Bad Dürkheim Gut ausbalancierter Stimmapparat

Zum stimmungsvollen Gesamtkunstwerk geriet der Aufritt von Canto del Mondo aus Wachenheim am Freitagabend im Von-Busch-Hof in Freinsheim. Unter dem Motto „Stemning – Stimmung“ präsentierte die gemischt-stimmige Chorformation unter der Leitung von Martina Jutz ein in vielerlei Hinsicht atmosphärisches Konzertprogramm mit Chormusik aus Skandinavien. Den Erlös spenden die Veranstalter vom Lions-Club für Schulprojekte unter anderem in Freinsheim und Weisenheim am Berg.
Wieder einmal erfreute das Publikum die liebevolle, Auge und Ohr gleichermaßen ansprechende Konzeption. Es begann schon mit dem Programmblatt, dessen Hintergrund ein Aquarell von Coris Koutras zierte. Seine Farbgebung griff der Chor mit der in zarten grün-grau-blauen Tönen gehaltenen Konzertkleidung auf. Dazu trug die sympathische Moderation zweier Chorsänger bei, die die vielfach in schwedisch gesungenen Chorsätze aus Romantik, Spätromantik und Moderne mit Kenntnis und Esprit flankierten. Doch natürlich stand der Chorgesang im Zentrum des Interesses. Canto del Mondo erwies sich als engagierter, wunderbar ausbalancierter Stimmapparat, dem die Zuhörer im gut gefüllten Saal andächtig folgten. Die Basis des Programms bildeten skandinavische Volkslieder, die die Mythenwelt von Naturgeistern, Feen und Trollen besangen oder den Kontrast aus langen Licht- und Dunkelheitsphasen thematisierten. Wohl am prägnantesten waren die Lieder, die ihre Kraft aus dem Schatz der fröhlichen Festtagsweisen schöpfen. Gerade die der Basis beigestellten Beiträge erwiesen sich als mitunter furiose „Schmankerl“, die das Publikum zu Bravos reizten. Leider honorierte die stumpfe, harte Akustik des Saals die Bemühungen der Sänger nicht. Die fast durchgängig intonationssicheren Sänger durften dadurch nicht so strahlen, wie sie es hoch verdient hätten. Der Auftakt Stemning op. 11 Nr. 1 von Wilhelm Peterson-Berger glänzte im Schattenspiel von Licht und Dunkelheit durch ausgeprägte Dynamik während „l furuskogen“, ebenfalls von Peterson-Berger, herrlich flüsternde Wasser und springende Bäche assoziierte. Zu einem Favoriten des Publikums wurde das schwedische Volkslied „Jag tänker allt mer pa in bröllopsdag“, das unbeschwert fröhlich und in authentisch-bewegenden Klangfarben dargeboten wurde. Dies „Hochzeitslied“ sollte noch ein Nachspiel haben. Sofort folgte der nächste Höhepunkt: „Gabriellas Sang“ von Stefan Nilsson aus dem von vielen Sängern beliebten Film „Sa som i himmelen“ (Wie im Himmel) wurde mit den ersten Bravos gerühmt. Leider verdeckte das begleitende Klavier mitunter das warme, anrührende Solo von Martina Jutz. „Uti var hage“ (Hugo Alfvén), ein Sommer- und Liebeslied, gefiel durch die rhythmisch-frische Artikulation des Chors, während die moderne, aufreizende Stimmencollage „Choir Collage“ (Boke Jonsson) mit ihrem trefflichen Stilmittelmix zum fulminanten Kabinettstückchen wurde. Der Arrangeur und Jazzpianist Nils Lindberg komponierte mit „Shall I compare thee“ nach einem Text von William Shakespeare eine harmonisch dichte, an den Engländer John Rutter erinnernde Weise, die eine weitere Facette des Abends darstellte. Feiner Klangfarbengesang, einfühlsam von Simone Reisner am Klavier begleitet, kennzeichnete das „Benedictus“ aus „Andliga Sanger“ von August Söderman. Der in Sprache und Komposition eher deutsch daherkommende „Ritter Frühling“ von Niels Wilhelm Gade litt hier und da an der zu spitzen, engen Höhe der Soprane, während das romantisch-sinfonische „Siehst du das Meer“ von Edvard Grieg gelungene, sängerisch anpackende Steigerungen bot. Einmal mehr bezauberte der Chor mit dem hinreißenden, karelischen Volkslied „Ruskei necyt, valgei necyt“ (Brown Girl, white Girl), das mit noch etwas mehr Temperament und Präzision bei besserer Akustik zum echten Knüller werden kann. Besinnlich und am Ende stimmungsvoll verklingend, beschloss das „Nocturne“ von Evert Traube, nach einem Arrangement von Anders Öhrwall, das Konzert. Das fröhliche „Hochzeitslied“ von „Bröllopsdag“ als Zugabe ließ die Zuhörer. die kräftig mitsingen durften, in begeistertes Lärmen ausbrechen. Trällernd „trollte“ man sich anschließend in den Abend. (twg)