Bad Dürkheim Kurzfilm als Selbstversuch am Wochenende

91-73590906.jpg

Jennifer Karens Kurzfilm „Naked Dreams“, der bei den „Französischen Filmdelikatessen“ des Deutsch-Französischen Freundeskreises Wachenheim-Cuisery am Samstag in der Lutherischen Kirche in Wachenheim zu sehen war, zieht die Zuschauer innerhalb von kurzer Zeit hinein in die Gedanken der Hauptperson des Films. Mit dabei war die in Friedelsheim aufgewachsene Jennifer Karen, die den Film geschrieben hat, die Hauptrolle spielte und Co-Regie führte.

Frustriert von Kurzfilmen, in denen sie mitspielte, fasste Karen vor einiger Zeit den Entschluss, sich „selbst zu testen“ und einen eigenen Film zu produzieren. Sie wollte eine Geschichte entwerfen, die Inhalt hat, international gezeigt wird und zu vielfältigen Diskussionen anregt, erklärte sie in Wachenheim. An nur einem Wochenende entstand so im Sommer 2014 in Paris der 15-minütige Film „Naked Dreams“. Bevor der Film begann, unterhielt sich Karen der Lutherischen Kirche bei Wein und Baguette mit alten Bekannten, Verwandten und anderen Interessierten. Klaus Weber, der für das Programm des Freundeskreises verantwortlich ist, begrüßte Karen als „Stargast“. Sie freue sich sehr über die „Chance“, hier den Film zum ersten Mal in Deutschland zu zeigen, sagte Karen. Die Zuschauer sollten sich auch bewusst sein, dass es sich nicht um einen „Kinofilm mit riesigem Team und großem Budget handelt“, sondern um einen Kurzfilm der mit nur acht Personen entstanden sei. Mit Hilfe vieler Flashbacks führt der Film direkt in die Erinnerungen der Hauptperson Joanna. Nach einem Traum von ihrem Liebhaber denkt sie zurück an die Zeit mit ihm, an großes Glück, Verliebtheit und Leidenschaft. Währenddessen steht sie auf und geht joggen. Die Zuschauer werden so direkt in die Gedanken der jungen Frau hineingezogen, sie sehen die unmittelbaren Reaktionen auf die glücklichen und schmerzhaften Erinnerungen. Während des Joggens und dem Lauf der Gedanken überfällt Joanna eine „Riesentrauer“, wie sie selbst es ausdrückt. Sie ist an dem Punkt ihrer Vergangenheit angekommen, an dem sie sich der Realität stellen musste. Der Konflikt, die eigenen Gefühle ausleben zu wollen, aber dennoch niemandem weh zu tun wird deutlich. So regt der Kurzfilm zum nachdenken und diskutieren an. Der Abspann wurde von Klaviermusik begleitet. Der Traum sei wie der Lebenstraum, der nicht wahr wird, erklärte Karen. Deshalb habe sie auch den Titel „Naked Dreams“ gewählt. Das Wortspiel, „sich nackt“, verloren zu fühlen, und gleichzeitig der Anfang des Traums in dem Joanna nackt sei, erkläre das „naked“ im Titel. Er schätze den „ungeheuren Mut“ Karens, sich nackt im Film zu zeigen, meinte ein Zuschauer. „Das bin in dem Moment nicht ich, sondern die Person im Film“, so Karen. Deshalb gehöre auch kein Mut dazu, vielmehr gehe es darum, glaubhaft und authentisch zu sein. Auf den Kurzfilm folgte der französische Film „Jules und Jim“ von Francois Truffaut. Von Freitag bis gestern waren bei dem kleinen Filmfestival über Immigration und Integration in der Lutherischen Kirche zu sehen. (ene)

x