Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kahlschlag im Pfälzerwald?

Revierförster Johannes Rottländer vor einem Holzpolter.
Revierförster Johannes Rottländer vor einem Holzpolter.

Eine besonders große Menge an Holz wurde nördlich des Plauser Rastplatzes im Wald von Weisenheim und Bobenheim am Berg geerntet. Viele Holzpolter liegen an den Wegesrändern. Was die Wanderer hier erschreckte, war aus Sicht des Forstes schlichtweg notwendig. Doch warum?

„Muss das sein? Das sieht ja regelrecht nach Kahlschlag aus. Wird da der ganze Wald platt gemacht?“ Auf Facebook entzündete sich eine große Diskussion, nachdem ein Wanderer Fotos von Holzpoltern sowie von durchfurchten Waldwegen ins Netz gestellt hatte. Viele Facebook-Nutzer verteidigten die Aktion, ihnen fehlten aber auch die richtigen Argumente.

„Ich kenne solche Debatten“, sagt Johannes Rottländer. Seit 2019 ist er Revierförster im Forstverband Ganerben, zu dem der gesamte Wald der VG Freinsheim, der Stadtwald Bad Dürkheim sowie die Leininger Schulwaldstiftung gehört. „Jedoch ist es auch eine Seltenheit, dass sich eine größere Ernte so konzentriert. Wenn man das so sieht und kennt trotz der Informationstafeln die Hintergründe nicht, kann man schon mal erschrecken“, sagt er.

4000 Festmeter aus 100 Hektar Wald geerntet

Rund 4000 Festmeter, insbesondere aus Kiefernholz, sind seit Dezember bei diesem Hieb nördlich des Plauser Rastplatzes zusammengekommen. Die Fläche umfasst 100 Hektar, was etwa 140 Fußballfeldern entspricht. „4000 Festmeter ist etwa ein Drittel der Erntemenge, die bei uns im Jahr anfallen“, erläutert der 31-Jährige. Jedoch besteht das Revier des Forstverbands – immerhin der größte zusammenhängende Forstzweckverband in Rheinland-Pfalz – aus rund 2600 Hektar Holzbodenfläche.

Fünfte Durchforstung

In dem Gebiet nordöstlich des Ungeheuersees wurde schon länger kein Holz mehr geerntet. Hier hat jetzt im vergangenen Winterhalbjahr die fünfte Durchforstung stattgefunden. Die erste, schätzt Rottländer, dürfte etwa 40 Jahre her sein. Alle fünf bis zehn Jahre wird auf einer bestimmten Fläche Holz geerntet. „Der Turnus wird später immer länger, damit die Lücken im Bestand nicht so groß werden“, erläutert er. Welche Bäume weichen müssen, wird anhand der so genannte Zukunftsbäume entschieden. Sie sind markiert mit weißen Punkten und müssen stehen bleiben. Sie sind gut entwickelt und weisen keine Schäden auf. Die schwächeren Bäume, von denen die Zukunftsbäume bedrängt werden – Aufschluss darüber gibt der Kronenraum – kommen weg. Sie sind gekennzeichnet durch schräge Streifen in roter Farbe. „Letztlich wurde auch nur ein Teil von dem geerntet, was in den vergangenen Jahren dazu gewachsen ist“, betont Rottländer. Biotopbaumgruppen wurden gar nicht angetastet. Sie bleiben so lange stehen, bis sie von alleine zerfallen. Davon profitieren auch die tierischen Waldbewohner.

Mit Harvester im Einsatz

Zum Einsatz kamen bei der Holzernte insbesondere zwei Maschinen der Firma Weiß aus Oberarnbach: ein Harvester oder Holzvollernter sowie ein Forwarder, der die gefällten Stämme in den Rückegassen aufsammelt und in Sorten getrennt an die Lkw-tauglichen Waldwege stapelt. Wo die großen Maschinen nicht vordringen konnten, kamen Motorsägen zum Einsatz. „Dabei liegt unsere Priorität auf dem Schutz des Waldbodens und nicht der Wege“, erläutert Rottländer. Die Wege würden demnächst wieder maschinell abgezogen und seien spätestens im Frühsommer durch deren sandige Konsistenz wieder abgetrocknet, verspricht er.

