Bad Dürkheim / Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Freie Fahrt für Fahrschulen

Fahrschul-Inhaber Frank Schmid misst die Abstände zwischen den Tischen in seinem Unterrichtsraum.
Fahrschul-Inhaber Frank Schmid misst die Abstände zwischen den Tischen in seinem Unterrichtsraum.

Zwei Monate keine Einnahmen, aber laufende Kosten – damit ist jetzt Schluss. Denn ab Mittwoch gibt es wieder theoretische und praktische Fahrstunden. Auch Prüfungen laufen wieder an, aber unter neuen Bedingungen.

Der festangestellte Fahrlehrer ist in Kurzarbeit, Miete und Kosten für die Autos laufen weiter. Und die Einnahmen blieben nun zwei Monate lang aus: Denn sowohl theoretische als auch praktische Fahrstunden waren wegen der Corona-Pandemie verboten. Auch Online-Theoriestunden waren keine Option, denn diese Stunden werden nicht anerkannt, wie Achim Konrad von der Fahrschule Konrad mit Hauptsitz in Freinsheim erklärt.

Fahrlehrer feiert zweimal Geburtstag

Ab Mittwoch geht es nun endlich wieder weiter – eine große Erleichterung, sagt Konrad. Für Hygiene-Maßnahmen habe er in seinen Unterrichtsräumen gesorgt und „wenn einer ohne Maske kommt, bekommt er von mir eine. Ich habe genug besorgt“. Auch in den Autos müsse für entsprechende Hygiene gesorgt werden: „Nach dem Unterricht lüften wir und desinfizieren alles, was der Fahrschüler angefasst hat.“ An das Sprechen mit der Schutzmaske während der praktischen Fahrstunden müsse er sich allerdings noch gewöhnen. „Das ist nicht so einfach. Und die Brille beschlägt schnell. Vielleicht muss ich mir doch noch so ein Anti-Beschlag-Spray für die Brille kaufen“, überlegt Konrad und lacht. Am 18. März, als die Zwangsschließungen verkündet wurden, musste er sogar eine Prüfung abbrechen. „Während der Prüfer da war, kam die Nachricht, dass wir schließen müssen. Da mussten wir die Prüflinge heimschicken“, so Konrad. Für die Schüler sei das ein Problem: „Die Leute waren fertig ausgebildet. Nach zwei Monaten brauchen sie wieder Fahrstunden.“

Über die Eröffnung am Mittwoch ist Frank Schmid von der Dürkheimer Fahrschule Schmid mehr als erleichtert: „Diese Woche habe ich zweimal Geburtstag – am Dienstag wirklich und am Mittwoch, weil wir endlich wieder öffnen dürfen“, sagt der Fahrschul-Inhaber und lacht. Die Vorbereitungen für die Eröffnung laufen schon seit ein paar Wochen, denn die meisten Bestimmungen habe er sich denken können. Nun sind die offiziellen Vorgaben da: „Wir unterliegen den gleichen Bestimmungen wie auch die rheinland-pfälzischen Schulen“, erklärt Schmid. Das bedeute 1,5 Meter Abstand zwischen den Tischen, Maskenpflicht, so lange die Schüler noch nicht am Platz sitzen, und Desinfektionsmittel am Eingang. Um trotz der Abstandsregelungen möglichst viele Schüler in den Raum zu bekommen, baue er den Unterrichtsraum derzeit etwas um: „Noch vor zwei Wochen hatten alle Angst, dass die Regeln zu strikt werden. Aber wir bekommen bestimmt zehn bis zwölf Schüler unter. Damit lässt sich arbeiten“, sagt Schmid. Zweimal pro Woche sei Unterricht, man müsse sehen, ob eine Art Schichtsystem mit mehr Stunden nötig wird.

Prüfungen abgebrochen

Gar nicht in Frage komme für ihn Online-Unterricht, wie er teilweise in anderen Bundesländern durchgeführt wird. Erstens ist das in Rheinland-Pfalz nicht erlaubt, zweitens passe das einfach nicht zu dem 58-Jährigen: „Wer zu mir in den Theorieunterricht kommt, der weiß, der Unterricht besteht aus mir. Auf Online-Kurse werde ich mich nicht mehr umstellen“, sagt Schmid. Auch er musste am 18. März seine Prüflinge nach Hause schicken, erinnert er sich. Die erste Prüfung sei um 7.45 Uhr gewesen. Die ersten drei seien noch gutgegangen, doch dann habe er sofort aufhören müssen. Dass die Schüler dadurch Probleme haben oder mehr Fahrstunden brauchen, vermutet Schmid nicht: „Nach längeren Pausen sagen die immer, sie könnten nichts mehr. Aber das ist nicht wirklich so, nach zwei Ecken sind die wieder drin.“

Ein Problem sieht er eher in den Terminkalendern der Fahrschulen: Ein Führerschein sei für viele junge Leute essenziell. Gerade für die, die im Sommer eine Ausbildung beginnen: „Da muss man taktisch schauen, für wen es besonders wichtig ist. Ich habe zum Beispiel eine Schülerin, die in Speyer eine Ausbildung zur Pflegerin anfängt. Sie ist natürlich auf den Führerschein angewiesen“, sagt Schmid. Finanziell sei es für die Fahrschule dieses Mal gutgegangen, doch wenn so etwas noch einmal vorkomme, wisse er nicht, was passiert. „Man darf das nicht unterschätzen: Zwei Monate ohne Einnahmen. Die Gastronomie trifft es sicherlich härter, aber wir stehen dem nicht viel nach“, so Schmid.

Steigende Preise möglich

Dem stimmt der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Dieter Quentin, zu: „Fast acht Wochen ohne Umsatz, das ist eine große Herausforderung.“ Wie groß die Probleme für die einzelnen Fahrschulen werden, hänge auch von den Soforthilfen ab, wann sie gezahlt werden und wie hoch sie ausfallen. „Die Kollegen haben noch nicht alles überstanden, das muss jetzt erst einmal anlaufen“, so Quentin. Wegen des gestiegenen Kostenaufwands durch Hygienemaßnahmen und teilweise mehr Unterricht wegen der Abstandsregelungen müsse man nun mit Preiserhöhungen rechnen. Das liege aber im Ermessen der jeweiligen Fahrschulen.

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