Bad Dürkheim Knabe liebt reife Schäferin

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Mit traditionellen Liedern in spanischem Sephardisch, Jazz und Folklore eroberte das Melios Trio am Sonntag von Anfang an die Herzen der Zuschauer in der voll besetzten Ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg. Nach „sitzenden Ovationen“ hatten die drei charismatischen Künstler die zweite Zugabe gegeben.

Mit Liedern in spanischem Sephardisch hätte das Melios Trio kaum einen passenderen Ort auswählen können als eine ehemalige Synagoge: Spanisches Sephardisch sprachen die in Spanien ansässigen Juden bis zu ihrer Vertreibung 1492. Alle Lieder, die die Sopranistin Ute Kreidler ankündigte, waren in dieser Sprache, was ein wenig an das Arabische erinnerte. Charmant und humorvoll präsentierte Kreidler darin zwischenmenschlichen Beziehungen, bei denen es von Liebe und Verehrung bis zu Wut und Enttäuschung ging. Mit ihrer Vielzahl von Instrumenten erweckten die Christoph Becker und Johannes Vogt das Interesse des Publikums. Im ersten Stück hat sich ein Mann in den Duft einer Frau verliebt. Behände entlockt Becker, der auf einem Cajon sitzt, seinem Tenorsaxophon warme, sprechende Töne. Vogt begeistert auf der Theorbe – eine Laute – mit professionellem Spiel. Mit glockenklarer, engelsgleicher Stimme zieht Ute Kreidler das Publikum in ihren Bann. Im zweiten Lied besingt Kreidler die Entsendung einer Frau in einen Harem. Eine schön bluesig-jazzige Note bringen Becker auf der Bassklarinette und Vogt auf der Theorbe ein. In einem Bossa Nova nimmt Kreidler dann die Schmerzen der Liebe aufs Korn. Mühelos schöpft die Sängerin alle Höhen und Tiefen aus und begleitet ihren Gesang mit dem Riqu, einer Art Tamburin. Vogt zeigt, dass er auf dem ganzen Steg seiner Theorbe zu Hause ist. In dem Liebelied „Ich fliege“ vergleicht sich der oder die Liebende mit einem Vöglein, das von Ast zu Ast hüpft. Mit Anmut trägt die Sängerin das Lied vor. Meisterhaft unterstützt wird sie von Saxophon und Theorbe. Ein wenig neckisch berichtet Kreidler in ihrem nächsten Vortrag „Una Pastora“ über das Liebesleid eines Knaben, der sich in eine reife Schäferin verliebt hat. Mit tiefen Basstönen verleiht die Bassklarinette der zerrissenen Seele des unglücklichen Knaben Ausdruck. Die Theorbe reflektiert hier wohl das heitere Gemüt der Schäferin. Kreidler greift zum Badhran, einem Tamburin in Großformat. In einem anderen Lied beklagt Kreidler humorvoll das herzlose Verhalten eines Ehemanns, der seine Frau verlassen hat. Kreidler und Becker quittieren im Duett das ungebührliche Benehmen des Mannes mit dem Spiel auf einer Kazoo. Vogt lässt die Theorbe sprechen. Becker begleitet auf dem Cajon. Warm und weich singt Kreidler unter anderem noch zwei Schlaflieder, bevor sich das kleine Ensemble nach der etwa einstündigen Veranstaltung verabschiedet. Nach viel Applaus lassen sich Kreidler, Becker und Vogt nicht lange bitten und machen mit „Sterne im Himmel“ die erste Zugabe. Da zeigen die Sängerin, Becker auf dem Saxophon und Vogt mit der Theorbe noch einmal, was in ihnen steckt. Nach „sitzenden Ovationen“ singt Kreidler dann die zweite und letzte Zugabe – wieder ein Schlaflied.

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