Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Herxheim: Wie geht es mit der Ortsumfahrt weiter?

Die Pläne für eine Brücke südwestlich von Herxheim orientieren sich an der Eckbachtalbrücke.
Die Pläne für eine Brücke südwestlich von Herxheim orientieren sich an der Eckbachtalbrücke. Fotomontage: LBM

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Worms hat zu einer Infoveranstaltung ins Herxheimer Dorfgemeinschaftshaus eingeladen. Es ging um die geplante Ortsumgehung. Rund 150 Zuhörer kamen – nicht alle waren mit den Planern einer Meinung.

Um kurz nach halb neun abends war die Veranstaltung am Montag zu Ende. „Ich denke, es wurde sehr sachlich diskutiert, das hat mich gefreut“, befand Bernhard Knopp, Leiter des LBM Worms, nach fast zweieinhalb Stunden. Er und drei seiner Mitarbeiter stellten in einer Power-Point-Präsentation einen sogenannten Faktencheck vor. Dabei gingen die LBM-Akteure auf die Historie der Ortsumgehung Herxheim/B 271 neu ein, erklärten den derzeitigen Stands des Projektes sowie die technische Planungen, gingen auf die neue Verkehrs-, Klima- und Umweltuntersuchungen zum Projekt ein und gaben einen Ausblick auf das geplante zukünftige Vorgehen. Der Vortrag ging rund 50 Minuten. Danach standen Knopp und Co. den Zuschauern, unter denen auch Bürger anderer Gemeinden waren, noch geduldig Frage und Antwort. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) moderierte die Veranstaltung.

Westlich an Herxheim vorbei

soll die Trasse führen

„Begonnen hat ja alles mit der Einleitung des Raumordnungsverfahren für den Gesamtabschnitt der B 271 neu zwischen Neustadt und Grünstadt“, holte Sandra Bonaventura, die stellvertretende Leiterin des LBM, zu Beginn ihres Vortrags erst einmal weit aus. Fakt ist: 1999 ist der Abschnitt zwischen Neustadt und Bad Dürkheim beendet worden. Fünf Jahre zuvor war ein neues Raumordnungsverfahren für die Strecke Bad Dürkheim bis Grünstadt abgeschlossen worden, mit dem Ergebnis, dass die Trasse Herxheim westlich umfahren solle. 1999 schlug eine Bürgerinitiative Pro-Ost eine modifizierte Ostvariante, also eine östliche Umfahrung der Gemeinde vor. 2001 bestätigten allerdings die Obere Landesplanungsbehörde (SGD-Süd in Neustadt) und das Innenministerium die Westvariante. 2010 gab es noch einmal eine vergleichende Untersuchung beider Varianten. Die Entscheidung fiel dabei erneut für die westliche Umfahrung von Herxheim: Die Ostvariante bedeutete größere Beeinträchtigungen (mehr benötige Fläche durch längere Trassenführung, stärkere Eingriffe in der Biolandschaft, größere Reliefenergie wegen Höhenunterschieden), wäre teurer gewesen und würde die Ortsdurchfahrt vom Verkehr weniger gut entlasten, rekapitulierte die LBM-Vertreterin die Argumente. Bonaventura erläuterte, dass das komplette Projekt, die B 271 neu von Bad Dürkheim bis Grünstadt, in drei Teil- beziehungsweise Planungsabschnitte aufgeteilt worden sei. Der nördliche Teil, die Ortsumgehung Kirchheim, ist seit dem 7. November 2018 auf einer Länge von 3,4 Kilometer schon freigegeben. Beim südlichen 4,9 Kilometer langen Bauabschnitt von Bad Dürkheim bis zum Süden Herxheims sei man im Vergleich zum 3,1 Kilometer langen mittleren Teil (Umgehung Herxheim) in den Planungen derzeit schon weiter. Laut Bonaventura sei der Süden der Mitte um etwa zwei Jahre voraus.

Wie sehen die Planungen für die Umgehung Herxheim aus?

