Bad Dürkheim Glogger als Hochstapler spitze

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Jeden zweiten Tag muss die Dürkheimer Feuerwehr im Schnitt zu einem Einsatz ausrücken. Rund 160 sind es pro Jahr. Gestern allerdings präsentierte sich die Löschtruppe auf dem eigenen Gelände: Beim Tag der offenen Tür gaben sie Einblicke in ihre Arbeit. Mit Spendenkassen wurde Geld für die Hinterbliebenen des BASF-Unglücks gesammelt.

Der fünfjährige Elias darf der Zuschauerschar zeigen, wie sinnvoll ein Feuerlöscher auch im eigenen Haushalt sein kann. Assistiert von einem Feuerwehrmann, der den schweren Körper des Geräts für den Jungen trägt, hält Elias die Düse auf die Flammen, die auf dem Gelände der Feuerwehr emporschlagen – nach ein paar Sekunden bleibt nur noch Rauch, wo es zuvor loderte. „Das war ja pippileicht“, sagt er danach stolz. Bei strahlendem Sonnenschein strömen die Menschen gestern zum Feuerwehrgerätehaus in der Dr.-Kaufmann-Straße, um sich die Arbeit der Feuerwehr anzuschauen. Die Floriansjünger zeigen unter anderem, welche verheerenden Konsequenzen es haben kann, einen brennenden Topf auf dem Herd mit Wasser löschen zu wollen – eine riesige Stichflamme stiebt in den wolkenlosen Himmel. Kurz darauf ertönt ein ohrenbetäubender Knall. Eine Deoflasche ist explodiert. Laut Karlheinz Bayer, dem stellvertretenden Wehrleiter, eine unterschätzte Gefahr: Es ist Winter, man hängt die Jacke zuhause zum Trocknen an die Heizung, hat eine Deoflasche in der Jackentasche – die Wärme der Heizung genügt, um das Deo explodieren zu lassen, erläutert er. Lange Kinderschlangen bilden sich vorm „Stapler-Basketball“: Mit der Gabel eines Staplers dürfen sie versuchen, einen Basketball ins Netz zu bringen. Auch ein paar Meter weiter ist mächtig was los: Wer schafft es, die meisten Getränkekisten zu stapeln und daran so hoch wie möglich zu klettern? Bis zum Nachmittag hält Bürgermeister Christoph Glogger den Rekord mit 23 Kisten. Die elfjährige Leonie hätte ihn fast eingeholt: Geduldig und vorsichtig stapelt sie Kunststoffbox auf Kunststoffbox. Kurz vor der 16. Kiste ist jedoch Schluss: Der Turm, der schon seit Minuten gefährlich wackelt, gibt nach. „Hat trotzdem Spaß gemacht“, berichtet Leonie mit roten Wangen, als sie wieder sicheren Boden unter den Füßen hat. Auf der Straße aufgereiht stehen neben den aktuellen Einsatzwagen Oldtimer zur Besichtigung bereit; der älteste Baujahr 1942, der bis Anfang der 1970er-Jahre noch in Dürkheim im Einsatz war. In der Gerätehalle selbst ist bestens für das leibliche Wohl gesorgt. Für die Hinterbliebenen der drei Todesopfer des BASF-Unglücks, das sich vor zwei Wochen ereignet hat, haben die Wehrleute gestern Spenden gesammelt. „Die Stimmung in der Truppe ist bedrückt“, berichtet Bayer. Es werde viel über die Explosion gesprochen. „Wir haben hier nicht das Gefahrenpotenzial wie in der BASF“, so Bayer, „aber auch hier kann jederzeit etwas explodieren. Man muss sich bewusst sein, dass Feuerwehrarbeit ein schönes Hobby ist, aber auch ein gefährliches.“ 67 Aktive zählt die Wehr derzeit. Nachwuchs zu finden, „das wird immer schwerer“, berichtet Wehrleiter Roland Altvater. Deshalb seien Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür auch so wichtig für die Truppe. „Den Menschen bewusst klar zu machen, dass die freiwillige Feuerwehr von Bürgern getragen wird, die sich für Bürger engagieren“, so Altvater. Bei Elias scheint das zu funktionieren: Er will später Feuerwehrmann werden, verkündet der Fünfjährige nach seiner erfolgreichen Löscharbeit. |hn

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