Bad Dürkheim Keine Frage der Ernsthaftigkeit

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Dem Gegensatzpaar „brauchbar – unbrauchbar“ hat die Deidesheimer Künstlerin und Galeristin Friederike Zeit ihre zweite Ausstellung im Schloss gewidmet: Gemeinsam mit der Floristin Iris Diehl aus Wachenheim hat sie sich des Themas anhand von Vasen angenommen und zeigt eine Mischung aus Ausstellung und Installation, die heute um 18 Uhr eröffnet wird. Jugendliche der Dürkheimer Lebenshilfe zeigen selbst gedrehten Film zum zehnten Jubiläum des Künstlersymposiums „Intonation“.

Zu sehen sind Arbeiten der Keramiker Petra Bittl, Hans Fischer, Martin Goerg, Johannes Nagel, Svein Narum, Lotte Reimers, Frank Schillo, Fritz Vehring, Helga Vehring und Christine Wagner – viele von ihnen haben bereits am von Zeit initiierten Künstlersymposium „Intonation“ teilgenommen, das in diesem Jahr zum zehnten Mal stattgefunden hat – und sind so beinahe so etwas wie „alte Bekannte“. Sie haben ihre Interpretationen des „Vasen“-Themas mitgebracht, zeigen damit das breite Spektrum dessen, was denk- und machbar ist zum Zwecke der Blumenpräsentation – und eben auch, was nicht: „Gibt’s denn überhaupt einen Unterschied zwischen brauchbar und unbrauchbar?“, fragt Zeit ironisch, fügt hinzu, dass eine Skulptur per se ja auch nicht brauchbar sei. Dieses Spannungsfeld erschließt sich dem Betrachter beispielsweise anhand einer Vase mit so schmaler Öffnung, dass sie gerade mal ein langstieliges Blümlein aufnehmen könnte, eines anderen Exponats aus netzförmig gewundenem Tongeflecht ohne Boden – mithin zur Aufnahme von Blumenwasser also gänzlich ungeeignet – die gemeine Blumenvase wird so zur freien Plastik. Umso spannender wird die Ausstellung durch die Kombination mit den floralen Installationen von Iris Diehl: Die nämlich haucht der Ausstellung echtes Leben ein, mit Rasen in der Galerie, Blumenarrangements in den Vasen – und einem Komposthaufen vor dem Eingang, der das „brauchbar – unbrauchbar“-Thema auf seine ganz eigene Weise wieder aufnimmt: „Was heute als unbrauchbar herumliegt, ist in zwei Jahren als Humus wieder brauchbar“, sagt Diehl. Und das gilt auch für die Blumen und den Rasen im Inneren der Galerie, die nach der Ausstellung wohl auch auf dem Kompost landen werden. In der Zwischenzeit erlebt Friederike Zeit allerdings die erste Premiere der Ausstellung, denn es ist wohl das erste Mal, dass sie in ihren Räumen gießen muss; wir nehmen da jetzt einfach mal an, dass sie das mit einer brauchbaren Kanne tun wird ... „Es ist eine lebendige Ausstellung, sie verändert sich“, sagt Zeit. Doch noch eine weitere Premiere steht heute an: Zum zehnjährigen Bestehen der „Intonation“ wird um 20 Uhr der Film gezeigt, der von vier Jugendlichen der Bad Dürkheimer Lebenshilfe während des diesjährigen Symposiums unter der Leitung des Theaterpädagogen Achim Hess entstanden ist. Zwölf Tage lang haben die Schüler im Alter von 17 und 18 Jahren die Künstler bei der Arbeit begleitet, ihre Eindrücke mit der Kamera festgehalten. „Das war auch für uns eine spannende Erfahrung“, sagt Zeit, die das Ergebnis der Arbeit der Jugendlichen ebenso wie die Vernissage-Besucher erst heute Abend zu sehen bekommen wird. „Die Jugendlichen sind dabei Teil unserer ,Kleinfamilie auf Zeit’ geworden“, erinnert sie sich. Eine der Herausforderungen sei dabei beispielsweise gewesen, auf ungewohnte Fragen einfache Antworten zu finden: „Macht Kunst Spaß?“ nennt Zeit als Beispiel. Und wer jetzt auf ein spontanes „Ja“ getippt hätte, wundert sich über die ein wenig nachdenkliche Antwort: „Kunst ist vor allem Arbeit. Eine Arbeit allerdings, die im Optimalfall befriedigend ist“, sagt Zeit. Eins allerdings ist klar: Mit der Ausstellung „brauchbar – unbrauchbar“ tritt Zeit den Beweis dafür an, dass Kunst zumindest für den Betrachter durchaus ein großer Spaß sein kann und nicht zwingend bierernst genommen werden muss. Und das auch nicht immer will. (hox) .

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