Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Klösterliche Stille statt Festtrubel

Immer mittendrin, das war früher: Berti Senft vertritt beim Grawler-Umzug die Awo.
Immer mittendrin, das war früher: Berti Senft vertritt beim Grawler-Umzug die Awo.

Er ist ein Dürkheimer, den eigentlich jeder kennt: Berti Senft hat viele Ehrenämter inne, kennt die Stadt wie seine Westentasche und verfügt über einen großen Fundus an Erinnerungsstücken seiner Heimatstadt. Nun zieht sich der 64-Jährige in eine christliche Gemeinschaft zurück – Bad Dürkheim aber bleibt ein Anker in seinem Leben.

Gute Freunde wussten es schon länger. Jetzt ist Bertram Karl Senft, der von allen Berti gerufen wird, mit seiner Entscheidung an die Öffentlichkeit gegangen. Viele Wochen im Jahr will er der Kurstadt den Rücken zukehren. Schon seit dem Sommer verbringt er einige Wochen in der Kommunität Imshausen in der Nähe von Bebra in Hessen – um sich dann immer wieder für ein paar Tage in seiner Heimatstadt aufzuhalten.

Der gebürtige Dürkheimer ist Sohn einer Bäckerfamilie. Er führte den Betrieb in siebter Generation in der Kaiserslauterer Straße bis in die Mitte der 1980er-Jahre weiter und übernahm dann für fünf Jahre den Job des Wildwartes im Hochwildschutzpark, der jetzt als Kurpfalzpark Wachenheim bekannt ist. „Ich hatte dort das Raub- und Hochwild zu betreuen. Ich erinnere mich noch gut an die Bären, die mit acht Wochen als junge Tiere zu mir gekommen sind. Die hab ich dann mit der Flasche großgezogen“, berichtet Senft, der den Beruf nochmals wechseln sollte.

Vom Wildpark in die BASF

1994 – im Alter von 36 Jahren – begann er bei der BASF eine Ausbildung zum Chemikanten. Mit 46 Jahren erlitt der Dürkheimer einen Schlaganfall, wechselte firmenintern in das technische Marketing und trat im November 2021 in den Ruhestand.

Berti Senft ist geschieden und hat vier Kinder und zwei Enkel. Weitere seien jedoch unterwegs, teilt er augenzwinkernd mit. Dem umtriebigen Rentner ist es wichtig, dass die Menschen in seinem Umfeld wissen, dass er von seinen Ehrenämtern zurückgetreten ist. Es würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen, sie hier alle aufzuzählen. Deshalb an dieser Stelle nur die wichtigsten Informationen. Vor gut fünf Jahren wurde er gefragt, ob er nicht in die Fußstapfen des verstorbenen Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Rolf Lange, treten wolle. „Ich hab dann erst einmal gesagt, dass ich gar nicht wisse, was die Awo ist. Ich wurde dann aber im Herbst 2017, nachdem ich mich über die Sozialeinrichtung schlau gemacht hatte, zum Vorsitzenden gewählt.“

Pfadfinder und Wurstmarktsänger

„Mir ist wichtig, dass die Leute wissen, dass ich den Vorsitz zum Jahresende abgegeben habe“, berichtet Senft. Bei der Mitgliederversammlung der Awo soll im Frühjahr ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Seit fünf Jahren engagierte sich Senft auch bei den Naturfreunden Bad Dürkheim-Grethen, bei denen er als Jugendwart die Junior-Ranger gegründet hat. Anfang Dezember 2022 hat er seine Aufgaben in jüngere Hände übergeben.

„Im Prinzip hat bei mir alles mit den Dürkheimer Pfadfindern angefangen. Bis vor vier Jahren war ich dort der Stammesälteste“, berichtet Senft, der in den 1990er-Jahren die „Biber-Gruppe“ für Kinder von null bis sechs Jahren gegründet hat. „Das war eigentlich eine Krabbelgruppe, die danach dann als Wölflinge weitergemacht haben. So haben wir damals erfolgreich die Nachwuchssorgen bei den Kindern aufgefangen“, erzählt Senft, der die Zeit bei den Pfadfindern als „Herzenssache“ bezeichnet.

Der passionierte Sänger ist auch Mitglied im Chor der roten Raben. Dabei handelt es sich um einen SPD-Chor, dem der Sozialdemokrat Senft, der auch bei der Bürgermeisterwahl im Juni den Genossen Christoph Glogger unterstützen möchte, auch weiter erhalten bleibt. Zusammen mit Glogger wolle er auch weiterhin die Altennachmittage als das Duo „Berti und der Bürgermeister“ bereichern. Das Wurstmarktsingen mit den Pfadfindern wolle er aber zukünftig aufgeben.

„Spärliches Zimmer“

Der gläubige und in der evangelischen Kirche aktive Ruheständler dachte schon lange übers Klosterleben nach, verrät er. „Ich bin auf Imshausen gestoßen. Das ist kein Kloster, sondern eine Kommunität, eine evangelisch-christliche Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern“, erzählt Senft. Nach einem Probeseminar im Juli, reifte in ihm der Entschluss, dort für längere Zeit zu bleiben. So verbrachte er ab da im Wechsel immer drei Wochen in Imshausen und ein bis zwei Wochen in Dürkheim. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto, denn ich konnte mir noch nicht vorstellen, meine ganzen Beziehungen in meiner Heimat abzubrechen“, erklärt Senft. Neben der Familie habe er hier auch Freunde, die ihn brauchen. Diesen Rhythmus wolle er bis Mai aufrechterhalten, um dann „die Schlagzahlen in Imshausen auf fünf bis sechs Wochen zu erhöhen“.

Immer öfter bevorzugt Senft jetzt die Stille, die er bei seiner christlichen Gemeinschaft findet.
Immer öfter bevorzugt Senft jetzt die Stille, die er bei seiner christlichen Gemeinschaft findet.

Berti Senft kann sich sogar vorstellen, sein Leben lang ganz in der Kommunität zu leben und Imshausen zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. „Ganz ohne Bad Dürkheim wird es wegen der Kinder und Enkel natürlich nicht gehen.“ Zu seinen Aufgaben in der Gemeinschaft gehört es, sich um Schreinerarbeiten zu kümmern. „Wie haben da unglaubliche Vorräte an Holz und ich habe seit dem Sommer schon zahlreiche Tische und Bänke angefertigt“. Senft bewohnt dort ein „spärliches Zimmer“ und beginnt seinen Tag um 5 Uhr. Die Zeit bis zum Frühstück verbringt er mit der Lektüre theologischer Texte. Im weiteren Tagesverlauf finden Gottesdienste und Gebete statt. Spätestens um 21 Uhr liegt er dann im Bett. „Ich fühle mich dort wohl, ich bin in der Stille, bin im Gebet, bin in der Arbeit und habe Verantwortung gegenüber meinen Brüdern und Schwestern“, erklärt Senft, der die Freundlichkeit und das Miteinander in der Kommunität schätzt.

Von Freunden habe er schon oft gehört, dass er ein ruhiger und gesünder aussehender Mensch geworden sei. „Das liegt vielleicht daran, dass wir uns rein vegetarisch ernähren. Das ist für mich als Pfälzer ganz schlimm und immer wenn mich meine Kinder vom Bahnhof in Mannheim abholen, sag ich, dass wir erst einmal in die Wirtschaft gehen und etwas Vernünftiges essen“, gibt Senft lachend zu. Die Schorle gönnt er sich auch nur in Bad Dürkheim, denn „Alkohol als Getränk gibt es in Imshausen nicht“.

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