Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel „Gesicht der Dürkheimer CDU“: Reinhard Stölzel verstorben

2019 hat Reinhard Stölzel die Kommunalpolitik nach jahrzehntelangem Engagement verlassen. Erstmals im Dürkheimer Stadtrat saß er
2019 hat Reinhard Stölzel die Kommunalpolitik nach jahrzehntelangem Engagement verlassen. Erstmals im Dürkheimer Stadtrat saß er bereits 1972.

Reinhard Stölzel, langjähriger Fraktionsvorsitzender im Dürkheimer Stadtrat, ist wenige Tage vor Weihnachten im Alter von 73 Jahren verstorben. Der Kommunalpolitiker aus Überzeugung war zuletzt gesundheitlich schwer angeschlagen. Lange Jahre galt er als das Gesicht der Dürkheimer CDU.

Neben der Traurigkeit haben seine Weggefährten oft ein Lächeln in der Stimme, wenn sie über Reinhard Stölzel sprechen. Kurt Freund kennt den Mann, der die Kommunalpolitik in Stadt und Kreis in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat, seit seiner Jugend. Da war Stölzel in der Jungen Union, Freund in der Jungwinzerschaft. Dass sich der spätere Vorstandsvorsitzende der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten dann ebenfalls politisch engagierte, daran sei „der Reinhard“ nicht ganz unschuldig gewesen. Zusammen saßen die Männer jahrzehntelange im Dürkheimer Stadtrat. Beide wurden mit der Stadtsilhouette ausgezeichnet, als sie 2019 ausschieden.

Für Kurt Freund ist nicht nur ein politischer Weggefährte, sondern auch ein Freund gegangen. In wenigen Tagen wollte er mit Stölzel wie schon oft das neue Jahr begrüßen. Nun wird er fehlen, Freund und seine Frau werden unter sich bleiben.

„Wir haben öfter zusammen gefeiert“, sagt Freund. Er erinnert sich amüsiert an „umfangreiche Weinproben“ mit Stölzel, der als Genussmensch galt. Eine Leidenschaft und Lebensfreude, die sich bei Stölzel unter anderem in seinem Engagement im Barrique-Forum zeigte, dessen Mitbegründer er war.

Zur CDU ist Stölzel ebenfalls auf genussvolle Weise gekommen, erzählte er in einem RHEINPFALZ-Gespräch zu seinem Abschied aus der Kommunalpolitik: 1965 – auf dem Wurstmarkt. Ein wichtiges Fest für Stölzel, der 30 Jahre lang im Dürkheimer Wurstmarktausschuss saß. Und das, obwohl er gar kein alteingesessener Pfälzer war. Geboren wurde Stölzel in Leipzig, als Kind kam er 1960 in die Kurstadt. Pfälzisch gesprochen hat er nie.

„Der Reinhard war ein unheimlicher Schaffer“, sagt Freund. Sein Engagement sei mitverantwortlich dafür gewesen, dass 1999 mit Wolfgang Lutz erstmals ein CDUler Stadtbürgermeister wurde. „Bad Dürkheim wäre ohne ihn ärmer gewesen“, sagt Freund über Stölzel. Dieser habe auch eine „gewisse Sturheit“ mitgebracht. Aber trotz Ecken und Kanten – persönlich sei er parteiübergreifend geschätzt worden.

Die langjährige FDP-Chefin Heidi Langensiepen erinnert sich mit viel Wärme an ihren Mitstreiter. Beide wurden 1999 zu Pionieren, als sie zusammen mit den Grünen ein damals noch höchst ungewöhnliches Jamaika-Bündnis eingingen. Sogar bundesweite Aufmerksamkeit war ihnen sicher. Der Koalitionsvertrag entstand damals im Arbeitszimmer des Lehrers für Mathematik und Physik, der auch an Fachhochschulen und am Telekolleg unterrichtete. „Die Formulierung hat er mir überlassen, er war für die Präzision zuständig, wir waren ein gutes Paar“, erinnert sich die frühere Beigeordnete der Stadt Bad Dürkheim an die Zusammenarbeit.

Im Kreistag standen sie sich lange Zeit als Fraktionsvorsitzende ihrer Parteien gegenüber: „Er sprach ein bisschen leise, mit dem Kopf nach unten“, erinnert sich Langensiepen an die Redebeiträge Stölzels. Dadurch hätten die Zuhörer besonders aufmerksam sein müssen. „Ich traue ihm zu, dass das Absicht war,“ sagt Langensiepen. Stölzel sei immer ein verlässlicher politischer Partner gewesen. „Er hat es nie darauf angelegt, jemanden zu brüskieren oder zu verletzen.“ Die menschliche Seite zwischen beiden habe immer gestimmt, gerne hätten sie miteinander geflachst. Mit wenigen Menschen im Politikbetrieb ist Heidi Langensiepen per Du. Außerhalb ihrer Partei mit niemandem – Ausnahme: Reinhard Stölzel.

„Viele Stunden in Stadt und Partei investiert“

„Vielen von uns war er ein enger, persönlicher Freund“, sagt Markus Wolf. Der Landtagsabgeordnete ist Stölzels Nachfolger als CDU-Fraktionssprecher im Dürkheimer Stadtrat und im Kreistag. „Es ist nicht zählbar, wie viele Stunden er in Stadt und Partei investiert hat“, sagt Wolf über den verstorbenen Ehrenvorsitzenden der Dürkheimer Partei. Sein kommunalpolitisches Engagement war unter anderem mit der Stadtehrenplakette in Gold und der Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes gewürdigt worden. „Über Jahre war er das Gesicht der Dürkheimer CDU“, sagt Wolf.

Reinhard Stölzel hinterlässt drei erwachsene Kinder und eine Lebenspartnerin.

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