bei.

Auf all dem baute das Programm auf, das Loeffler und seine Mitmusiker in Wachenheim präsentierten. Neben der besonderen Leidenschaft, die sich sicher auch aus dem gemeinsamen Musizieren im Familienkreis und bei Festen herleitet, beeindruckte dabei die Technik. Marcel Loeffler spielte auf die hundertstel Sekunde genau synchron mit seinem Sohn Cédric. Bei manchen Stücken huschten, hüpften, tanzten seine Finger so schnell über die Tasten, dass man mit den Augen kaum folgen konnte.

Ein „Duell“ zwischen Akkordeon und Geige

Nach der Pause mündete die Konzertreise dann in ein Finale im typisch mitreißenden Sintiswing, mit dieser ganz besonderen Rhythmusgitarre, die das Schlagzeug ersetzt. Dazwischen gab’s immer wieder Soli des Geigers Pidancier oder von Marcel Loeffler auf dem Akkordeons, während Sohn Cédric sich auf die Aufgabe beschränkte, die beiden anderen auf ihren Höhenflügen zu begleiten und so glänzen zu lassen.

Übrigens waren die Improvisationen nicht ohne musikalischen Humor: Einmal zupfte der grandiose Geiger rhythmisch verspielt oder auch sanft in immer höheren Tönen seine Saiten. Marcel Loeffler antwortete darauf mit sich ebenfalls immer stärker steigernden Tönen – bis er nicht mehr mithalten konnte. Er musste passen, der Geiger grinste, und auch das Publikum schmunzelte wie bei einen gut erzählten Witz. Eine Spannung entstand und entlud sich dann in einem expressiven Feuerwerk der Töne. Die Zuschauer klatschten laut und lange Beifall.

Und am Ende gab’s Standing Ovations und im Gegenzug eine lange Zugabe von den Künstlern: Das Meistermedley bestand aus vielen aneinandergehäuften Zitaten aus der Musikgeschichte, ganz so als wolle Loeffler grinsend zeigen: „Guckt, welche Stile ich alles beherrsche.“ Und inzwischen hatte sich auch das Unwetter verzogen, weggewischt durch die Musik.

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