Bad Dürkheim Ka-lin-ka

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Spitzen-Chor trifft auf Spitzen-Akustik: Mit bekannten sakralen und weltlichen Liedern verursachten elf Don Kosaken unter Dirigent Wladimir Pasdrij am Sonntagabend in der Protestantischen Kirche in Wachenheim bei 225 Besuchern Gänsehautgefühle. Mit stehenden Ovationen dankte ihnen das Publikum und klatschte dabei „Kalinka“ im Takt.

Mühelos füllen die elf Männer unter Wladimir Pasdrijs Leitung – a cappella – allein mit ihren Stimmen die Protestantische Kirche, die dank der Holzdecke eine hervorragende Akustik hat. Vom zartesten Pianissimo bis zum kräftigsten Fortissimo begeistern die Sänger bei dem Konzert mit der ganzen Bandbreite ihres Könnens. Sie beeindrucken aber nicht nur als eingespielter Chor, sondern auch als Solisten vom Tenor bis zum Bass. Immer wieder interessant ist es zu beobachten, wie Pasdrij die Einsätze gibt und der Chor nach kurzem Ansingen bei jedem Stück zu Höchstleistung aufläuft. Einer der vielen Höhepunkte für das Publikum ist mit Sicherheit das vom Ensemble bewusst ans Ende der Veranstaltung gesetzte, allseits bekannte russische Volkslied „Kalinka“, mit dem die Sänger so viel russische Wehmut und Rhythmus vermitteln, dass es den Zuschauern in den Beinen zuckt. Immer wieder greifen wechselnde Sänger Melodie und Text auf, bis am Ende Tenor Serge Ladow – einziger Russe unter neun Ukrainern und einem Bulgaren – die Silben des Wortes bewundernswert lang und kraftvoll im Raum schweben lässt. Schöne Soli kommen hier unter anderem von Victor Wanjachar und Vladimir Sytsch. Alles andere als eintönig ist das vorletzte Lied „Eintönig klingt hell das Glöckchen“, bei dem Igor Pawlenko als Solist eine sängerische Meisterleistung bietet. Mit „Schneegestöber“ beginnen die Don Kosaken den weltlichen Teil ihrer knapp zweistündigen Veranstaltung nach der Pause. „Mitternacht in Moskau“, „Die Petersburger Straße entlang“ und „Blaue Augen“ sind wunderschöne, ebenfalls erwähnenswerte Stücke mit Ohrwurmcharakter. Wer allerdings das ausgeteilte Programm als Anhaltspunkt für die Programmfolge nehmen will, wird enttäuscht, weil der Chor in seiner Begeisterung immer wieder spontane Änderungen vornimmt. Mit einem gesungenen „Vater unser“ auf Russisch beginnen die Don Kosaken den sakralen Teil vor der Pause, um in der Wachenheimer Kirche einen Bezug zum christlichen Gottesdienst zu schaffen. „Herr, erbarme dich unser“ und „Gott rette dein Volk“ sind ebenfalls eine Hommage an den christlichen Gottesdienst auf Russisch. Russische Atmosphäre schaffen sie dann durch das Volkslied „Abendglocken“. Mit „Die Zwölf Räuber“ als letztem Lied läutet der Chor bereits den weltlichen Teil ein. Hier beeindruckt unter anderem der Bulgare Apostolof Juliy mit tiefer Bassstimme. Die erste Zugabe ist „Stenka Rasin“, dem Anführer aufständischer Kosaken im russischen Zarenreich des 17. Jahrhunderts, gewidmet. Mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ rühren die Don Kosaken dann zum letzten Mal die Herzen der Zuschauer, bevor sie endgültig das Kirchenschiff verlassen. Der Don Kosaken Chor wurde 1921 von dem 1896 geborenen Serge Jaroff gegründet und bestand anfänglich aus im Exil lebenden Don Kosaken. Während der russischen Revolution 1917 kämpfte Jaroff auf weißrussischer Seite in einer Brigade der Don Kosaken. Der Sohn eines Holzgroßhändlers sang bereits als Fünfjähriger im Kirchenchor. Mit zehn Jahren kam er an die „Synodal Musikschule“, Russlands berühmtester Ausbildungsstätte für Kirchenmusiker und Chordirigenten. Den 1948 geborenen Wanja Hlibka nahm Jaroff 1967 im Alter von 19 Jahren als jüngsten Solisten auf. Hlibka studierte unter anderem an der Hochschule für Musik in Hamburg. Nach Jaroffs Tod 1991 führte er den Chor in dessen Sinn und Tradition weiter, seit 2001 unter dem Namen „Don Kosaken Chor Wanja Hlibka“.

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