Bad Dürkheim „Heit Owend kracht’s“

Peter Stahl (mit der Gitarre in der Hand) wird heute sein letztes After-Work-Party-Konzert geben.
Peter Stahl (mit der Gitarre in der Hand) wird heute sein letztes After-Work-Party-Konzert geben.

Heute Abend geht – man darf das ruhig ein wenig theatralisch formulieren – im Adler in Weisenheim eine Ära zu Ende. Nach 14 Jahren gibt Peter Stahl ganz offiziell sein letztes After-Work-Party-Konzert (AWP) mit den Friday Night Igels. Jener Band, ursprünglich bestehend aus Wolfy Ziegler am Bass und Grönemeyer-Schlagzeuger Armin Rühl, mit denen Stahl an jedem ersten Freitag im Monat einen Gast einlud und die Musikkneipe regelmäßig aus allen Nähten platzte. Ohne die Igels und ohne die After-Work-Party, die, so Stahl, „aus einer völlig bescheuerten Idee von Armin nach einem völlig bescheuerten Konzert“ entstanden ist, wäre auch nie Musik und Kultur (MuK) Weisenheim gegründet worden. Jetzt ist MuK eine der ersten Adressen in Sachen Musik und Kultur in der Region. Auch hätten nie Musiker wie Waldo Weathers, Rolf Stahlhofen oder Hannes Bauer dort gespielt. Und es wäre nicht nahezu die komplette Grönemeyer Band aus Köln angereist, „um in Weisrem uffem Dorf zu schbiele, weil dort freidaachs die Hitt brennt“, wie Stahl treffend umschreibt. Doch der Reihe nach: Nach einem für Stahl völlig unbefriedigenden Konzert im Adler im Dezember 2004 lud er mit Rühl gerade die Bassdrum in dessen Bus, als er zu Adler-Wirt Peter Nastoll sagte, „dass ich hier nicht mehr spiele, die Leute hören gar nicht richtig zu“. Darauf habe Rühl ihn angeraunzt und gesagt: „Nix gibt’s. Der Laden ist super, des mache mer ab jetzt einmal im Monat. Wart ab, des läuft.“ Und wie’s gelaufen ist. Januar 2005 fand die erste After-Work-Party mit Gast Stefan Ullmann statt. Ein Jahr später und bis heute war die Veranstaltung dauerausverkauft. Irgendwann saßen Stahl und Nastoll gemeinsam mit dem ehemaligen MuK-Vorstand Klaus Groh und Peter Josny im Adler und begannen zu später Stunde – man munkelt, es wurde dabei nicht nur Bio-Saft-Schorle getrunken – zu wetten. Josny und Groh müssten die Gage für einen Gig von Lindenberg-Gitarrist Hannes Bauer zahlen, wenn Stahl diesen dazu überreden würde, im Adler zu spielen. Einen Anruf später waren die beiden ihr Geld los und daraufhin die Pfalz künftig um einen Verein namens MuK reicher. Denn um solche Kaliber künftig an Land zu ziehen, „dachten wir“, so Stahl, „wir gründen einen Verein, nötigen unsere Freunde einzutreten und garantieren durch die Mitgliedsbeiträge die Gagen“. Mittlerweile hat der Verein 380 Mitglieder. Stahl schüttelt deswegen immer noch den Kopf. „Uns ist das einfach so zugeflogen. Das kann nirgendwo so funktionieren wie im Adler“, findet Stahl, der der Hauptverantwortliche für die Gestaltung der AWPs war. Stahl telefonierte den musikalischen Gästen hinterher, koordinierte die Setlist, überwachte den Aufbau, war Knotenpunkt. Auch die musikalische Vorbereitung auf die Gäste, die den Igels mehr oder weniger vorgaben, was an dem Abend geboten werden sollte, gehörte dazu. Da er sich selbst einen „perfektionistischen Ansatz“ unterstellt, wollte er auch punktgenau liefern. Für heute Abend hat Stahl nur ein Motto: „Heit Owend kracht’s“, macht er unmissverständlich klar. Da kommt auch sein Marshall-Verstärker zum Einsatz, „net des goldische Knodderding des isch schunscht schbiel“, pfälzert er grinsend. Klanglich lägen da Welten dazwischen, „aber heit Owend werd noigerotzt, vielleischt schwitz isch ah emol.“ Monat für Monat habe er alles schön mitgemacht, was der jeweilige Gast so wollte, aber „an meinem Abschiedsabend hab ich mich auch in die Setlist eingemischt, was ich noch nie gemacht habe“. Auftreten wird Stahl nicht mehr mit der ursprünglichen Besetzung der Igels, sondern mit den Nachfolgern Stefan Kahne (Gitarre) und Herb Jösch (Drums). Original-Igel Bassist Wolfy Ziegler ist schon seit Beginn des Jahres nicht mehr dabei. Drummer Armin Rühl wird zwar heute Abend anwesend sein, allerdings als Gast. Die Gastsängerin Nicole Hadfield hat er gebeten, vier Songs seiner Wahl zu singen, darunter – wie sollte es auch anders sein – „I love Rock’n Roll“ von Joan Jett. Könnte auch das Motto von Stahl sein.

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