Bad Dürkheim Geduldsfaden reißt in Gundheimer Gasse

Schlepper-Anhänger, die am Straßenrand stehen, sind in einem Weindorf normalerweise nicht erwähnenswert. Anders ist das in der Gundheimer Gasse in Ungstein. Da haben Anwohner zwei Rollen auf markierte Parkplätze gestellt, „damit der Verkehr abgebremst wird, denn uns reicht es“, sagt Elke Weisenborn, die in der Straße wohnt.
Seitdem die ehemalige Anwohnerstraße ausgebaut und im September 2012 für den Verkehr in beide Richtungen freigegeben wurde, ist in der Gasse, die nun eine Straße ist, in mehrfacher Hinsicht der Teufel los. „In den vergangenen Monaten ist es so schlimm geworden, dass ich gesagt habe, jetzt werden die Parkplätze belegt“, sagt Dieter Weisenborn. Auf zwei Parkplätze in der Gundheimer Gasse wurden Anhänger gestellt. Einer gehöre der Familie Weisenborn, der andere einer weiteren Familie aus der Straße, sagt Elke Weisenborn. „Wir setzen so nur das Urteil des Oberverwaltungsgerichts um“, sagt Dieter Weisenborn. Die Parkboxen in der Gundheimer Gasse sind nämlich nicht einfach nur Parkplätze, sie haben eine zusätzliche Aufgabe. Sie sollen den Verkehr beruhigen, so dass die Autofahrer nicht schneller als mit Tempo 30 durch die Straße am Ortsrand von Ungstein fahren können. Vor dem Ausbau der Gundheimer Gasse hatte die Familie Weisenborn ein Normenkontrollverfahren geführt. „Die Stadt muss dafür sorgen, dass in der Gundheimer Gasse Tempo 30 eingehalten wird, das hat das Oberverwaltungsgericht in seinem Urteil festgelegt“, berichtet Dieter Weisenborn. Deshalb habe die Verwaltung Markierungen für Parkboxen auf die Gundheimer Gasse aufmalen lassen. Wenn die Parkplätze belegt sind, „wird langsamer gefahren“, so Dieter Weisenborn. Doch vor allem tagsüber seien die Parkplätze oft frei „und dann ist das eine reine Rennstrecke“, sagt Elke Weisenborn und zeigt auf die Autos, die gerade vorbeifahren. Die seien mit deutlich mehr als Tempo 30 unterwegs. „Die donnern vor allem von Norden aus mit Speed durch die Straße“, berichtet Elke Weisenborn von ihren Beobachtungen. Heike Tempel, die im nördlichen Teil der Kirchstraße wohnt, der zur gleichen Zeit, wie die Gundheimer Gasse für den Gegenverkehr freigegeben wurde, berichtet von einem jungen Mann, der bei der Fahrt durch die Gundheimer Gasse und den nördlichen Teil der Kirchstraße immer teste, „wie schnell er um die Kurve kommt“. „Es ist doch egal, ob Autos oder Rollen in den Parkbuchten stehen“, sagt Elke Weisenborn. Das sieht ein Autofahrer aus Weisenheim am Berg anders. „Das ist sinnlose Verschwendung von Parkraum, das passt mir nicht“, ärgert sich der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. „Über die Rollen ärgern sich nur die, die hier schnell fahren wollen“, sagt Elke Weisenborn. Ärgern tut sich offensichtlich ein junger Mann, der mit seinem Opel zwar nicht hinter einer der Rollen, aber hinter einem parkenden Auto warten muss, bis der Gegenverkehr vorbeigefahren ist. Mit quietschenden Reifen donnert er los. Das An- und Abfahren der Autos sei zwar sehr störend „und dadurch wird auch die Umwelt mit Abgasen belastet“, sagt Ursula Ernst, die ebenfalls in der Gundheimer Gasse wohnt. Doch wenigstens könnten die Autofahrer dann nicht so schnell fahren und dadurch andere gefährden, etwa Fußgänger auf dem Bürgersteig, sagen die Frauen. Es sei aber auch so gefährlich, sind sich Weisenborn und Ernst einig. „Denn die Gundheimer Gasse ist zu schmal für Gegenverkehr“, betont Ernst. Die beiden Frauen berichten, dass bei Gegenverkehr ständig Autos und Lkw auf den Gehweg ausweichen. Besonders schlimm sei es mit den Bussen: „Die fahren mit Tempo über den Bürgersteig.“ Der Bordstein der neu ausgebauten und noch nicht abgerechneten Straße sei schon beschädigt. Elke Weisenborn stellt sich an den Rand des Gehwegs in Richtung Straße. Mehrere Autos fahren in beachtlichem Tempo im Abstand von wenigen Zentimetern an ihr vorbei. „Die würden mir den Hintern abfahren, das ist denen ganz egal“, sagt Weisenborn. Seit Monaten würden die Rollen schon an diesen Stellen stehen und seien in dieser Zeit nicht bewegt worden, meint der verärgerte Autofahrer aus Weisenheim am Berg. Das stimme nicht, widersprechen die Weisenborns. Die Rollen würden alle 14 Tage auf einen anderen Parkplatz gestellt. Für die Dauer von zwei Wochen dürfe ein angemeldeter Hänger auf dem gleichen Platz stehen bleiben. Das bestätigt Petra Wurm, Sprecherin der Stadtverwaltung. Der Verwaltung sei bekannt, dass die Rollen in der Gundheimer Gasse stehen. Die Stadt kontrolliere immer wieder, ob sich an dem Standort der Rollen etwas geändert hat. Dabei stelle man fest, dass die Rollen regelmäßig umgestellt werden. „Die Rollen wären sofort verschwunden, wenn die Stadt zur Verkehrsberuhigung Blumenkübel aufstellen würde“, sagt Dieter Weisenborn.