Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview mit scheidendem VR-Bank-Vorstand: Was halten Sie von Heavy Metal, Thomas Schutt?

Thomas Schutt würde gerne innovative Unternehmen in die Region holen.
Thomas Schutt würde gerne innovative Unternehmen in die Region holen.

Über 38 Jahre war Thomas Schutt Vorstand der VR Bank Mittelhaardt. Vor seinem Ruhestand spricht er mit Alexander Sperk über die wirtschaftliche Lage in der Region und die Unterstützung der VR Bank für Musikfestivals härterer Gangart.

Herr Schutt, wie war Ihr Jahr?
Abwechslungsreich. Großes Thema war für mich die Einarbeitung meines Nachfolgers Stefan Langer. Dann gab es auch weitere personelle Veränderungen neben dem normalen Tagesgeschäft. Hinzu kam die komplette Umgestaltung unserer Niederlassung in Deidesheim.

Andere Banken oder auch die Post haben sich ja aus vielen Orten zurückgezogen. Die VR Bank Mittelhaardt hat dagegen unter Ihrer Führung ihre Niederlassungen umgebaut. Ist das zukunftsfähig?
Im Moment würde ich sagen, ja. So, wie es jetzt vorgesehen ist, bauen wir 2025 in Wachenheim und 2026 in Bad Dürkheim um. Dann ist das ganze Thema abgeschlossen. Die Zeiträume, die wir für strategische Entscheidungen betrachtet haben, waren bislang immer fünf Jahre. Aber auch eine regionale Bank wird sich von überregionalen Einflüssen nie ganz verabschieden können. Da müssen wir bloß den Blick gen Ludwigshafen richten. Die BASF ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch Auftraggeber für unseren Mittelstand.

Also befürchten Sie, dass der Arbeitsplatzabbau bei der BASF Folgen für unsere Region hat.
Ja, mit Sicherheit. Das geht alles nicht einfach so an uns vorbei. Auch in der Weinwirtschaft wird sich einiges verändern durch den Preisrückgang und dadurch, dass einfach weniger getrunken wird. Das Thema alkoholfreie Weine fängt jetzt erst an, sich zu entwickeln. Alkoholfreie Biere sind heute gar nicht mehr aus dem Markt wegzudenken, aber das braucht Zeit, sich zu entwickeln.

Fällt es Ihnen in einer solchen Situation nicht besonders schwer, aufzuhören?
Meine Tätigkeit bei der VR Bank werde ich zum Jahresende beenden. Aber ich werde nicht die Hände in den Schoß legen, sondern will versuchen, attraktive, bisher nicht am Markt in unserer Region tätige Unternehmen zu gewinnen, hierherzukommen – gerne zusammen mit der Kommunalpolitik, wenn das gewünscht ist. Als Privatier habe ich ja dann andere Möglichkeiten, vor allem Zeit (lacht). Es gibt viel Positives bei uns, zum Beispiel die Innovationskraft unserer regionalen Unternehmen. Bei vielen Firmen hat ein erfolgreicher Generationswechsel stattgefunden, im Weinbau haben sich gut ausgebildete Leute entschieden, den Beruf des Winzers zu ergreifen. Dazu entsteht mit der Therme in Bad Dürkheim attraktive Infrastruktur.

Also sollte die Region noch stärker auf den Tourismus setzen?
Er ist mit Sicherheit eine Säule, die zukunftsfähig zu entwickeln ist. Es hängt in dem Bereich aber immer davon ab, ob die Leute, die Urlaub machen, auch in der Zukunft noch das Geld haben werden, hier vor Ort ihre Ferien zu verbringen. Dann braucht es auch die passende Infrastruktur. Das fängt beispielsweise mit lebendigen Innenstädten an. Aber auch das Thema Start-ups würde ich nicht ausblenden. Man muss sich immer mit neuen Themen beschäftigen und die Gewerbegebiete entsprechend entwickeln.

Für die Menschen, die hier leben, ist bezahlbarer Wohnraum ein großes Thema – teilweise waren die Preise am Immobilienmarkt in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert.
Der Wohnungsmarkt wird zu einem Problem in unserer Gesellschaft führen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, sonst könnte es knallen. Hier wurde einfach zu viel an der Realität vorbei entschieden, etwa bei Förderprogrammen oder Regularien. Ich glaube, beim privaten Wohnungsbau gibt es etwa 3000 Normen, die Bauherren zu beachten haben. Das ist einfach zu viel und treibt die Kosten unnötig in die Höhe.

