Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freifläche „Oberstnest“: Nicht alle wollen einen Parkplatz

Soll der Parkplatz an der Wachenheimer Edith-Stein-Kirche befestigt werden? An dieser Frage scheiden sich in Wachenheim aktuell
Soll der Parkplatz an der Wachenheimer Edith-Stein-Kirche befestigt werden? An dieser Frage scheiden sich in Wachenheim aktuell die Geister.

Um die Befestigung des Platzes gibt es derzeit eine Diskussion in Wachenheim.

Supermarkt, Multifunktionshalle, Altenheim – in den vergangenen Jahrzehnten waren fürs Oberstnest schon viele Verwendungszwecke im Gespräch. Die Debatte in Wachenheim um den von einigen als Filetstück bezeichneten Grund in zentraler Lage entzündet sich aktuell an einem Parkplatz, der Teil der Fläche am Oberstnest ist.

Eine Mehrheit des Stadtrats aus CDU und SPD hatte im September dafür gestimmt, dass der Platz für rund 400.000 Euro befestigt wird. Das Argument der Befürworter: Das Gelände sei de facto bereits jetzt ein Parkplatz und werde durch den bis zu 70 Prozent bezuschussten Ausbau endlich in einen guten Zustand versetzt. Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) unterstreicht die Notwendigkeit der Befestigung der Anlage. „Wer den Parkplatz anschaut, wird zustimmen, dass es ein Ärgernis ist“, sagt Bechtel mit Blick auf Pfützen und Staub.

Schon in der September-Sitzung des Stadtrats hatte es Widerspruch gegeben. So hatten unter anderem Vertreter der Grünen und der FWG kritisiert, dass es keine Gesamtplanung für das Gelände – das nicht nur aus einem Parkplatz, sondern unter anderem auch aus einem Wingert besteht – gibt. Sie verweisen dabei auf einen vor einigen Jahren vom Stadtrat beschlossenen Ideenwettbewerb, zu dem es nie gekommen ist.

Hier setzt auch die Kritik der „Interessengemeinschaft zur Entwicklung von Schule – Hort – Kindertagesstätte Pusteblume und Feuerwehr in Wachenheim“ an. Diese hat sich als Reaktion auf den Stadtratsbeschluss gegründet. Myriam Wittek, Markus Walber und Andreas Berger wollen sich dafür einsetzen, dass der Stadtratsbeschluss zur Befestigung des Parkplatzes wieder aufgehoben wird. Sie wünschen sich eine Gesamtplanung für das Gebiet. Diese soll die Bedürfnisse der Einrichtungen am Oberstnest berücksichtigen, heißt es in einem Papier, das sie derzeit in Wachenheim verteilen.

Die Initiatoren, Wittek, Walber und er, seien alles Eltern von Kindern, die teilweise noch in die Kita oder gerade in die Grundschule gehen, beschreibt Andreas Berger, wie sich die Interessengemeinschaft gefunden hat. Er spricht von Raumnöten in Schule, Kita und Hort. Mit dem Beschluss zur Parkplatzbefestigung werde eine „sinnvolle Nutzung des Geländes unmöglich gemacht“. Er habe Auswirkungen auf die „dringend notwendige Entwicklung zentraler städtischer Einrichtungen“. Der Aufhebung des Stadtratsbeschlusses spare zudem Steuergelder. Gegen die aktuelle Nutzung des unbefestigten Parkplatzes habe die Interessengemeinschaft aber nichts, betont Berger

Die Initiatoren sammeln nun Unterschriften, etwa 250 hätten sie bereits zusammen. Damit wollen sie erreichen, dass das Thema wieder auf die Tagesordnung des Stadtrats gebracht wird. Das Gremium habe dann die Möglichkeit, doch eine Gesamtplanung in Auftrag zu geben oder bei der Befestigung des Parkplatzes zu bleiben, so Berger. Bis Mitte November wollen die Initiatoren die Unterschriften vorlegen.

Bürgermeister Bechtel hat sich über die Unterschriftensammlung geärgert. In einem privaten Facebook-Post spricht er von „destruktiven Kräften“. Er betont, dass bereits bei einer Untersuchung zur Altstadtsanierung vor einigen Jahren die Notwendigkeit eines Entlastungsparkplatzes ermittelt und auch beschlossen worden sei.

Der Parkplatz mache keine weiteren Entwicklungen unmöglich, widerspricht er der Darstellung der Interessengemeinschaft. „Egal, was da entstehen kann und wird, an dieser Stelle vor der Kirche wird kein Gebäude entstehen“, sagt er.

Oberstnest als Option für Feuerwehr

Die Raumnöte der Grundschule sollen durch eine Erweiterung gelöst werden, von der auch der Hort profitiere könnte. Bei dem wiederum sei eine Erweiterung des Außengeländes geplant. Für den Feuerwehrstandort kündigt er eine Überprüfung an, ob eine Erweiterung am Standort möglich ist. Wenn nicht, soll es um einen neuen Standort gehen. „Ergebnisoffen“, wie er sagt. „Klar ist, dass das Oberstnest eine Option ist.“ Und solange das nicht geklärt sei, komme für ihn keine andere Nutzung für das Gelände neben dem Parkplatz infrage. Das alte Gerätehaus könnte zu einem Mehrgenerationenhaus werden, findet er.

Die Feuerwehrleute wünschen sich laut Wehrführer Thomas Münch einen Neubau des Gerätehauses an zentraler Stelle und halten den Platz am Oberstnest für geeignet. „Die Feuerwehr tangiert das gar nicht, wenn der Platz befestigt wird“, sagt Münch. Er fände eine Befestigung sinnvoll.

Aber kommt diese nun? Einen Bürgerentscheid, bei dem die Bürger zur Abstimmung aufgerufen werden, streben die Initiatoren derzeit nicht an, schließen diese Möglichkeit aber auch nicht aus, sagt Berger. Er spricht von einem mehrstufigen Verfahren, „bei dem man im Idealfall vorher abbiegt“.

Aus städtischer Sicht geht es mit der Befestigung des Platzes wie geplant weiter. „Wir warten auf den endgültigen Zuschussbescheid, die Verwaltung hat den Auftrag und arbeitet dran“, sagt Bechtel.

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