Südwestlich des Orts soll laut LBM eine Talbrücke gebaut werden. Diese sei rund 210 Meter lang und zwischen 4,70 Meter und 8 Meter hoch. Westlich würde dann eine Anschlussstelle mit Ausfahrt in den Ort und zur L 522 Richtung Weisenheim am Berg mit einer sogenannten „holländischen Rampe“ entstehen. Die Planer lehnen sich bei der Brückenkonstruktion an die bereits bestehende Eckbachtalbrücke an, die im Zuge des Ortsumgehung von Kirchheim gebaut wurde. In Richtung Dackenheim würde die B 271 neu dann für einige Kilometer parallel zur Herxheimer Ortsausfahrt führen. Auf Nachfrage aus dem Plenum erklärte Bonaventura, dass für die Umfahrung in Kirchheim 18,4 Hektar Fläche benötigt worden sei. Hinzukommen würden zehn Hektar Ausgleichsfläche. Einige Winzer im Plenum zeigten sich davon nicht begeistert. „Man wird sich hinsetzen und ein Konzept beraten müssen“, betonte Bernhard Knopp zur Frage, wie ein Ausgleich mit den Winzern funktionieren solle. In Sachen Klima, Umwelt und Naturschutz seien einjährige Bestandskartierungen zu Vögeln und Reptilien, die in dem Gebiet leben, abgeschlossen worden. Momentan laufen hydrologische Erhebungen zur Erfassung von Schicht- und Grundwasser. Ein Klimagutachten ist beauftragt. Es wird bearbeitet, wenn die technische Planung gemacht sei. Auf den Folien war klar erkennbar, dass der Bau der Trasse im östlichen Teil des Naturschutzgebiets Felsenberg-Berntal vonstatten gehen würde. Die Karsthöhle soll dabei erhalten bleiben, so die Planer. Die westliche Umfahrung würde an dem Naturdenkmal vorbeigehen. Bei diesem Punkt hatte Eric Hass, der Zweite Vorsitzende des Bündnisses lebenswerte Weinstraße (BlW), seine Zweifel. Er machte aus dem Plenum heraus klar, dass das BlW das Brückenbauwerk an dieser Stelle problematisch sieht, da die Konstruktion „auf tektonischen Verwerfungen“ stehe. Als Beweis führte er Untersuchungen des Geologen Guido Stahmer an. Das Bündnis würde deshalb eine Ost-Variante bevorzugen. Die LBM-Vertreter gingen dann auf die Verkehrsprognosen ein. Die durchschnittliche Verkehrsbelastung liege in Rheinland-Pfalz bei Bundesstraßen bei 8.950 Fahrzeugen pro Tag. 2030 würden bei aktuellem Status Quo 9900 Kraftfahrzeuge durch Herxheim fahren, so die Schätzungen der Verkehrsuntersuchung 2018.

Kolossaler Anstieg des Verkehrsaufkommen

Bei einer realisierten Ortsumgehung würden 9100 Fahrzeuge weniger durch den Ort fahren. Allerdings: Wäre der südliche Abschnitt mit Ortsumgehung Kallstadt-Ungstein realisiert, würden 2030 13.000 Fahrzeuge die Straße durch den Ort nehmen. Das würde einen kolossalen Anstieg des Verkehrsaufkommens durch den Ort bedeuten. Das löste bei einigen Besuchern Unmut aus. Gefragt wurde deshalb, warum man nicht eine Westumgehung Freinsheims als Alternative ins Auge fasse. Doch Bernhard Knopp machte klar, dass eine solche Trasse derzeit kein Thema sei, weil das Land momentan 17 Verkehrsprojekte mit Priorität eingestuft habe, eine Freinsheim-West-Trasse da aber nicht dabei sei.

Umgehung könnte erst nach 2030 realisiert werden

Der LBM machte klar, dass es das Ziel sei, für die Ortsumgehung Herxheim die technische Planung Anfang 2020 vorzulegen. Dann würde es im nächsten Jahr zur Abstimmung der Planung mit Gemeinde, Landwirtschaftskammer und örtliche Bauern- und Winzerschaft kommen. Für die zweite Jahreshälfte 2020 sowie für Anfang 2021 sei dann die Vorlage der landschaftspflegerischen Begleitplanung und Ergebnisse weiterer Klima- und Umweltgutachten angedacht. Laut LBM soll das Planungspaket zur Genehmigung an das Landesministerium 2021 vorliegen. Ein Planstellungsverfahren würde dann frühestens 2022/2023 beantragt. Der LBM wies daraufhin, dass mit der Realisierung der Ortsdurchfahrt dann noch einmal sieben bis zehn Jahre später zu rechnen sei. Bonaventura erklärte dem Plenum: „Das Ziel ist es aber, den Mittelabschnitt so schnell wie möglich zu realisieren. Das liegt auch an Ihnen hier in Herxheim.“ Einige Zuhörer merkten an, dass in Herxheim immer noch die Straße Richtung Freinsheim stark befahren sei. Ein Besucher erklärte, dass ständig Lastwagen an sein Haus in der Hauptstraße führen und beschwerte sich über die Schäden. Bonaventura merkte an, dass der Lkw-Verkehr durch Herxheim im Vergleich zu anderen Orten doch eher minimal sei. „Natürlich ist das tragisch in Ihrem Fall, dass die Lkw Schäden verursachen“, sagte Knopp , betonte aber, dass Lkw in der heutigen Infrastruktur einfach dazugehörten. Die Vertreter des LBM machten klar, dass es auf der heutigen Weinstraße ein Fahrverbot für Lkw, die keine Zulieferfahrzeuge sind, gebe. Einige Besucher monierten, dass es an entsprechenden Verkehrsschildern fehlen würde.

Verkehrsgutachten wird noch vorgestellt

Landrat Ihlenfeld machte auf die Veranstaltung im Dürkheimer Werner-Heisenberg-Gymnasium am 19. November aufmerksam, wenn das aktuelle Verkehrsgutachten für 2030 für die B 271 neu „detailliert“ vorgestellt wird.

Am Lkw-Verkehr durch den Ort übten Besucher Kritik.
Am Lkw-Verkehr durch den Ort übten Besucher Kritik. Foto: Franck
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