Sie haben ja auch viele Krisen mitgemacht jetzt in den letzten 40 Jahren. Haben Sie mal irgendwann das Gefühl gehabt, das wird wirklich schwierig, diese Krise zu meistern?
Die Finanzmarktkrise 2008 und 2009 war schon herausfordernd. Und ich glaube, dass damals die Ansprache von Peer Steinbrück und Angela Merkel, in der sie betont haben, dass die Einlagen sicher sind auf der Bank, der gesamten Bankenwelt sehr geholfen hat. Damals bestand schon irgendwo die Gefahr, dass ein Flächenbrand entsteht, dass die Leute ihr Geld nach Hause holen, weil sie Angst hatten, dass Bankensystem ist nicht sicher genug ist. Seitdem sind die Anforderungen etwa an die Liquiditätshaltung verschärft worden, sodass ich das System schon für sicher halte.

Haben sich die Kunden verändert?
Ja, die Kunden haben sich verändert. Als ich 1983 zur Bank gekommen bin, da hatten Sie den Sparbrief mit 8,5 Prozent Zinsen. Da hatten es die Leute relativ einfach gehabt mit ihrer Kapitalanlage. Aktien und Fonds standen damals gar nicht so sehr im Fokus. Für den Vermögensaufbau, und auch das „Butter- und Brotgeschäft“ einer Genossenschaftsbank war das ausreichend. Das hat sich komplett verändert. Wie übrigens auch unser Berufsbild.

Erzählen Sie.
Ich würde es unter die Überschrift stellen: vom Lochkartengerät zur Digitalisierung.

Würden Sie sich wieder für den Beruf bei einer Bank entscheiden?
Ja, unbedingt. Der Wandel, vor dem wir stehen, bringt auch viele Chancen, mitzugestalten.

Auch die Bankenlandschaft hat sich in den letzten 40 Jahren stark verändert. Die VR Bank ist selbst aus zwei Fusionen hervorgegangen, trotzdem aber ein vergleichsweise kleines Institut. Hat sie als solches eine Zukunft?
Es ist wie in jeder Branche: Man kann auch als „Manufaktur“ die Zukunft gestalten und bestehen. So, wie ich unser Haus aufgestellt sehe, gerade nach den letzten elf Monaten, sehe ich da keine Schwierigkeiten. Es kommt weniger auf die Größe als auf die Beziehung einer Bank zu den Kunden an. Wenn Sie Beraterinnen und Berater haben, die ein gutes Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden aufgebaut haben, ist das die beste Garantie für die Zukunft. Ob das den nachfolgenden Generationen noch so wichtig ist, dazu kann ich im Moment keine Aussage treffen.

Was ist der wichtigste Ratschlag, den Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg gegeben haben?
Die Grundbotschaft war, das Ohr am Markt zu haben und die Kundenbeziehungen zu hegen und zu pflegen in allen Bereichen. Ganz wichtig auch: Die VR Bank Mittelhaardt hat einen Vorstand zum Anfassen.

Ein Vorstand zum Anfassen waren ja auch Sie. Sie haben viele soziale Projekte unterstützt und 14 Stiftungen auf den Weg gebracht. Auch zwei Metal-Festivals – Rock im Wingert und Fallen Fortress – unterstützt die VR Bank. Sie waren regelmäßig vor Ort. Mögen Sie die Musik?
Unsere Unterstützung der Festivals geht weit zurück zu den Anfängen der lokalen Agenda. Da war die Frage: Was wünscht sich die Jugend? Da waren die Festivals dabei. Ich muss sagen, manche Gruppen können mich schon begeistern. Aber wenn’s natürlich zu arg wird, zieh’ ich mich dann schon entsprechend zurück.

Was haben Sie sich denn vorgenommen für das kommende Jahr?
Das erste viertel Jahr habe ich mir bewusst nichts vorgenommen. Ich werde mit meiner Frau Yoga in Deidesheim machen, dort unterrichtet meine Schwägerin an einer Yogaschule. Dann werde ich mich auch wieder mehr sportlich betätigen, ich bin ja ein alter Leichtathlet. Wie eingangs erwähnt, will ich auch mit den politischen Verantwortlichen ins Gespräch gehen, was die Wirtschaftsförderung in Branchen, die hier nicht so präsent sind, betrifft.

Zur Person

Thomas Schutt, Jahrgang 1959, wechselte 1983 zur Raiffeisenbank Wachenheim und stieg dort 1986 in den Vorstand auf. Aus zwei Fusionen entstand schließlich die VR Bank Mittelhaardt, der er seit 2009 als Vorstandssprecher vorstand. Schutt ist sozial und ehrenamtlich sehr engagiert, unter anderem als Gründungsmitglied des Bad Dürkheimer Kirchenbauvereins oder im Wachenheimer Gewerbeverein.

x