In den vergangenen Jahren, insbesondere 2021, war Kiefernholz kaum vermarktbar. Fatal, denn auf 62 Prozent der Fläche im Revier stehen Kiefern. Als deutschlandweit der Borkenkäfer zu einem Überangebot an Fichte auf dem Holzmarkt geführt hat, brach mit dem Fichtenmarkt auch der Kiefernmarkt ein. Denn beide Baumarten haben ähnliche Eigenschaften und werden ähnlich verwendet. Weil die Erlöse für Kiefernholz teilweise nicht einmal die Erntekosten deckten, wurden im Forstrevier Ganerben 2021 nur 250 Festmeter Kiefernholz geerntet. Dieses Jahr sieht es besser aus – es gibt inzwischen aber auch einiges an Nachholbedarf im Revier.

Gute Verkaufspreise

Um die Vermarktung des Holzes kümmert sich Imo Hauß, Geschäftsführer der kommunalen Holzvermarktung Pfalz GmbH in Maikammer. „Alle vier Verkaufssegmente für das Kiefernholz werden mit einem positiven Geschäftsergebnis abschließen“, fasst er die Vertragsergebnisse zusammen. Die Preise liegen laut Hauß zwischen 52 und 85 Euro pro Festmeter - je nach Segment. Am hochwertigsten sind die stärkeren, sägefähigen Stammabschnitte. Diese Filetholzstücke machen 35 bis 40 Prozent der Gesamterntemenge aus. Sie werden vom Sägewerk Rettenmeier in Ramstein-Miesenbach abtransportiert und zurecht gesägt und später zu Baumärkten oder Produzenten von Gartenmöbeln geliefert.

Palettenholz ist auch dabei

Für das Holz von etwas geringerer Qualität, das aber zu wertvoll für die Spanplattenproduktion ist, interessieren sich Palettenwerke. Kürzer gewachsene Kiefern, die in kleineren Mengen anfallen, eignen sich für die Verarbeitung zu Palisaden. Dieses Holz wird in der Firma Braun und Würfele in Baiersbronn verarbeitet.

Holz von minderer Qualität mit mehr Ästen und aus dem Kronenbereich geht an Plattenhersteller. „Da gibt es beispielsweise die Firma Rheinspan in Germersheim, oder die Homanit GmbH im Saarland“, erklärt Hauß.

Lärchen und Buchenholz, das bei der Ernte in kleinen Mengen ebenfalls angefallen ist, wird als Brennholz verkauft. „Wir lassen auch kleinere Äste und Kronenholz liegen, damit sich der Boden daraus mit Nährstoffen versorgen kann“, sagt Rottländer. Das sei auf dem nährstoffarmen Sandboden der Region sehr wichtig.

Nächste Ernte im Blick

Der Erlös des Holzverkaufs fließt laut Rottländer in den Forstbetrieb: für die Pflege der Waldwege, Verkehrssicherung oder für Neuanpflanzungen. Der Revierförster hat die nächste Ernte bereits im Blick. Sie wird Ende des dritten Quartals in Kallstadt im Bremmenacker stattfinden. Am Südhang vom Bismarckturm befindet sich laut Rottländer „eine riesige Kiefernwüste“. „Hier muss dringend etwas im Waldumbau passieren, denn wir brauchen Mischbaumarten und das kriegt man ohne Durchforstung nicht hin.“

Zur Abfuhr bereit: Die Filetstücke der Holzernte werden später zu Gartenmöbeln.
Zur Abfuhr bereit: Die Filetstücke der Holzernte werden später zu Gartenmöbeln.
Eine Rückegasse im Erntegebiet.
Eine Rückegasse im Erntegebiet.
Ein Baumbiotop (erkennbar an den weißen Wellenlinien am Stamm) mit großem Ameisenhügel.
Ein Baumbiotop (erkennbar an den weißen Wellenlinien am Stamm) mit großem Ameisenhügel.
Der Forwarder wird jetzt nicht mehr gebraucht.
Der Forwarder wird jetzt nicht mehr gebraucht.
6132637_1_org_Pfaelzerwald_Newsletter_-_Contentbox_16_x_9

Kennen Sie schon unseren Pfälzerwald-Newsletter?

Wo gibt es neue Wanderwege? Siedelt sich wirklich ein Wolfsrudel im Pfälzerwald an? Welche Hütten haben zur Zeit offen? Jeden Donnerstag schreiben RHEINPFALZ-Autorinnen und -Autoren aus der gesamten Pfalz über Themen rund um den Pfälzerwald. Jedes Mal mit Ausflugstipp!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x