Bad Dürkheim Integration im Schachverein
Madina und Ahad Huseynov kommen aus Aserbaidschan. Seit drei Monaten leben sie mit ihren Eltern in Deutschland, vor zwei Monaten kamen sie nach Wachenheim. Unser Gespräch können wir überraschenderweise auf Deutsch führen. Die beiden waren schon ein paar Mal in Deutschland. Ihr Vater hatte sie bei einigen seiner geschäftlichen Reisen mitgenommen. Das hatte ihr Interesse für die Sprache geweckt, und sie belegten in der Hauptstadt Baku Deutschkurse. Ihre Mutter lehrte an der medizinischen Hochschule, ihr Vater ist studierter Historiker. Da aber die Einkommen der akademischen Berufe in Aserbaidschan sehr niedrig sind, verdiente er seinen Lebensunterhalt mit dem Import von Autos. Bis er sich mit den Falschen anlegte... Als er versuchte, finanzielle Forderungen gegen den in seiner Stadt herrschenden Clan gerichtlich durchzusetzen, machten ihm die Behörden inklusive des Polizeiapparats das Leben schwer. So schwer, dass er schließlich alles aufgab, und sich und seine Familie nach Deutschland in Sicherheit brachte. Die Huseynovs sind begeistert von der Hilfsbereitschaft, die ihnen bisher überall entgegen gebracht wurde. Die 14-jährige Madina und ihr ein Jahr älterer Bruder besuchen schon seit einigen Wochen eine neunte Klasse im Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasium. Während Mathe oder Physik ihnen keine Schwierigkeiten bereiten, tun sie sich mit dem Fach Musik schwer: In Aserbaidschan hatten sie keinen Musikunterricht und müssen nun erst einmal die Noten lernen. Während Madina schon jetzt weiß, dass sie Medizin studieren möchte, ist sich Ahad noch nicht sicher, welche Richtung er einmal einschlagen möchte. Noch gilt seine Leidenschaft dem Schach. Nachdem er Anfang November bereits mit Erfolg an einem Turnier in Schwegenheim teilgenommen hat, spielen er und seine Schwester für den Schachclub Bad Dürkheim-Wachenheim. Ahad trainiert zusätzlich mit den Deidesheimer Schachspielern. So haben die Geschwister leicht Anschluss gefunden. Für ihre Eltern heißt es derweil erst einmal warten. Demnächst geht ihr Deutschkurs los, der Termin ihrer Asylanhörung ist allerdings erst im Juni nächsten Jahres. (awg) Zur Serie Advent heißt Ankunft. Deshalb widmen wir unseren RHEINPFALZ-Adventskalender in diesem Jahr Menschen, die in den vergangenen Wochen und Monaten bei uns angekommen sind. Damit möchten wir den allgemeinen Begriffen Flüchtlinge oder Asylbewerber ein Gesicht, oder besser: viele konkrete Gesichter geben.