Bad Dürkheim Jeder Ton ein Genuss
Der Freinsheimer Von-Busch-Hof war am späten Sonntagnachmittag gut gefüllt. Angesichts der hohen Qualität des Duos Tobias Feldmann (Violine) und Boris Kusnezow (Piano) war es verwunderlich, dass überhaupt noch einige Reihen frei waren. Beide gehören zu den besten Interpreten ihrer Generation. Die renommierten Preise, die Feldmann mit seinen knapp 27 Jahren bereits erhalten hat, sind zu zahlreich, um sie hier aufzuzählen. Dasselbe gilt für den 1985 in Moskau geborenen Pianisten Boris Kusnezow.
Das Programm zeigte die vielen Möglichkeiten, die die Interpreten beherrschen. Von voller Dramatik bis zum zartesten Gefühl geben sie jeder Emotion, jedem Stimmungswechsel ihre musikalische Form. Jeder Ton kam zur Geltung, auch sehr schnelle Passagen wurden nicht verschliffen, das Ohr konnte jedes Detail erlauschen. Boris Kusnezow spielte mit ruhiger, fast statuarischer Körperhaltung, Tobias Feldmann dagegen, der seine Violine stehend bearbeitete, brachte viel optischen Schwung in die Vorstellung. Mozarts Serenade F-Dur KV 377 eröffnete das Konzert mit einem fröhlichen Allegro, das aber schon leicht verdüsterte Anklänge an den folgenden elegischen Moll-Satz enthielt. Feldmann spielte mit Schmelz, aber nie die Grenze zum Kitsch überschreitend, im stürmischen bis zum empfindsamen Zwiegespräch mit dem Piano. Ein starker Kontrast war die folgende Sonate D-Dur Nr.2 von Sergeij Prokofjew. Heftigste Gefühle mit lyrischen Zwischenteilen und plötzlichem Wandel charakterisieren diese Sonate. Von ganz subtil bis rauschhaft rasend vollzieht sich hier ein tiefer Gemütswandel. Wenn man weiß, dass Prokofjew dieses Stück in Zusammenarbeit mit David Oistrach schrieb, wundert man sich nicht über die hohen Anforderungen an die Virtuosität der Musiker. Nach der Pause erklang Maurice Ravels Allegro aus seiner Sonate Nr. 1 a-Moll. Mit perlenden Klavierpassagen und mit sattem, kräftigen aber auch sanftem, breiten Strich Feldmanns, der seit letztem Jahr eine wunderbar klingende neapolitanischen Geige aus dem 18. Jahrhundert spielt, entwickelte sich eine eher träumerische Musik. Ein wunderbar romantisches Stück ist die Sonate für Violine und Klavier von Johannes Brahms. Sachte, zart, liebevoll, geradezu betörend erklingt das Allegro amabile des ersten Satzes. Ruhe einerseits und geradezu hüpfende Lebensfreude andererseits drückt sich im zweiten Satz aus, um im eleganten dritten Satz durch einen heftigen Gefühlsausbruch unterbrochen zu werden. Brahms komponierte dieses Stück in Zeiten einer tiefen Lebenskrise während er am Thuner See Erholung suchte. Das Publikum war so begeistert, dass es gar nicht mehr aufhören wollte zu klatschen. So spielten Feldmann und Kusnezow das Scherzo aus der F.A. E.-Sonate, ein Bravourstück, das eine gemeinsame Komposition von Albert Dietrich, Johannes Brahms und Robert Schumann ist.