Wachenheim
„Komme ich ins Fernsehen?“ – So lief die Verkehrskontrolle an der B271 (Bildergalerie)
Polizeikommissar Torben Krämer hebt die Abdeckplane der Ladefläche eines Klein-Lkw hoch. Er sieht sofort: Die Rüttelplatte, die auf der Ladefläche liegt, ist nicht befestigt. „Wo ist der Spanngurt?“, fragt Krämer den Fahrer. Der ruft einige Worte, zwei Männer springen mit einem Gurt heraus und befestigen die Rüttelplatte. In dem Fahrzeug sitzen zwei weitere Männer, einer ist nicht angeschnallt, alle schauen nicht wirklich begeistert. Die Männer arbeiten für eine Baufirma, kommen von der Arbeit in Haßloch und wollen nach Dürkheim, wo sie wohnen. „Wenn der Fahrer plötzlich bremsen muss oder ein Unfall passiert und die Rüttelplatte deshalb in Bewegung kommt, kann das sehr gefährlich werden“, erklärt Krämer. Der Fahrer telefoniert mit seinem Chef, der einen Bußgeldbescheid bekommen wird.
14 Beamte der Polizeidirektion Neustadt kontrollieren Fahrzeuge und Fahrer auf dem Parkplatz an der Villa rustica zwischen Wachenheim und Bad Dürkheim. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit sei die Intention der Großkontrolle, erklärt Einsatzleiterin Janina Schmitt, Dienstgruppenleiterin bei der Polizeiinspektion Bad Dürkheim.
„Ich habe vergessen mich anzuschnallen“, sagt ein jüngerer Mann, Fahrer eines Autos mit dem Kennzeichen des Landkreises Südliche Weinstraße. „Haben Sie Führerschein und Fahrzeugschein dabei?“, fragt Schmitt. Nachdem der Mann ihr die Papiere gegeben hat, geht sie zu einem der auf dem Parkplatz stehenden Polizeifahrzeuge, um die Papiere zu überprüfen. Erst habe er auf der A65 im Stau gestanden und jetzt werde er durch die Kontrolle aufgehalten. Er müsse nach Dürkheim zur Arbeit, „aber es ist schon gut, dass Kontrollen gemacht werden“, sagt der Mann.
Erst Pupillentest, dann Blutprobe
„Sind Sie damit einverstanden, dass ich einen Pupillentest mache, Sie haben kleine Pupillen?“, sagt Schmitt, als sie zurückkommt. Kleine Pupillen sind ein typisches Zeichen für Cannabiskonsum. Er habe vor drei oder vier Tagen einen Joint geraucht, sagt der Mann, der jetzt die Kontrolle offensichtlich nicht mehr so gut findet. „Ich werde jede Woche angehalten, immer das Gleiche“, klagt er. Als Schmitt ihn fragt, ob er mit einer Blutprobe einverstanden sei, fängt er an, darüber zu diskutieren, ob das sein müsse. Doch es hilft nichts, er wird zur Polizeiinspektion gebracht, wo ihm ein Arzt Blut abnimmt.
Auf den Parkplatz geschickt werden die Fahrzeuge von Polizeioberkommissar Julian Brech, der mit Warnweste und Polizeimütze mitten auf der B 271 steht. Einige Meter vor dem Parkplatz steht ein Schild, das eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern vorgibt. Angesichts des Polizisten zwischen den Fahrspuren fahren die meisten eher langsamer. Brech schaut auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge und winkt immer mal wieder eines in Richtung Parkplatz. Mit den dortigen Kollegen hat er Funkkontakt. Er schaue erst, ob an den Fahrzeugen etwas auffällig ist und dann auf den Fahrer. „Mit der Zeit kriegt man ein Gespür, bei welchen Fahrern etwas nicht stimmen könnte.“ Ältere Frauen schicke er selten zur Kontrolle, gibt der Polizeibeamte zu.
„Ich transportiere Dreck“
Der Fahrer eines älteren BMW-Kombi ist ein 27-jähriger Student. In dem Auto sieht es aus wie in einer Studentenbude früherer Zeiten. Er sei am Trifels klettern gewesen und habe das Auto noch nicht ausgeräumt, sagt der junge Mann. Der Polizeibeamte möchte Verbandskasten, Warndreieck und Warnweste sehen. Der junge Mann beginnt, das Auto auszuräumen. Nach kurzer Zeit stoppt ihn der Polizist. Er werde einen Mängelbericht ausstellen, der Fahrer habe eine Woche Zeit, um die Sicherheitsausstattung bei einer Polizeidienststelle vorzuzeigen und dann den bestätigten Mängelbericht zur Polizeiinspektion Neustadt zu schicken. „Ich finde es cool, dass man nicht gleich Strafgeld zahlen muss und sogar ein paar Tage Zeit hat“, sagt der Student.
Ganz entspannt ist auch ein Mann, der in Richtung Alzey unterwegs ist. „Was sein muss, muss sein“, kommentiert er die Kontrolle. „Komme ich ins Fernsehen?“, erkundigt er sich, als er erfährt, dass Presse da ist. Doch auch für die RHEINPFALZ lässt er sich gern fotografieren. Die Überprüfung ergibt, dass alles in Ordnung ist.
Ein großer Lkw kommt auf den Parkplatz. „Was transportieren Sie?“, fragt Krämer, der eine Spezialqualifikation für die Kontrolle von Lkw hat. „Dreck“, lautet die Antwort des Fahrers. Krämer verlangt eine ganze Liste von Papieren, unter anderem die Berufskraftfahrer-Qualifikation, eine Bescheinigung, dass der Fahrer Abfälle transportieren darf, und einen Nachweis über die Lenk- und Ruhezeiten. Den druckt der Fahrer aus einem flachen Kasten an der Sonnenblende aus. Es ist alles in Ordnung. Der Mann darf weiterfahren – eine halbe Stunde noch, dann muss er Pause machen.