Bad Dürkheim In Glas gegossene Frühstücksbotschaften

Manchmal bedarf es einer langen Freundschaft, um eine herausragende Künstlerin in die Provinz zu locken. Dem Kulturverein Wachenheim ist es gelungen, Professor Ingrid Conrad-Lindig für eine Ausstellung ihrer Installationen und Materialbilder in der Wachenheimer Ludwigskapelle zu gewinnen.
Wohltuende Weite und Stille verbreitet die Ausstellung. Der Blick fällt zunächst auf die raumgreifende Installation „My Way“: Auf dem Boden liegt ein Fluss aus Steinen, geschaffen aus Glas, keiner gleicht dem anderen – einfarbig, matt, transparent, groß, klein, so unterschiedlich wie sonst auch in der Natur zu finden. Doch sie sind alle das Werk von Ingrid Conrad-Lindig. „Für mich sind diese Steine aus Glas Gleichnisse, Sinnbilder für mein Leben“, sagt sie. Am Stein fasziniert sie die schlichte Form. Durch das Material Glas erhalten sie eine scheinbare Leichtigkeit. Sie sind das Ergebnis eines mehrschichtigen Vorgangs von Schmelzen und Erstarren. Bei der Installation „Rheingold“ aus 77 unregelmäßig geformten Steinen ist der Werkstoff Glas unter einer Vergoldung verborgen und vermittelt den Eindruck, der Fluss selber habe jenen sagenhaften Schatz hervorgebracht, der in der Apsis der Kapelle im Sonnenlicht so verführerisch glänzt. Die Inspiration dazu kam der Künstlerin bei Spaziergängen entlang des Rheins. 25 ovale klare Meilensteine bilden die Installation „Wasser“, die den Betrachter in ihrer Schlichtheit zur Meditation einlädt. Neugierig macht dagegen die „Frühstückspost“. Bei dieser Installation sind 86 quaderförmige „Meilensteine“ auf einem Podest aufgereiht. Einige davon sind handelsübliche Pflastersteine aus Granit, die meisten aber sind aus Glas. In ihnen stecken locker gerollte Papier-Briefchen. „Diese Zettelchen hat mir mein Mann auf den Frühstückstisch gelegt. Ich habe sie über 25 Jahre gesammelt und sie wie bei einer Flaschenpost in die mundgeblasenen transparenten Glaskuben gesteckt“, erklärt die Professorin. Auf einem Podest liegen drei „Meilensteine-Fotos“ aus klar überfangenem Glas, frei geformt, emailbedruckt und anschließend eingebrannt. Eine Variation, deren technische Ausführung sich auch bei ihren neuesten Werken, den Materialbildern, wiederfindet. Sie sind auf großen Platten montiert und haben der Ausstellung ihren Namen gegeben. Auch hier hat die Künstlerin Schwarz-weiß-Fotos eingearbeitet. Auf Bitten der Veranstalter zeigt Ingrid Conrad-Lindig auch Stücke aus ihrer Serie „Seitensprung“: Objekte in einer Kombination aus farbigem und klaren Glas, zwischengekühlt, geätzt, emailbemalt, wiedererhitzt und dreifach mit klarem Glas überfangen. Sie sind mundgeblasen, freigeformt, geschnitten, geschliffen und poliert. In der gleichen Technik sind „Bilder in Glas“ entstanden, jedoch an zwei Pfeifen freigeformt. Puristischer in der Ausführung sind die transparenten Glassäulen. Bis 2011 war Ingrid Conrad-Lindig als Professorin am Lehrstuhl für Heißglasgestaltung des Instituts für Künstlerische Keramik und Glas der Fachhochschule Koblenz in Höhr-Grenzhausen tätig und vermittelte den Studenten konzeptionelles, künstlerisches Arbeiten mit Glas. In Anerkennung ihrer Leistungen besonders beim Aufbau des Studiengangs erhielt sie dafür die Verdienstmedaille des Landes Rheinland-Pfalz. Es war nur eine von den vielen erfolgreichen Stationen ihrer Karriere als freischaffende Glasgestalterin mit Ausstellungen im In- und Ausland. Ihre Werke sind in öffentlichen Sammlungen und renommierten Museen zu finden. Sie lebt und arbeitet in Ingelheim, wo sie eine eigene Glaswerkstatt unterhält.