Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gefahr durch Heckenschnitt und Mähroboter: Wie gelingt der Igelschutz?

Lebt auch im Winter gefährlich: der heimische Braunbrustigel.
Lebt auch im Winter gefährlich: der heimische Braunbrustigel.

Im Winter schlafen Igel – sofern sie nicht gestört werden. Igelfreunde fordern von den Kommunen Schutzmaßnahmen beim Heckenschnitt, um den Bestand zu sichern.

Die vergangenen Tage war es frostig kalt – ideale Temperaturen für Igel im Winterschlaf. Milde Plusgrade im Januar oder Februar sind dagegen keine guten Nachrichten für das heimische Stacheltier, das seit vergangenem Herbst laut internationaler Liste der Weltnaturschutzunion als „potenziell gefährdet“ gilt. Brauchen Igel doch eine ausreichend lange, ungestörte Zeit im Winterschlaf, um es mit ihren Fettreserven bis zum Frühjahr zu schaffen. Erst dann finden sie wieder Insekten und Käfer zum Fressen.

Störungen, wie sie etwa Trupps der Kommunen beim Heckenrückschnitt verursachen, können daher für Igel gravierende Folgen haben. Miriam Einsiedel-Schäfer aus Ellerstadt, die sich bei den Igelfreunden Rhein-Pfalz für die stacheligen Säugetiere einsetzt, berichtet von mehreren Notfällen im Januar: Nach Abholzung von Hecken durch Gemeinden wurden Igel ihrer sicheren Nester beraubt und unsanft geweckt. „Viele Igel sind nach solchen Rodungen verletzt oder finden kein neues Nest mehr. Ohne Hilfe kommen etliche Tiere dann nicht über den Winter“, weiß Einsiedel-Schäfer.

Igelschutz analog zum Vogelschutz

Sie fordert, dass Kommunen analog zum Schutz der Vögel auch etwas für den Igelschutz unternehmen müssten. „Hier herrscht einfach gar kein Bewusstsein dafür, wie stark der Igel gefährdet ist“, vermutet die Ellerstadterin. So sollten städtische Grünflächen im Winter nicht bis in Bodennähe kahl geschnitten und generell Parks und Spielplätze lieber etwas wilder belassen werden. „Das sieht vielleicht nicht so ordentlich aus, hilft aber dem Igel und auch den Insekten“, weiß die Tierfreundin.

Gerade weil viele Hausbesitzer ihre Gärten aufgeräumt halten oder gar Steingärten anlegen, stünden hier die Kommunen in der Pflicht. Auch Katharina Schneeberg, Zoologin am Pfalzmuseum für Naturkunde, plädiert für mehr „Unordnung“, um den Bestand der Igel nicht weiter zu gefährden. „Perfekt sind Gärten und Parks, die verwildert sind, etwa mit aufgeschichteten Ästen oder zusammengerechtem Laub.“

Freinsheim plant Rückzugsorte für Igel

Genau das plant die Stadt Freinsheim für den nächsten Winter. Franz Rasp (SPD), Beigeordneter der Stadt und unter anderem zuständig für die Bereiche Bau und Friedhof, kündigt an: „Ausgehend von den aktuellen Erfordernissen wollen wir im Barock- und Apothekergarten sowie auf dem Friedhof nächstes Jahr Laubhaufen als Rückzugsorte liegenlassen. Bei den derzeit erfolgenden Rückschnitten von Hecken arbeiten wir überwiegend mit Handwerkzeug, das ist vorsichtiger und präziser als mit Maschinen.“ Weniger starken Rückschnitten von Bäumen und Sträuchern auf Spielplätzen erteilt Rasp jedoch eine Absage: Hier ginge es auch um die Verkehrssicherheit der Plätze.

Die Verwaltung der Stadt Bad Dürkheim sowie der Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim berichten auf Anfrage, dass es keine speziellen „Programme“ zum Igelschutz gibt. Insgesamt sei die VG-Verwaltung in Freinsheim aber seit Jahren bemüht, die Flächenpflege sowohl ökologisch als auch hinsichtlich des Artenschutzes zu verbessern, schreibt Sabine Dell, stellvertretende Leiterin der Bauabteilung. „Wir sind dazu übergegangen, Bereiche gerade über den Winter stehen zu lassen und so ein Mosaik aus unterschiedlichen Flächen zu bekommen, wie es früher einmal natürlicherweise war. Hierzu gehört auch, dass Flächen besser abgemäht oder beweidet werden sollten, anstatt dass sie, wie im Moment leider fast überall, gemulcht werden.“ Dadurch würden viele Insekten und Igel getötet.

Laubhaufen im Kurpark

Bad Dürkheim hat den Igelschutz ebenfalls nicht konkret geregelt, im Kurpark werde jedoch darauf geachtet, „wilde Ecken mit Laubhaufen zu belassen, beispielsweise in der Nähe des Papillon“, schreibt Pressesprecherin Sonja Lutz. Auch auf den städtischen Friedhöfen gebe es Rückzugsorte für Igel. „Darüber hinaus gibt es derzeit keine aktiven Schutzmaßnahmen oder konkrete Planungen für Grünanlagen.“ Allerdings werde schon jetzt bei Grünschnittmaßnahmen, die bis zum 28. Februar in allen Ortsteilen in kleinem Umfang stattfinden, darauf geachtet, diese nicht bodennah erfolgen. „Maschinelle Schnitte werden in der Regel in einer Höhe von 1 bis 1,50 Metern durchgeführt, oder es erfolgt lediglich eine seitliche Einkürzung.“

Vollumfänglicher Igelschutz nicht möglich

In der VG Wachenheim ist Igelschutz als Artenschutz ein Thema, auch hier gibt es allerdings keine spezifischen Regelungen, wie Stefan Schneider, Leiter des Bauamts, erklärt. Obwohl die Mitarbeiter bei der Grünpflege darauf achteten, mögliche Rückzugsräume von Igeln und Eidechsen bei der Mahd außen vor zu lassen, sei dies nicht immer vollumfänglich zu gewährleisten. Hier gehe es beispielsweise auch um die Verkehrssicherheit von Straßeneinmündungen, die die Rodung von Gehölzen erforderlich machten. Insgesamt sei man jedoch dazu übergegangen, Rückschnitte nur in dem Maße durchzuführen, wie unbedingt erforderlich und nicht „auf Vorrat“ zurückzuschneiden. „Bodennaher Rückschnitt wird soweit möglich vermieden“, betont Schneider.

Für Einsiedel-Schäfer fehlen trotz dieser Bemühungen konkrete Maßnahmen in den Kommunen. Ihr Vorschlag: Den Zeitraum für den Heckenrückschnitt aus Gründen des Igelschutzes bis Ende März zu verlängern und Bereiche in Parks mit Holzzäunen aktiv abzugrenzen, um geschützte Rückzugsorte für Igel im Winter zu schaffen. Zudem sollte laut Einsiedel-Schäfer und Schneeberg der Einsatz von Mährobotern von Frühjahr bis Herbst von Verwaltungen auch für Privatleute eingeschränkt werden: Hier geht es Schneeberg vor allem um ein Nachtfahrverbot der elektrischen Mähroboter, wie es etwa Köln erlassen hat.

x