Rheinpfalz Sommertour Jüdischer Friedhof: Versteckter Geschichte auf der Spur
Er liegt mitten im Ort – und trotzdem haben viele Wachenheimer ihn noch nie besucht. Ein eisernes Tor trennt den jüdischen Friedhof im Römerweg von der Außenwelt. Zwar könnten sich Interessierte den Schlüssel bei der Tourist-Information abholen, so ganz allein und ohne erklärende Begleitung hatten die meisten Teilnehmer der Sommertour das aber noch nie gewagt. Und so nutzt auch eine direkte Anwohnerin am Dienstag die Gelegenheit, erstmals über den Friedhof zu gehen. Ebenso wie ein Teilnehmer, der als „Feger“ in den 1960er-Jahren mit seinen Spielgefährten oft über die Mauer geklettert war.
Bedrohtes Kleinod
Georg Dumont hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Wachenheimer Friedhof und seine Geschichte bekannter zu machen. Er ist zweiter Vorsitzender des Vereins „Gegen das Vergessen“. Der Förderverein will sich dafür einsetzen, das kulturelle Erbe der ehemaligen jüdischen Gemeinden in Wachenheim und Bad Dürkheim zu erhalten. Anlass für die Vereinsgründung war der Zustand der Trauerhalle auf dem Friedhof. Sie wurde 1895 gebaut und ist ein „Kleinod“, wie Dumont es nennt. Allerdings ein marodes.
Der Halle in Fachwerkbauweise hat die Feuchtigkeit zugesetzt. „Wenn man nichts tut, wird sie irgendwann zusammenfallen“, fasst es Dumont trocken zusammen. Die jüngsten Kostenschätzungen gehen davon aus, dass etwa 239.000 Euro investiert werden müssen, um sie zu sanieren. Ein Kraftakt für den nur 30 Mitglieder starken Verein, der ohne Fördermittel und die Hilfe der Stadt Wachenheim nicht zu stemmen sein wird.
Die NS-Zeit überdauert
Aber der Verein will nicht nur die Halle vor dem Verfall retten, sondern auch einen Teil Wachenheimer Geschichte vor dem Vergessen bewahren. „Wer sich nicht erinnert, der ist verdammt dazu, dass es noch mal passiert“, sagt Dumont, der bis zu seiner Pensionierung Leiter der IGS Deidesheim-Wachenheim war.
Mit Schülern war und ist der ehemalige Lehrer noch regelmäßig hier und immer wieder erlebt er, dass es die Schüler bewegt, wenn sie lernen, was während der NS-Zeit passiert ist. Diese Spuren der Vergangenheit sind auch auf dem Friedhof zu finden. Zwar dominieren die ganz alten Grabsteine das Bild. Im neueren Teil finden sich allerdings nicht nur Inschriften, die an die Verstorbenen erinnern, die hier begraben sind. Sie weisen auf auch auf die hin, die weit weg, in den Lagern in Gurs, Auschwitz und Bergen-Belsen, ermordet wurden.
Etwa an Isaak Simon, der in Gurs starb. Seine Nachkommen aus den USA waren erst im Mai auf Spurensuche in Europa und haben dabei auch den jüdischen Friedhof in Wachenheim besucht. „Es ist nicht ganz klar, warum der Friedhof die Nazi-Zeit überlebt hat“, sagt Dumont. Zwar wurden in Kriegszeiten laut Wachenheim-Chronik 180 Zentner Metall entfernt. Die über 1000 Grabsteine aber sind erhalten geblieben.
Wer wie die Teilnehmer der Sommertour über die Anlage spaziert, der kann jahrhundertealte Steine sehen, den religiösen Regeln gemäß nach Osten ausgerichtet. Der älteste stammt aus den 1520er-Jahren.
Die Bedeutung der Levitenkanne
Schon 1522 wurde der Wachenheimer Friedhof erstmals urkundlich erwähnt, berichtet Dumont. Als Verbandsfriedhof hatte er eine überörtliche Bedeutung und wurde in seiner Geschichte zweimal erweitert. So entstand das „komische L“, wie Dumont die Form des Friedhofs beschreibt.
Er erklärt auch die Symbole auf den Grabsteinen. So steht die Levitenkanne, die sich gleich mehrfach findet, für eine levitische Herkunft des Verstorbenen. Auch lernen die Teilnehmer, dass auf jüdischen Friedhöfen zunächst alle Grabsteine ähnlich aussahen, weil im Tod alle Menschen gleich sind. Auf einem neueren Teil des Friedhofs gibt es aber auch größere Grabmäler für Menschen, die im Leben gehobene Positionen inne hatten. Ein Zeichen, dass sich die Juden den Gebräuchen der Christen angepasst hätten, wie Dumont erklärt.
Wer so geschult über den Friedhof streift, sieht ihn gleich mit anderen Augen. Einem der Ziele seines Vereins ist Georg Dumont damit ein Stück näher gekommen: Die Geschichte eines Ortes in Erinnerung zu halten, der zwar mitten in der Stadt liegt, aber dennoch von vielen noch nicht entdeckt worden ist.
Der Verein
Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.gdvev.de.
Die nächste Sommertour
Die Anmeldung für die RHEINPFALZ-Sommertour mit dem Drachenfels-Club zu vier Dürkheimer Denkmälern am Samstagmorgen, 5. August bitte per E-Mail an
sommertour_duw@rheinpfalz.de. Oder man wirft eine Postkarte in den Briefkasten der Lokalredaktion in der Mannheimer Straße 10. Wir berücksichtigen Anmeldungen nur, wenn eine Rufnummer angegeben ist!Anmeldeschluss ist am Mittwoch, 2. August, 10 Uhr. Wir losen bis zu 20 Teilnehmer aus. Wir bitten um Verständnis, dass wir nur die Teilnehmer selbst informieren können.Die Teilnahme ist kostenfrei. Die Teilnahme erfolgt stets auf eigenes Risiko.
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