Freinsheim / Wachenheim
Kein Feierabend im Weinbau: 50.000 Reben warten
Ralph Kirchner vom Weingut Kirchner in Freinsheim sagt: „Im Weinbau gibt es immer was zu tun. Wir haben keinen Angestelltenstatus mit festen Arbeitszeiten.“ Nach der Weinlese müsse „alles sauber gemacht und weggeräumt werden“. Im Keller würden den Gärprozessen des Weines, der Sensorik und der Analytik besonderen Augenmerk geschenkt werden, den Wein bei seiner Entwicklung begleitet, so der 44-jährige Weinbautechniker. Bis Weihnachten sei somit viel zu tun. Erst zu Weihnachten könne er etwas herunterkommen und die Festtage mit der Familie genießen.
Die ruhigere Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr genießt Kirchner nach eigenen Angaben – als Zeit, um wieder Energie zu tanken. Das sei auch bitter nötig. „Die tägliche Arbeit ist intensiver geworden, der Besuch von Messen und Veranstaltungen ist zeitintensiv, die Kunden wollen zufriedengestellt werden. Man muss verstärkt auf sie zugehen, früher war es eher umgekehrt“, so der 44-Jährige. Man müsse mehr Aufwand betreiben, um Wein „an den Mann zu bringen“.
Kaum Zeit für Hobbys
Zeit für seine Hobbys bleibe wenig, er habe früher Handball und Fußball gespielt. Skifahren ist im Winter noch ein Hobby, das er gerne betreibe, wenn es möglich ist. Ansonsten sei das Arbeitsvolumen auch im Winter, hoch, die Arbeit müsse beendet werden und es dabei werde nicht auf die Arbeitszeiten geschaut. Samstage seien auch typische Arbeitstage, sonntags werde „Zeit für die Familie freigeschaufelt“.
Derzeit ist der Rebschnitt mit Rausziehen und Anbinden angesagt. Und das bei Wind und Wetter. Der Vollblut-Winzer braucht mit seinem Team dafür viel Zeit, die rund 50.000 Rebstöcke des 25 Hektar-Weinguts müssen bis Ende März „versorgt“ werden, um im Frühjahr wieder kontrolliert austreiben zu können. Danach wolle Ralph Kirchner mit Familie auch mal Urlaub machen.
Ein besonderes Projekt im Winter
Viel Arbeit in der kalten Jahreszeit gibt es auch beim Weingut Zimmermann in Wachenheim. Doch das Jahr endet diesmal mit einem besonderen Höhepunkt. „Einmal im Leben“ – so lautet das Stichwort, das für Winzer Jürgen Zimmermann eine ganz persönliche Bedeutung hat. Zwischen Weihnachtsgeschäft und Rebschnitt, jener präzisen und zugleich essenziellen Arbeit im Weinberg, findet man den Winzer vor allem in seiner Kelterhalle. Dort treibt er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Doris Mäurer ihr gemeinsames Projekt voran: den Sekt „Einmal im Leben“. Eine Herzensangelegenheit, pünktlich zur Weihnachtszeit.
„Aus Mitschülern wurden Berufskollegen, aus Berufskollegen wurde eine Beziehung fürs Leben. Und diese Beziehung hatte einen Traum namens ,Einmal im Leben’, einen ganz besonderen Sekt zu machen,“ erzählt der Wachenheimer. Während Doris Mäurer, vom Weingut Mäurer in Dackenheim, die Trauben beisteuerte, übernahm Zimmermann den Ausbau.
Sechs Jahre lang reifte der Sekt, laut Zimmermann „ein Qualitätsversprechen, das mit dem Jahrgang 2017 begann“. Die klassische Champagner-Cuvée aus Pinot Noir, Pinot Meunier und Chardonnay lag 96 Monate auf der Hefe.
Doch bei aller Arbeit bleibt auch Zeit zum Feiern. „Eine Weihnachtsfeier mit allen Kolleginnen und Kollegen darf nie fehlen“, sagt Zimmermann. Denn ein Geschäftsjahr, das von sinkendem Weinkonsum und wirtschaftlichen Veränderungen geprägt sei, lasse sich nur mit einem starken Team meistern. Verkauf, Akquise, intensiver Kundenkontakt und zahlreiche Veranstaltungen wie Weinproben im und außerhalb des Weinguts, all das sei nur möglich, „weil es Menschen gibt, auf die man bauen kann“, so der Winzer. Darum sei es Zimmermann ein besonderes Anliegen, danke zu sagen.