Bad Dürkheim Kein Sport für Ungeduldige

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WACHENHEIM. Weiß gekleidete Herren stehen in einem Park und peilen auf einem gut gepflegten Rasen mit Schlägern, die an Vorschlaghämmer erinnern, über Kugeln hinweg kleine, mit Klammern bestückte Metalltore an. Was auf den ersten Blick wie ein stimmungsvoller Einstieg in die Verfilmung eines Agatha Christie-Romans wirkt, sind die Deutschen Meisterschaften im Association Croquet. Diese wurden am Wochenende in Wachenheim ausgespielt.

Dort bietet der englische Garten des Weinguts Bürklin-Wolf einen idealen Austragungsort für diese Sportart, die trotz ihres französischen Namens durch und durch britisch geprägt ist. Die Bälle wiegen ein britisches Pfund, die Platzmaße richten sich nach den Yardmaßen, die Tore heißen „Hoops“, die Schläger „Mallet“. Aber Sportart? Eindeutig ja. Schließlich gibt es nationale und internationale Ranglisten und Meisterschaften. Was für den flüchtigen Betrachter meditativ daherkommt, erfordert neben zugegebenermaßen nicht im Hochgeschwindigkeitsmodus vorgetragener Bewegung sehr viel Konzentration über einen langen Zeitraum. „Bei diesen Meisterschaften sind die Spiele auf zweieinhalb Stunden begrenzt. Pro Partie legt man im Schnitt viereinhalb Kilometer zurück. Und wir spielen mehrmals pro Tag“, sagt Bruno Hess, mehrfacher deutscher Croquet-Meister. Er steht nach erfolgreichen Spielen am Samstagnachmittag bereits vor Abschluss der Vorrundenpartien als Halbfinalist fest. In zwei Fünfergruppen ermitteln Deutschlands Croquet-Asse die Semifinalisten der Einzelkonkurrenz. Parallel dazu finden auch die Doppelmeisterschaften statt, bei großen personellen Überschneidungen mit der Einzelkonkurrenz. Rund 150 aktive Croquet-Spieler und -Spielerinnen gibt es in Deutschland. Männer und Frauen spielen in einem Feld. Sein elitäres Image haftet dem Spiel dabei zu Unrecht an. „Unsere Jahresbeiträge sind mit denen im Tennis vergleichbar, die Preise der Ausrüstung auch“, sagt Thomas Magin vom Croquet Club Südwest. Eins der Zentren des deutschen Croquet ist Hamburg. Sechs der zwölf Plätze, eigentlich „Lawns“, werden in der Hansestatt gepflegt. Daneben gibt es auch in Oldenburg, Bonn, Berlin und Höhr-Grenzhausen solche 25,6 mal 32 Meter große Rasenflächen. „Der schönste Platz ist aber eindeutig dieser hier in Wachenheim“, sagt Magin und blickt über das Spielfeld hinweg in die Rebenlandschaft bis nach Forst. Für solche Blicke bietet das Association Croquet durchaus Zeit. Es ist kein Sport für Ungeduldige. Ziel des Spiels ist es, die eigenen zwei Bälle durch die sechs „Hoops“ jeweils hin und zurückzuschlagen, abschließend gegen eine zentrale Stange. So können maximal 26 Punkte erzielt werden. Das gelingt innerhalb des Zeitlimits nicht immer. Bis einen der Gegner wieder auf den Rasen lässt, kann durchaus eine halbe Stunde oder länger vergehen. In Wachenheim setzen sich mit Wolfgang Usbeck und Bruno Hess vom ausrichtenden Croquet Club Südwest, Carlos Viera aus Oldenburg und Jörn Vinnen aus Hamburg die Favoriten durch. Die Meister in Einzel und Doppel standen allerdings erst nach Redaktionsschluss fest.

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