Bad Dürkheim Hospiz: Auch ein Ort des Lebens und des Lachens

Wächst und gedeiht: der Olivenbaum im Lichthof des Dürkheimer Hospizes.
Wächst und gedeiht: der Olivenbaum im Lichthof des Dürkheimer Hospizes.

Vor einem Jahr sind die ersten Gäste ins Dürkheimer Hospiz eingezogen. Die vergangenen Monate wurden auch dort von der Pandemie geprägt. Obwohl es kein Besuchsverbot wie in Krankenhäusern oder Seniorenheim gab, so haben die Corona-Beschränkungen doch Spuren hinterlassen.

„Wir hatten hier Ruckzuck Leben. Aber als Corona kam, wurde es schlagartig still.“ Wenn Ulrike Grüner über das erste Jahr des Dürkheimer Hospizes spricht, dann kommt sie an der Pandemie nicht vorbei. Doch anders als in Krankenhäusern oder Seniorenheimen gab es im Hospiz niemals ein Besuchsverbot. „Sterbende waren davon ausgenommen. Und mit einem Besuchsverbot hätten wir unserem Auftrag auch nicht gerecht werden können“, erklärt die Leiterin des Dürkheimer Hospizes.

Den Menschen in ihren letzten Tagen Lebensqualität zu geben, dafür arbeitet Grüner mit ihrem 20-köpfigen Team. Da war zum Beispiel der Gast, dem der nahe Wurstmarkt 2019 Lust auf Waffeln und Riesling gemacht hatte und der prompt versorgt wurde. Oder der Naturliebhaber, der mit seinem Bett auf eigenen Wunsch auf die Terrasse geschoben wurde, dort mehrere Nächte verbrachte und schließlich unter freiem Himmel verstarb. „Es ist toll, dass wir ihm das ermöglichen konnten“, erinnert sich Grüner. „Natürlich hängt es davon ab, wie es den Gästen geht. Aber unser Hospiz ist auch ein Ort des Lebens und Lachens“, betont die Leiterin.

Die geselligen Momente kehren zurück

Doch die Pandemie hat das soziale Leben im Sterbehaus zwischenzeitlich zum Stillstand gebracht. Zum Beispiel wurde das tägliche Kaffeekränzchen im Aufenthaltsraum durch die Beschränkungen unmöglich. Erst mit den Lockerungen der Coronabeschränkungen Ende Juni kehrten die geselligen Momente langsam zurück. Im Grunde, sagt Grüner, seien die Beschränkungen unvereinbar mit dem Hospizgedanken. Den Dürkheimern ging es dabei noch besser als vielen anderen Sterbehäusern. „Ohne die großzügige Bauweise hätten wir zum Beispiel die Abstandsregeln nicht einhalten können“, sagt Grüner.

Da jedes Zimmer der neun Gäste eine eigene Terrasse hat, seien Besucher über den Garten direkt in die Zimmer der Gäste geleitet worden. Dennoch sei der Lockdown eine schwierige Zeit gewesen – auch wegen der Besuchsverbote in Krankenhäusern. Mehrmals hätten sich Angehörige von Menschen bei ihr gemeldet, denen Besuche im Krankenhaus verweigert worden waren, obwohl ihre Liebsten im Sterben lagen. „Die Menschen haben mich dann gefragt: Können Sie meinen Angehörigen nicht übernehmen?“, erzählt Grüner. In ein oder zwei Fällen sei ihr das gelungen – oftmals aber hätten medizinische Gründe gegen eine Verlegung gesprochen.

Die neun Plätze, die das stationäre Hospiz in der Kurstadt bietet, sind ständig belegt. Sie führe eine Warte- und eine „Dringend“-Liste, sagt Grüner. „Ich bin immer am schauen: Wo brennt es am meisten?“, berichtet die Hospizleiterin. Sie stehe auch in engem Kontakt mit den Hospizen in Landau und Speyer, die mit den Speyerer Diakonissen denselben Träger haben. Allerdings könne sie nicht jedem Wunsch nach einem Platz nachkommen. Angehörigen abzusagen, sei „emotional schwierig“, bekennt die Hospizleiterin.

„Große Wertschätzung“

Grüner hebt die gute Vernetzung zwischen Palliativstation am Krankenhaus, dem Stützpunkt Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) sowie dem Ambulanten Hospizdienst der Christlichen Sozialstation hervor. „Das ist in Bad Dürkheim schon etwas Besonderes“, sagt Grüner.

Etwas Besonderes ist auch das Engagement der Bürger für das Hospiz. Allein 600.000 Euro Spenden sammelte der Omega Freundes- und Förderkreis für den Bau. „Wir merken nach wie vor eine große Wertschätzung“, sagt der Omega-Vorsitzende Johannes Steiniger. Das reiche über die Grenzen Dürkheims hinaus. So gab es 2019 erneut eine Spendenaktion auf dem Erpolzheimer Martinsmarkt zugunsten des Hospizes, bei der 2500 Euro zusammen kamen. 8000 Euro für das Hospiz brachte die Aktion der Dürkheimer Brunnen Apotheke ein, bei der Freiwillige Alltagsmasken nähten, die gegen eine Spende abgegeben wurden. „Es kommt auch ganz oft vor, dass sich Menschen zu einem runden Geburtstag statt eines Geschenks eine Spende fürs Hospiz wünschen, obwohl sie gar nichts mit uns zu tun haben“, berichtet Grüner.

Blues-Stücke auf dem Klavier

Den Hospizgedanken weiter verbreiten – darin sieht der CDU-Bundestagsabgeordnete Steiniger eine Aufgabe des Omega Freundes- und Förderkreises. Ein weiteres Anliegen des Förderkreises: das Hospiz bei zusätzlichen Wünschen unterstützen. Wie etwa bei dem Klavier, das seit Februar im Aufenthaltsraum steht. „Das war der Wunsch der Musiktherapeutin“, erzählt Steiniger. Die Kosten für das gebrauchte Instrument hat Omega übernommen. Jetzt wird es rege genutzt – von der Therapeutin, von Ehrenamtlichen oder auch von Angehörigen. Gerne erinnert sich Grüner etwa an einen Besucher, der Blues-Stücke auf dem Piano spielte – und damit für zahlreiche schöne Momente sorgte.

Hospizleiterin Ulrike Grüner und Omega-Vorsitzender Johannes Steiniger im Raum der Stille.
Hospizleiterin Ulrike Grüner und Omega-Vorsitzender Johannes Steiniger im Raum der Stille.
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