Bad Dürkheim Furiose Tastenkunst

Emotionale Künstlerin: Nareh Arghamanyan im von-Busch-Hof in Freinsheim.
Emotionale Künstlerin: Nareh Arghamanyan im von-Busch-Hof in Freinsheim.

Die Pianistin Nareh Arghamanyan hat schon zweimal im Freinsheimer von-Busch-Hof das Publikum in freudiges Erstaunen versetzt. Kein Wunder, dass am Samstag der Saal voll besetzt war. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Wer Arghamanyans erstaunliche Virtuosität, ihre Artistik am Piano noch nie gesehen oder gehört hatte, konnte es nicht fassen. Und wer sie schon kannte, war erneut überrascht und beeindruckt. „Wie hält das Klavier das aus “, hörte man in der Pause fragende Stimmen im Publikum. Das Temperament Arghamanyans ist überwältigend. Der erste Teil des Konzerts bestand aus fünf Stücken, vier davon in fis-Moll. Sie begann mit dem Capriccio op. 76 Nr. 1 von Johannes Brahms, „un poco agitato“ – es war aber nicht ein wenig, sondern äußerst bewegt. Das Publikum wurde sofort in einem Strom von Musik mitgerissen. Allerdings zeigte sich, dass sie nicht nur rasend schnell mit reichlich Pedal spielen kann, sondern auch leise Töne mit viel Gefühl hervorbringt. Sie entfaltete schon im ersten Stück eine außerordentliche Vielfalt der Klänge. Mendelssohn Bartholdys „Schottische Sonate“ klang danach fast zurückhaltend, erzählend, aber nicht ohne heftige Regungen. Sausende, klingelnde Töne , verhaltenes Drama auch in dem folgenden „Lied ohne Worte“ Mendelssohns und Robert Schumanns Novellette Nr. 21. Camille Saint-Saens’ „Danse macabre“ klang nicht durchgehend wie ein düsterer Totentanz, sondern hatte heitere Züge und endete mit einem witzigen „Ping“, dem Hahnenschrei am Ende des Tanzes. Langes Klatschen und Bravorufe begleiteten die Pianistin in die Pause. Im zweiten Teil änderte sich der Charakter der Musik. Eine Auswahl aus Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“ op. 37 folgte. Leichte, volksliedhafte, eher besinnliche Töne charakterisieren diese Stücke, durchwebt von Trauer, gedankenreich, sehr poetisch, aber keinesfalls simpel. Vom traurigen stets schneller werdenden Novemberlied ging sie nicht in den Dezember über, sondern stellte den August und die Ernte mit ihren rhythmischen Arbeiten und ausgelassenen Festen an den Schluss. Sehr schön arbeitet Arghamanyan die Melodien heraus, sie kann auch ohne dramatische Geste spielen und so eine völlig andere Stimmung entfalten. Ganz in ihrem Element aber war die junge armenische Pianistin bei der Musik ihres Landsmanns Aram Chatschaturjan, wilde Ballettmusik aus „Spartakus“ und „Gayaneh“ hat sie selbst für das Klavier arrangiert. Es konnte dem Publikum schwindelig werden beim Zuhören und Zusehen. Leicht schwindelig wurde es auch der Pianistin, als sie den brausenden Beifall des Publikums entgegennahm. Sie stürzte anschließend auf dem Weg von der Bühne, rappelte sich aber gleich wieder auf. Niemand konnte erwarten, dass sie nach diesem Schrecken und der enormen Leistung des Konzerts noch eine Zugabe spielen würde. Das tat sie aber. Nareh Arghamanyan gab gleich deren zwei, wiederum in einem unglaublich furiosen Tempo, in den langsamen Partien mit einem andauernden Tremolo der rechten Hand. Das war unerhört im Wortsinne. Wie kann ein Mensch so Klavier spielen? Das Publikum war erstaunt und begeistert, es gab anhaltenden Beifall und laute Ovationen.

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