Bad Dürkheim
Jetzt noch impfen, bevor die Grippewelle rollt
„Noch gibt es keine Grippewelle“, sagt Dr. Sabine Rahmann. Zwar sei nach der Weihnachts- und Silvesterpause das Wartezimmer ihrer Praxis in Bad Dürkheim voll, aber die meisten Patienten kämen mit den üblichen Atemwegsinfektionen. Eine richtige Influenza sei das aber noch nicht, erklärt die Allgemeinmedizinerin. Dennoch sei es durchaus sinnvoll, sich auch jetzt noch impfen zu lassen.
Grundsätzlich sei eine späte Impfung sogar besser, denn meist komme die Welle sowieso erst ab Ende Januar, manchmal gar erst im März, weiß Rahmann. Coronafälle habe sie derzeit sehr wenige, berichtet sie weiter. Ein paar Norovirus-Verdachtsfälle habe sie auch schon gehabt, allerdings glaubt Rahmann, dass diese Welle bereits abflaut. „Ich weiß, das hat manchen das Weihnachtsfest vermiest.“ Jüngere Leute würden so eine Infektion gut wegstecken, „das rauscht so durch“, erklärt die Ärztin. Wichtig sei immer, dass diese Erkrankung nicht in die Altenheime gelange. Dabei gehe es sowohl um die Gesundheit der meist anfälligeren Bewohner, aber auch um den Ausfall der ohnehin raren Pflegekräfte.
Coronafälle merklich zurückgegangen
Norovirus-Fälle gab es bei ihm nicht, erklärt Dr. Karl Deibel. Der Allgemeinmediziner, der seine Praxis in Weisenheim am Berg hat, erzählt allerdings ebenfalls von vielen Atemwegsinfektionen. Grippale Infekte seien auch schon vor Weihnachten zahlreich gewesen, da könne man durchaus von einer kleinen Welle sprechen. Coronafälle seien im Herbst mehr gewesen, erklärt er.
Am Mittwoch war Deibel zur Visite im Pflegeheim, da hätten mehrere Bewohner Fieber und grippeähnliche Symptome gezeigt. „Möglicherweise ist das der Beginn einer Grippewelle“, spekuliert er, betont aber, dass er die Testergebnisse noch nicht kenne. „Wer über 60 Jahre alt ist oder zur Risikogruppe gehört, sollte sich unbedingt noch impfen lassen. Das kann einem einen schweren Verlauf ersparen“, appelliert auch Deibel, schließlich sei man vor einer Ansteckung nie gefeit.
Virale Infekte und Atemwegserkrankungen
Die Wachenheimer Burg-Apotheke kann den Trend bestätigen. Derzeit gebe es viele Atemwegserkrankungen und virale Infekte, sagt Apothekerin Isabell Koob. Grippefälle seien es noch nicht so viele. Und sie hofft, dass es so bleibt.
„In Wachenheim wurde bei den Ärzten viel gegen Grippe geimpft“, berichtet Koob. Auch sie hat beobachtet, dass die Coronainfektionen zurückgegangen sind. In Wachenheim seien ebenfalls Noroviren umgegangen. Bei wirklich schweren Symptomen würden die Menschen durchaus in der Apotheke nach lindernden Medikamenten nachfragen, erzählt Koob.
Nicolaj Stollhof von der Bad Dürkheimer Brunnenapotheke hatte am Sonntag Notdienst, berichtet ebenfalls von zahlreichen Magen-Darm-Erkrankungen. Die Atemwegsinfektionen bezeichnet er als „übliche Erkältungswelle“. Ob das schon eine Grippewelle sei, könne er nicht beurteilen, die Tests und Diagnosen führten schließlich die Ärzte durch. Bei den Coronaimpfungen sieht er einen leichten Rückgang im Vergleich zum letzten Jahr.
Impfmüdigkeit versus Covid-19
„Da ist eine gewisse Impfmüdigkeit da“, erklärt der Apotheker. Menschen, die meinen, mit der siebten Coronaimpfung muss es doch nun langsam mal gut sein, entgegnet er: „Gegen Grippe lassen sie sich doch auch jedes Jahr mit dem angepassten Impfstoff immunisieren, da zählt auch niemand die Impfungen.“ Es sei wichtig, sich gegen Covid-19 zu schützen. „Nach derzeitigem Kenntnisstand sollte man das jährlich tun“, betont Stollhof.
Im Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI), der die aktuelle Situation der akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) in Deutschland erfasst, heißt es: „Das ARE-Geschehen wird aktuell durch verschiedene Atemwegsviren bestimmt, wobei Rhino- und Influenzaviren hauptsächlich nachgewiesen werden. Der Beginn der Grippewelle deutet sich an ... Die Zahl der übermittelten Covid-19-Fälle ist weiter gesunken.“
Vom Beginn der Grippewelle könne man stark vereinfacht dann sprechen, wenn in jeder fünften Patientenprobe Influenza A- oder B-Viren nachgewiesen werden. Die jährliche Grippewelle habe in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und drei bis vier Monate gedauert, erklärt das RKI.