Kirchheim Konzertwinter: Goldberg-Variationen zum Abschluss
Zu Gehör kommen Bachs berühmte Goldberg-Variationen, dargeboten von Masato Suzuki, dem Cembalisten und Dirigenten des Bach Collegium Japan.
Die als Clavier-Übung IV im Jahre 1741 gedruckte Aria mit verschiedenen Veränderungen (BWV 988) wurde nach Johann Gottlieb Goldberg benannt, der sich als hochbegabter Cembaloschüler von Johann Sebastian Bach in Diensten des Grafen Hermann Carl von Keyserlingk befand, der wiederum ein guter Freund der Bach-Familie war. Einer Anekdote nach soll Bach seinem adligen Freund diese Aria mit 30 Veränderungen als „klingende Medizin“ komponiert haben, um seine schlaflosen Nächte mit den Variationen, gespielt durch Goldberg, ein wenig aufzuheitern.
Kunstvolle Literatur
Die sogenannten Goldberg-Variationen zählen zum Kunstvollsten, was je für Tasten geschrieben wurde. Die Aria soll am Anfang und Ende gespielt werden, dazwischen gibt es zwei Folgen mit jeweils 15 Variationen, die wiederum in Dreiergruppen unterteilt sind, jeweils bestehend aus zwei freien und einer kanonischen Variation in aufsteigender Folge vom Kanon all Unisono bis zum Kanon alla Nona.
Die Variationen orientieren sich dabei interessanterweise kaum an der Melodie der Arie, sondern vielmehr an der 32-taktigen Bass-Linie. Bemerkenswert ist das Quodlibet als letzte Variation, in das Bach zwei damalige thüringisch-sächsische Gassenhauer eingearbeitet hat. Im 20. Jahrhundert hat sich die Interpretation auf dem modernen Flügel manifestiert, wobei laut Erstdruck die Veränderungen ausdrücklich „vors Clavicimbal mit 2 Manualen“ geschrieben sind. Auf diesem ursprünglich intendierten Instrument werden sie auch diesmal erklingen.
Beeindruckende Vita
Masato Suzuki betätigt sich als Dirigent, Komponist, Pianist, Organist, Cembalist und Regisseur. In Tokio studierte er Komposition, Orgel, Cembalo und Dirigieren. Nach seinem Bachelor zog es ihn zurück an seinen Geburtsort Den Haag, um dort bei Jos van der Kooy Orgel und Improvisation zu studieren, was er mit Auszeichnung abschloss. In Amsterdam setzte er seine Cembalostudien bei Bob van Asperen fort. Seit 2002 ist er ständiges Mitglied des Bach Collegium Japan und nimmt regelmäßig als Cembalist und Organist an Konzerten, Tourneen sowie den Aufnahmen der Gesamteinspielung der Bach-Kantaten teil. Zusammen mit der Geigerin Yukie Yamaguchi gründete Masato Suzuki 2005 das Ensemble Genesis. Er musiziert regelmäßig mit Ensembles wie Sette Voci, Ensemble Vin Santo, Maro Welt und Vox Luminis, mit dem er 2012 einen Grammophone Award gewann. Seine vielfältigen Interessen spiegeln sich in seinen weit gefächerten Aktivitäten und Konzertprogrammen, sei es als Cembalist eines historischen japanischen Kabuki-Theaters, als Solist mit den Goldberg-Variationen in Gegenüberstellung mit eigenen Kompositionen, als Rekonstrukteur verschollener Bach-Kantaten-Sätze, als Dirigent und Regisseur verschiedener Opern oder als Mitbegründer des Deutsch-Japanischen Liedforums. 2013 wurde er zum ersten Dirigenten des Yokohama Sinfonietta Orchesters ernannt. Inzwischen ist er Vizepräsident des Bach Collegium Japan.
Info
Der Eintritt zum Konzert ist frei. Spenden werden erbeten. Weitere Informationen unter www.konzertwinter.de.