Bad Dürkheim
Immobilien-Experte mit Gastro-Gen
Ob Falk-Joachim Seidel durch seine Wahlheimat Frankenthal, durch Bad Dürkheim, wo die Unternehmen seiner Firmengruppe seit Kurzem ihren Sitz haben, oder durch Dörfer an der Weinstraße schlendert: Seine professionelle Perspektive auf das, was er da sieht, kann er nicht ablegen. Und dann kommen die Ideen, wie manche Immobilie zu entwickeln wäre – wenn jemand Zeit und das nötige Geld reinsteckt. Der 64-Jährige ist überzeugt: Der Mehrwert für eine Stadt oder Gemeinde ist bei solchen Projekten oft größer als beim x-ten Neubaugebiet.
Auch Freinsheim hat der Unternehmer im Blick
Nimmt Seidels Immobilienagentur Home-Consulting & Partners ein Objekt ins Visier, um es selbst zu kaufen und zu entwickeln oder an einen Kunden zu vermitteln, sucht sie gerade in kleineren Gemeinden erst den Kontakt zu den Entscheidern, um über mögliche Lösungen zu sprechen. Wie im Fall eines Freinsheimer Zwei-Parteien-Hauses, in dem sich früher eine Bäckerei befand und das künftig acht Parteien beheimaten wird.
Oder in Mußbach, wo in Abstimmung mit dem Denkmalschutz ein früherer Winzerhof für Wohnzwecke umgebaut wurde. „Die Kelter vermittelt jetzt ein Wohngefühl ähnlich wie in einem Bungalow“, sagt Seidel. Er hält sein Konzept nicht nur entlang der Weinstraße für erfolgversprechend. Es sei im Prinzip auch übertragbar auf die Situation in vielen Innenstädten. In Frankenthal zum Beispiel beobachtet er eine Zunahme der Leerstände in Ladenlokalen („Man kann zusehen, wie die Geschäfte zumachen.“) – verknüpft mit einem Trend zu Handyläden und Ein-Euro-Shops. Auch die Dauerbaustelle an einem Gebäude an der Nordseite des Rathausplatzes stehe für dieses Problem. „Viele Eigentümer wohnen weit weg, ihnen fehlt der Bezug zu Stadt und Region“, sagt Seidel.
Hier vorausschauend zu planen und zu denken, sei nicht zuletzt Aufgabe der Politik, findet er. Der Wandel allgemein in der Arbeitswelt und speziell in bestimmten Branchen führe dazu, dass weniger Büroflächen benötigt werden. Stichwort: Home-Office. „Man muss direkt auf die Firmen zugehen“, sagt Seidel. Warum solle aus einem ebenerdig erreichbaren Geschäft nicht eine barrierefreie Seniorenwohnung werden?
Ist Seidel in der Pfalz unterwegs, hält er in erster Linie Ausschau nach Objekten, die den Geschmack seiner Kunden treffen könnten. Die Zielgruppe beschreibt er so: Menschen, die über ein gewisses Kapital verfügen und Spaß an Investitionen in Immobilien haben. Dazu zählen beispielsweise Profisportler wie die Eishockey-Profis Denis Reul und Frank Mauer. Tatsächlich ist Seidel bei der Suche nach einem neuen Domizil für sich auf ein Anwesen gestoßen, das ihn geschäftlich auf ein völlig anderes Gleis bringen sollte. Anfang 2022 war das, als er an der Südlichen Weinstraße auf den Rhodter Adler stieß – ein Hotel mit elf Zimmern, nur sporadisch geöffnetem Restaurantbetrieb, aber langer Tradition im idyllischen Rhodt unter Rietburg. „Ich hatte ein, zwei Fotos gesehen. Für mich war klar: Zum Wohnen ist das nichts, aber das Ganze hat Potenzial“, so Seidel.
Und so stürzte sich der Immobilienmann in das Abenteuer Gastronomie – der Rhodter Adler wurde innerhalb eines Vierteljahrs auf Vordermann gebracht. Ein Vorteil dabei: Seine für Handwerkerdienstleistungen gegründete Firma Home-Concept & Design. „Dadurch hatten wir immer Zugriff auf Spezialisten“, sagt er. Zwei weitere Glücksfälle: Stieftochter Lisa Soltmann übernahm die Leitung, als Chefkoch heuerte Sascha Schröder an. „Die größte Herausforderung war, Personal zu finden. Ich denke aber, wir haben ein inzwischen gut eingespieltes Team zusammengestellt“, sagt Seidel. Seit April 2022 ist der Adler wieder geöffnet und auch wieder Ausbildungsbetrieb.
Greifbar wird die Begeisterung Seidels für sein Gastro-Projekt, wenn er über seine Pläne dort spricht: Ende Februar ist der zum Ensemble gehörende historische Ballsaal bereit für seinen ersten großen Auftritt bei der Kür der Rhodter Weinprinzessin. Dann wird Seidel, der vor zwei Jahrzehnten der Liebe wegen aus dem Raum Köln/Siegerland in die Pfalz kam, inklusive Kauf, rund zwei Millionen Euro in den Adler gesteckt haben.